Meine Route 68: Die Donau hinunter – 2. Tag

Etappe 2: Von Leipheim über Günzburg nach Lauingen

 Tschüss, Leipheim!

Heute ist das ideale Wanderwetter: Sonne, Schatten, keine Hitze!

Günzburg Sightseeing oder geradeaus weiter?
Ursprünglich wollte mein Günzburger Neffe heute Morgen mit mir und seiner fast einjährigen Tochter von Leipheim nach Günzburg laufen. Aber die kleine Dame machte die letzte Nacht zum Tage und hielt ihre Eltern munter. Klar, dann toppt Schlafnachholen Wandern einfach😉. Vor Günzburg konnte ich nicht widerstehen, und mich zog es ins Städtchen. Anfang Juni war die Gegend von schwerem Hochwasser geplagt. Mein Neffe verlor seine Wohnung und das Wasser muss immer noch abgekocht werden. Im Hotel gab es entsprechende Hinweise.
Der Weg von der Donau hoch zum Marktplatz ist trostlos: zugeklebte Scheiben und Hinweise zu Geschäftsaufgaben: „Günstig zu haben, ab sofort…“ Oben entfaltet das Städtchen nach wie vor seinen Charme:

Wasservögel: Dem Geschrei nach muss das eine Kolonie von Wildgänsen sein.

Vor jeder Staustufe wird die Donau natürlicher und bildet ein Paradies für Wasservögel. Heute sind viel weniger Schwalben unterwegs als gestern. Allerdings liegen immer wieder tote Tiere auf dem Weg. Ich befrage zwei wasservögelzählende Fotografen dazu: „Wahrscheinlich sind die gestern mit der ungewöhnlichen Kälte nicht klargekommen und haben sich zu sehr verausgabt?“


Was es nicht sonst noch so alles gibt am Donaustrand:
Hä?           

Jede Menge gelbe Teichrosen

Ein Paddler ist so kopflos, dass er einfach ins Wasser hüpft. Seine Begleiterin kommentiert trocken: „Habe ich vorher unfreiwillig auch gemacht, ist ziemlich kalt. Aber dann ist die Sauna nachher umso besser!“

Wie gefährlich…
Immer wieder tauchen Barrieren auf, weil der Uferweg wegen des Hochwassers unpassierbar geworden ist.
Gelten die nur für Autos oder auch für Fahrräder oder gar Wanderer?

Ich laufe einfach mal weiter, kann ja zur Not umkehren.
Manchmal ist der Weg schon etwas unterspült, aber eigentlich kein Problem.

Wie gut, dass dieses Schild erst am Ende steht…

Das AKW Gundremmingen war das leistungsstärkste in Deutschland und wurde als letztes endgültig abgeschaltet: am 31.12.2021
Die Donau sieht heute noch besser aus als gestern:Mein Ziel Lauingen erreiche ich unbeschadet und lasse den Tag dort mit Sightseeing und Abendessen ausklingen.

Da klappern doch wirklich Störche…

Albertus Magnus wurde um 1200 in Lauingen (oder Umgebung) geboren. Er war ein bedeutsamer Gelehrter und Bischof im hohen Mittelalter. Heute noch sind beispielsweise Gymnasien nach ihm benannt.


Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Meine Route 68: Die Donau hinunter – 1. Tag

Etappe 1: Von Ulm nach Leipheim

Gestern Abend waren wir noch hier:

Stadtbummel und Irish Pub
Konrad und ich übernachteten im Hotel und heute ging es dann am Donauufer alleine los.

 

Ja, gerade ist Zeit und Raum um gut wahrzunehmen, wie glücklich ich bin!!!

 

 

„Es gibt kein schlechtes Wetter nur schlechte Kleidung 😉…“

 

 

Der Schneider von Ulm:
Albrecht Ludwig Berblinger (1770-1829) versuchte 1811 mit einem selbst gefertigten Fluggerät über die Donau zu fliegen und stürzte ab. Während er damals als Lügner und Betrüger verhöhnt wurde, widmen die Ulmer dem Schneider heute diverse Kunstwerke und verehren ihn als Erfinder, der einfach zu früh geboren wurde.


Ich überschreite den 10. Längengrad.
Heute ist der Tag der Vögel:


 

 

 

 

Die renaturierte Donau ist ein Eldorado für Wasservögel. Überall schwirren Schwalben durch die Luft, teilweise im Sturzflug. Leider scheint nicht allen diese Waghalsigkeit gut zu tun, oder gibt es einen anderen Grund für die toten oder angeschlagenen Schwalben, die gelegentlich herumliegen?
Waren die nicht vor fünfzig Jahren noch auf den Wasser zu bewundern?


Wenigstens die sind noch auf dem Wasser:

Der Routenplaner sagt, hier soll ich über die Donau laufen. Wie soll das gehen? Das ist doch nur die A7!!!

Ganz einfach: unter der A7 laufen!

Bin ich so super unterwegs, dass ich unbemerkt schon in Österreich angekommen bin?
Oh nee, doch nicht!
Die erste Etappe war recht eindrucksvoll:
Geopunkt Elchingen

 

Christopherus auf der Leipheimer Donaubrücke

 Donauimpressionen:
Und hier in Laupheim scheinen die Eisenbahnromantiker*innen sich wohl zu fühlen (ich auch).

Mein Bett und meine Dusche

Leipheim:

Am Ende des Tages gab es sogar einen Sonnenuntergang:

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Meine Route 68: Die Donau hinunter…

Vorüberlegungen

Meine Mutter feiert am 13. September ihren 91. Geburtstag. Ich werde sie besuchen und in Ulm übernachten. Dann plane ich von dort aus die Donau Richtung Wien hinunter zu laufen, soweit ich Lust oder Kraft habe.

Vor zwei Jahren brach ich genau an gleichen Tag zu meiner biographischen Route 66 auf, die mit dem Start in den Ruhestand erleichtert. Jetzt bin ich bestens in meinem neuen Leben angekommen, besonders nachdem ich hoffen darf, dass meine Mutter gut versorgt ist.
Meine Route 66 war einzigartig und ich starte in diesem Jahr lange nicht mit solch hohen Erwartungen, aber mangels besserer Ideen setze ich das Prinzip fort: Jetzt bin ich 68, also Route 68. Diese Route existiert wirklich, auch wenn sie lange nicht so berühmt ist.

Letzte Woche hatte ich ein wenig Zeit in Ulm und machte mich mit dem Fluss vertraut.

Es gibt biographische Aspekte: zehn Jahre lang wohnte ich in der Nähe von Ulm und besuchte dort das Gymnasium. Gögglingen, wo das Haus meiner Eltern war und ich zwei Jahre lang lebte, liegt direkt an der Donau. Wo fließt das Wasser hin? Diese Frage ist nicht neu und jetzt werde ich mir das ein wenig anschauen.

 

 

Donau bei Gögglingen

 

 

Jetzt  freue ich mich auf meine Wanderung, egal wie das Wetter werden wird.

Nun fange ich endlich zu packen an, Gustav ist bestimmt schon happy…😉


Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

DAHEIM

24. September: von Tübingen nach Oberjettingen 

Mit Bus und Ammertalbahn geht’s zurück nach Tübingen. Herrenberg liegt noch im Nebel. Gustav darf zuhause bleiben, stattdessen geht der kleine Lieblingsrucksack mit.

In Tübingen scheint bereits die Sonne, auch wenn es noch recht frisch ist. Zunächst einmal frühstücke ich, so wie an allen anderen Wandertagen auch.
Und doch ist es heute anders als sonst, denn hier in Tübingen fühle ich mich bereits HEIMisch. In diesem Café bin ich nicht zum ersten Mal. In dieser Stadt habe ich studiert. Hier ist unsere Tochter zur Welt gekommen. Mir fallen unzählige Ausflüge, Einkaufserlebnisse oder Kinobesuche ein.
Postkartenmotive liegen an meinem Weg. Ich muss einfach noch einmal fotografieren.

Die Sonne erleuchtet weitere Eyecatcher:

Weisheit der Straße:
Langsam verlasse ich die Stadt und nähere mich dem geliebten Schwärzlocher Hof.

Aber der zauberhafte Biergarten liegt im Schatten und hat geschlossen. Ich komme also nicht in Versuchung hier zu versumpfen und die Wanderung vorzeitig zu beenden. So viele freie Parkplätze… (Okay, die Gefahr wäre um zehn Uhr am Morgen sowieso nicht so groß gewesen😉)

Also weiter! Ammertal, Ammerhof und Ammer erfreuen das Auge der Wandersfrau.
 
Die Strecke ist mir seit Studientagen vertraut:
Unterjesingen, Pfäffingen, Poltrigen, Reusten, Altingen, Tailfingen…

 
Heute habe ich zum ersten Mal Gelegenheit für neue Perspektiven.
Poltringer Wasserschloss mit Lama:
 
Ganz vorsichtig betrete ich den Rand des Naturschutzgebiets Kochhartgraben und lasse mich auf einem Baumstamm zur Mittagspause nieder. Von dort aus habe ich einen hervorragenden Blick auf die Straße und das Ammertal.

Die tragische Vergangenheit des Steinbruchs wird mir jetzt wieder bewusst:

Auf einer Gedenktafel lese ich:
“Für den Ausbau des Flughafens Hailfingen wurden in den Wintermonaten 1944/1945 KZ-Häftlinge eingesetzt. 15 bis 20 von ihnen mussten im Steinbruch der Firma August Schäfer & Söhne täglich Steine brechen und mit Kipploren zum Schotterwerk bringen, das etwa 50 Meter von hier in unmittelbarer Nähe des Sees stand. …“
Ich trotte dann weiter und habe Zeit zwischen Reusten und Altingen den wunderbaren Blick auf den Schönbuch zu bewundern.
Anschließend wandere ich auf einem Weg, der mir von Radtouren mit unseren Kindern noch sehr gut in Erinnerung geblieben ist. Die Autobahnbrücke wirkt wie ein Bilderrahmen für die Landschaft.

Die Temperatur ist angenehm, die Sonne gibt ihr Bestes. Ich habe mein Käppi im Gustav vergessen und muss improvisieren. So komme ich gut geschützt bei Tailfingen an den Stützmauern der ehemaligen Wengertterrassen vorbei.

Schon immer hat mir die Landschaft beim Sträßchen zwischen Tailfingen und Nebringen gefallen.

Ich liebe die Kunstwerke des Nebringer Schrottkünstlers Ackermann. Als er 1994 zusammen mit Jugendlichen diese Kreuze schuf, war unser Sohn dabei.

An der katholischen Kirche in Nebringen raste ich zum zweiten Mal und lasse Erinnerungen aufkommen: wir waren dabei, als diese Kirche gebaut und 1994 geweiht wurde. Wir durften hier einige Jahre lang auf vielfältige Weise Gemeinde erleben und mit gestalten.
 
Wir wohnten 25 Jahre in Nebringen und den kürzesten Fußweg zu meinem jetztigen Wohnort kenne ich besser als Komoot und Google Maps zusammen.

Schlosskapelle und Schloss Sindlingen:

Ab jetzt läuft es sich von ganz alleine.
. 
Und dann bin ich einfach so da?! „Willkommen zuhause“ hängt wieder über der Türe, wie im letzten Jahr. Ich freue mich riesig!!!

Ich bin HEIM gekommen, nach Oberjettingen und auch zu mir. Große Zufriedenheit breitet sich langsam aus nach dieser einzigartigen einzigartigen Wanderung. Ich bin jetzt einfach nur glücklich!!!

 

 

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

23. September: von Dettingen an der Erms nach Tübingen

Heute Abend werde ich wieder daheim sein, denn es erscheint mir wenig sinnvoll in Tübingen zu übernachten. In der vergangenen Nacht meinte ich an den schlechten Träumen zu spüren, dass meine Reise doch noch nicht so ganz am Ende sein soll. Also werde ich daheim wie in einem Hotel übernachten und danach in die Stadt zurückkommen um, wie geplant, die letzte Etappe zu laufen.
Abschied von Dettingen:

Es ist kurz nach neun, die Luft ist kühl und die Sonne scheint. Der ideale Wandertag! Es geht noch eine Weile an der Erms entlang weiter.

Ich genieße es auf diese Weise in der Morgenfrische die heutige Wanderung zu beginnen.

Kurz darauf blicke ich wieder entzückt in die Weite und erkenne, dass die Weinlese bereits im Gange ist.

Danach stapfe ich eher gelangweilt durch bebautes Gebiet, bis ich in Metzingen mit dem Rathaus endlich wieder einen Eyecatcher finde. Nein, hier wird nicht im Outlet geshoppt!!!

„Stairways to Heaven?“ Nein, nur der Aufstieg zu einem schönen Wiesenwanderweg.

Und dann wieder das obligatorische Waldbaden, diesmal mit Hindernisparcours auf Anfängerniveau.

Leben aus dem gefällten Baum? Wie kann das sein?
Auf Wald folgt wieder Flur mit Gänsen und Gartenkressefeld.

Das Kirchlein in Reicheneck ist ein Hingucker.

Danach geht es eine Weile bergab und bergauf bis ich im Neckartal lande.

 
Es ist Zeit für die Mittagspause. Ich laufe noch eine Weile dem Neckarradweg entlang und warte auf ein geeignetes Bänklein. Aber es taucht überhaupt keine Sitzgelegenheit auf. Also beschließe ich, dass ich mein Styropor-Sitzkissen nicht umsonst herumgetragen habe. Ich setzte mich an den sehr grünen Fluss und genieße Studentenfutter mit Wasser.

Neckartal in beide Richtungen:

In Altenburg finde ich genau das, was mir im Augenblick fehlt:
Neckartalviadukt:


Ich lasse mich von Komoot auf den Neckarweg führen.
 
Jetzt habe ich genug von Wanderwegen und geselle mich bis Tübingen zu den Radfahrenden.
 
Noch ein klassisches Foto von der Eberhardsbrücke aus und ich dann hole ich Konrad vom Bahnhof ab.

Wiedersehensfreude – kurzes Flanierien mit Erfrischungsgetränk – Abendessen: mehr ist nicht mehr drin. Während der Heimfahrt mit der Ammertalbahn werde ich überhaupt nicht nachdenklich, denn ich schlafe die ganze Zeit. Daheim gehe ich dann umgehend ins Bett. Daheim und doch noch nicht ganz daheim! Die großen Gefühle folgen dann hoffentlich morgen…

Publiziert am von Barbara Schaupp | Hinterlasse einen Kommentar

HEIM

22. September: von Römerstein Böhringen nach Dettingen an der Erms

Ich blicke heute morgen aus dem Fenster und denke: „Auch gut, da habe ich wenigstens die Regenklamotten nicht umsonst mit rumgeschleppt!“Das erste Foto des Tages gibt es erst unter einer Brücke, wo ich im Trockenen bin.
 
Der Regen lässt nach und ich werde langsam mutiger beim Fotografieren.
Ich drehe mich um und nehme Abschied von Böhringen. Dabei entdecke ich ein aussagekräftiges Straßenschild: Ausgangsort, erstes Ziel, drittes Ziel und einen Teil meiner Adresse (die vierte Angabe ist aber ein Irrläufer).
 
Es macht mir nichts aus auf dem Radweg neben der Bundesstraße zu laufen. Es ist sowieso nicht allzu viel los, nachdem sich der Berufsverkehr verzogen hat.
Die Sonne gerät nicht in Vergessenheit:


Dann aber Empörung: als es steil runter nach Urach geht, soll ich direkt an der Bundesstraße laufen, so ganz ohne Seitenstreifen! Und dabei bin ich mir heute morgen so schlau vorgekommen als ich statt eines nassen, vielleicht gefährlichen Wanderweges die Fahrradroute wählte, die mir Komoot präsentierte. Jetzt improvisiere ich einfach und lande auf einem erstaunlich schönen Weg. Mystische Impressionen fesseln meine Aufmerksamkeit.

Erst jetzt fällt mir so richtig auf, wie sehr ich mich durch die letzten drei Tagen verändert habe: ich sehe wieder den Weg als Ziel, spüre weder Eile noch Bedenken wegen Überforderung.
Die Blümelein legen einen Ruhetag ein:

Der Regen stellt seine künstlerischen Talente zur Schau:
Und dann wieder Waldbaden: nicht einmal so wortwörtlich, denn der Regen hat fast aufgehört.

Ich bin unachtsam und lande erneut an der Bundesstraße. Fasziniert nehme ich diese aus ganz ungewohnter Perspektive wahr:
Ich muss ungefähr einen Kilometer weit zurück bergauf laufen und es macht mir nichts aus. Ich genieße den Weg mit allen Sinnen. So viel Gelassenheit ist ganz neu in diesen Tagen, wahrscheinlich sind das die Endorphine.
Danach folgt eine Wegstrecke, die ich noch bei Blaubeuren als „Überforderung“ bezeichnet hätte. Doch jetzt packe ich in aller Ruhe meine Stöcke aus und vertraue mich ihnen an. Schritt für Schritt komme ich ganz langsam voran.
 
Selbst die beiden Stationen des erneuten Hindernisparcours können mit nicht schocken. Was ich da nicht alles gratis geliefert bekomme…

Ich beobachte mich selbst, wie ich auf einmal ungezwungen vor mich hin singe oder ungeniert dilettantisch pfeife.
Ich bin seit dem Frühstück keinem Menschen mehr begegnet, da rauscht auf einmal ein Läufer in ungefähr meinem Alter an mir vorbei: „Auf große Reise?“ „Ja und Riesenrespekt für Ihre Joggingleistung, vor allem bei diesem Wetter!“ Und schon ist er verschwunden. Welten liegen zwischen unseren Geschwindigkeiten.
Ich erreiche den Aussichtspunkt Wölfling und bin überwältigt.
 
Ich bemerke, dass ich wieder in meinem Erwachsenenleben angekommen bin.
Urach, beispielsweise, habe ich vor allem wegen eines gelungenen Lehrerausfluges in guter Erinnerung. Dort füge ich diesem wunderbaren Tag mit einem Cappuccino noch ein weiteres Highlight hinzu.

Dann ein wenig Sightseeing:

Und weiter geht es nach Dettingen erst durch den Kurpark und dann an der Erms entlang.
 Erstaunlich, wie sich das Wetter entwickelt hat. Der Himmel wird langsam wieder blau und die Regenjacke verschwindet im Rucksack.

Die Straße wird am Nachmittag völlig anders beleuchtet als am Morgen.
Und dann wird Dettingen fürs Sightseeing noch extra noch von der Sonne angestrahlt.

In meinem Hotel Rössle lasse ich den Tag angenehm ausklingen. Ich bin jetzt wieder gut bei mir angekommen. Vielleicht werde ich morgen sogar eine Etappe überspringen, denn die möglichen Quartiere entsprechen nicht meinen eher bescheidenen Vorstellungen. Aber, was soll’s, ich habe ja zur Gelassenheit zurück gefunden…
So gesehen ist mein Ziel eigentlich jetzt schon erreicht 😊. Ich fühle mich wieder bei mir selbst daheim!!!

 

 

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

HEIM

21. September: von Heroldstatt Sontheim nach Römerstein Böhringen

Die Ortschaften, durch die ich komme, bieten eher wenig Sightseeing-Potential. Aber die Kirchen verpassen ihnen dann schon eine gewisse Individualität: Sontheim und Böhringen

Ich breche um neun Uhr auf und frühstücke dann in einer netten Bäckerei. Danach geht es richtig los, ich freue mich. Mir tut nichts weh und die Sinne öffnen sich langsam wieder.

 
Hier auf der Albhochfläche warten keine besondere Herausforderungen oder gar Überforderungen auf mich, aber trotzdem lauert Gefahr:
 
Der ehemalige Truppenübungsplatz Münsingen ist heutzutage eine Kulturlandschaft wie vor 150 Jahren. Allerdings war die Gegend damals weder mit Munition belastet, noch wurden die Menschen gezwungen sich nur auf den mit überdimensionalen Streichhölzern markierten Wegen aufzuhalten.

Aber es ist trotzdem beeindruckend schön hier.

Diese Panzersperren könnten doch auch moderne Schrottkunst sein?
 
Hier blüht noch Oregano oder Hartriegel und die Wegwarte traut sich sogar aus den Steinchen hervor.
Schattenselfies in der heißen herbstlichen Sonne:
 
Achtung: erneuerte „Gefahr“ beim Verlassen des Geländes

 
Mit solch gut visualisierter Unterstützung schaffe ich es souverän das völlig menschenleere Gebiet sicher zu verlassen.

Jetzt ist es Zeit für ein Mittagspäuschen:
Ohje, ich bin müde, da mache ich doch einfach mal ein Schläfchen auf der gemütlichen Bank.
 
Meine Erholungsstätte ist eigentlich erst bei Nacht so richtig interessant. Hierhin kann man dem vielen künstlichen Licht entfliehen und mit Hilfe von zwei ausführlichen Tafeln den Sternenhimmel deuten. Ich könnte das heute Nacht ausprobieren, aber ob mir das wirklich in den Sinn kommt, steht jetzt noch in den Sternen.Es geht angenehm weiter, ich trödele lässig, habe genug Zeit.

Die Bewohner der rauen Alb konnten sich früher keinen solchen Luxus erlauben. Steinige Böden zwangen sie zu harter Arbeit.
   
Nachzügler:
 
Ein wenig Waldbaden ist mir heute auch noch vergönnt.


Und dann komme ich an…


Ich entspanne mich erst einmal und heute Abend gibt es dann Maultaschen mit Speckmarmelade. (Das habe ich vorher auch noch nicht gehört, aber es schmeckt nicht nur mir sehr gut!)
Heute kam langsam die Wanderbegeisterung wieder auf. Ich fühlte mich ungezwungener, da meine Gedanken nicht mehr so viel um die letzten Tage in Gögglingen kreisten. Es war mir sogar manchmal so, als ob mich die Sonne kitzeln oder der Wind streicheln würde.

„Da machen Sie ja alles richtig!“ sagte ein alter Mann unterwegs zu mir, der sich zuvor für meine Situation interessiert hatte. HOME!

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 3 Kommentare

HEIM

20. September: von Blaubeuren nach Heroldstatt

Ich laufe zum Frühstücken von Weiler zurück nach Blaustein. Und da ich sowieso schon mal da bin, überprüfe ich nochmals kurz die Farbe des Blautopfes. Vielleicht war das abendliche Licht gestern an der grünen Farbe schuld?
 
Nööö…, war es nicht!

Jetzt führt der Weg die Schwäbische Alb hoch und zunächst genieße ich die Aussicht.

Hier geht es erwartungsgemäß steil bergauf und ich puste wie eine Kettenraucherin. Wie gut, dass ich wirklich in meinem Tempo laufen kann und niemand gelangweilt auf mich warten muss. Die schönen Felsen belohnen mich für die Anstrengung.

 
Die Wanderwege halten ihre Herausforderungen bereit:
beispielsweise in Form von Kletterübungen oder Brennnessel-Parcours.

 
Bei den steilen, engen Wegstücken bin ich jetzt sehr froh, dass mich Konrad letztes Jahr an Weihnachten mit neuen Stöcken überrascht hat.

 
Mittagspause: weder Gustav noch ich haben dabei Lust zum Lesen.
 

Eigentlich ist jetzt Herbst, aber ich schwitze im Sonnenschein wie im Sommer.
Der Weg ist heute sehr anstrengend für mich. Ich habe bald wieder Durst und wünsche mir eine Bank. Da bekomme ich eine ganze Hütte.

 
Viele schöne Wege in Wäldern oder auf Wiesen…

  
Auf dieser Straße waren wir öfters von Gögglingen nach Hause unterwegs. Ich überquere sie nachdenklich um von meinem Wiesenwanderweg zu einem Fahrradweg zu gelangen.
Ich komme erschöpft in meinem Landhotel an, obwohl „nur“ gute 16 Kilometer hinter mir liegen. Solche Steigerungen sind halt einfach nicht mein Ding…
Doch alles ist schnell vergessen, hier bin ich gut aufgehoben. Das Besitzer-Ehepaar freut sich, dass ich aus Jettingen bin, denn sie sind selbst aus dem Kreis Böblingen, aus Deckenpfronn, genauer gesagt. Die Hausgäste bekommen auf Wunsch ein warmes Abendessen und ich fühle mich damit wie im siebten Himmel, zumal ich mit einem Gast aus Duisburg dabei ausgiebig angeregt plaudern darf.
Gögglingen war gestern (trotz der Textnachrichten, in denen ich noch Kleinigkeiten regeln konnte). „Going Home“ ist heute!

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

HEIM

19. September: von Gögglingen nach Blaubeuren 

Fast fünfzig Jahre wohnten meine Eltern in ihrem Heim. Jetzt ist die Zeit vorbei, mein Vater ist vor über drei Jahren gestorben und meine Mutter lebt seit vorgestern in einer netten Seniorenresidenz.

Anstrengende Tage liegen hinter meinem Bruder und mir. Meine Mutter durfte mit der Feier ihres neunzigsten Geburtstags noch einen würdigen Abschied von zuhause erleben.
Die letzten zwei Nächte verbrachte ich allein in dem Haus voller Erinnerungen und mir war bereits vorher bewusst, dass es nach dieser körperlichen und emotionalen Anspannung kein einfaches „Back-to-normal“ geben würde. Wandern wollte ich sowieso auch in diesem Jahr wieder und so war mir irgendwann klar, dass ich vom HEIM meiner Eltern HEIM laufen wollte.
Ich brach heute morgen um halb zehn auf. Heute würden natürlich noch einmal viele Erinnerungen aufgekocht werden:

Hier im Ritter haben wir vor 45 Jahren unsere Hochzeit gefeiert.

Diese Kirche gehört zu dem Friedhof, auf dem mein Vater begraben ist.

Ich war immer ein wenig stolz auf die Donau bei Gögglingen.


In Gögglingen lebte ich nur gute zwei Jahre, aber in Einsingen blieben wir acht Jahre, nachdem wir 1966 von Wuppertal dorthin gezogen waren.

 Hier verbrachte ich mit meiner Omi die erste Nacht in Süddeutschland. Damals war dieses Gebäude ein Gasthaus mit dem etwas zweifelhaften Namen „Zum Blauen Affen“.

Als ich relativ kurz nach unserem Umzug Röteln bekam, stand für mich der Schuldige schnell fest: der Rötelbach!
 
Ein einziges Mal schwammen Forellen in diesem Bächlein. Ich schaute begeistert zu, wie die Nachbarsbuben hier mit emsigem Fischfang den Speiseplan ihrer Familie aufbesserten.
Irgendwann hat unser Hund Bobby mal am Rötelbach ein Huhn gerissen, weil ich ihn unerlaubt frei laufen gelassen hatte. Diesen tragischen Vorfall habe ich damals einfach allen verschwiegen.


Ab hier begannen die letzten Meter der anstrengenden Schultage. Oben rechts am letzten Haus hatte ich es dann geschafft.
 
Der damalige Pfarrer dieser Kirche betrieb schwärzeste Religionspädagogik. Der Himmel scheint sich daran zu erinnern und schickt mir die Sonne zum Trost.
 



Auch wenn mein Kopf noch voll ist und ich weit weg bin von den positiven Wandererfahrungen des letzten Jahres, berühren mich die Eindrücke von Natur und Landschaft.
 
Wegwarten dekorieren meine Strecke.

Pause für Gustav und mich !!!

Hier in Beiningen waren wir oft zum Schifahren. Erstaunlich, dass der Lift noch existiert.

Blaubeuren ist mir vertraut durch Schulausflüge. Ich weiß noch wie wir hier am Bahnhof ausstiegen.
Außerdem bot die Stadt mit seinem Blautopf stets ein angenehmes Ambiente für Familienausflüge.
 
 
Den Topf habe ich richtig blau in Erinnerung!

Die schöne Lau…



Das HEIM meiner Eltern liegt nun über zwanzig Kilometer hinter mir und ich fühle mich jetzt nicht mehr ganz so sehr in meinen Erinnerungen gefangen.

Weiterlesen

Veröffentlicht unter Allgemein | 3 Kommentare

Heimreise

Drei Tage unterwegs

Obwohl mir der Abschied von Geli, Bernhard und Wuppertal sehr schwer fällt, gelingt es Konrad mich zur Heimreise zu bewegen.

Er hat es ganz geschickt eingefädelt, denn ich darf mir zwei Stationen aussuchen, die mir besonders gut gefallen haben. Meine Wahl fällt auf das Alte Amtsgericht in Oppenheim und Speyer. Wir unterbrechen dort jeweils unsere Zugfahrt und verbringen die Nacht in den bereits von mir getesteten Häusern. Zuerst steigen wir in Köln um.

In Oppenheim und Speyer bin ich fast ein wenig wehmütig, dass die Zeit irgendwie doch so schnell vergangen ist.

Am 25. Oktober um drei Uhr ist es dann soweit: ich komme nach genau sechs Wochen wieder zuhause an.
Ich bin froh und dankbar, dass alles so reibungslos geklappt hat. Durch die unterschiedlichsten Erfahrungen, Begegnungen und Erinnerungen hat mich meine persönliche Route 66 bestimmt verändert und jetzt bin ich bereit für einen neuen Abschnitt in meinem Leben.
Zum Schluss erwartet mich noch eine Überraschung: meine Nachbarn haben mir
eine Willkommensfreude vorbereitet:
 

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar