Meine Donau-Route: 19. Tag

Etappe 17: Von Passau nach Erlau
Ich verlasse den Dreiflüssehof im Regen und freue mich schon auf die Stadt.


 

 

 

 

 

 

Es sind dreißig Jahre vergangen, seitdem ich das letzte Mal in Passau war, und meine Erinnerungen passen nicht mehr zu der Stadt, durch die ich gerade laufe. Jetzt erst mal frühstücken!

Alles ist voller Menschen: überall Stadtführungen,  viele Amerikaner. Passau ist ein Eldorado für Flusskreuzfahrer.
       
Bei (sehr) genauer Betrachtung, kann erkannt werden, dass hier der Inn in die Donau mündet,

und dann noch die Ilz dazufließt.
Tschüss Passau, mich zieht’s weiter!
Jetzt laufe ich links der Donau weiter, direkter Blick auf den Fluss ohne Deiche oder Umleitungen durch Auen. Ein Nachteil: die B388!

Nein, ich habe mich nicht an den Bodensee verlaufen!

Eigentlich stört mich mir der Lärm ein wenig, aber es gibt viel zu schauen.
PA-UL; PA-X; PA-IN; PA-CE; PA-CK; PA-RT; PA-GE; PA-PA; PA-PS; PA-SS; PA-TT; PA-W; PA-Y… Ich baue deutsche und englische Wörter zusammen mit den Buchstaben, die ich auf den vorbeifahrenden Nummernschildern sehe.
Dann kommt der Rastplatz mit Meerjungfrau und Himmelsliege. Es macht mir kaum was aus, dass die noch ganz leicht feucht ist. Ich lasse mich darauf plumpsen, telefoniere mit Konrad und blicke auf den Fluss. (Den Verkehrslärm blende ich einfach aus).
Der Außerirdische trägt heute eine Schutzwaffe.
Die Sonne zeigt sich sogar ein wenig, auch wenn der Himmel in der anderen Richtung dunkel wird. Aber es bleibt trocken, was will ich mehr!
Dann zeigt sich mein Edlhof in der Ferne und die Leitplanken bieten zum ersten Mal seit langem einen Durchlass.
Nach meinem Schläfchen telefoniere ich noch mehrmals mit Konrad, meinem Quartier-Manager. Die nächsten Übernachtungen werden etwas kompliziert bei meinen Ansprüchen (Abendessen und nicht allzu viele Kilometer), er sucht geduldig nach Lösungen. Daaaaanke!

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Meine Donau-Route: 18. Tag

Etappe 16: Von Künzing nach Passau

Ich habe Respekt vor diesem Tag, denn Komoot zeigt 32 Kilometer bis zu meinem Hotel in Passau. Ich versuche mich mental gut vorzubereiten: „Mach Pausen, wenn dir danach ist, lasst dir Zeit! Du wirst im Hotel heute ein Abendessen bekommen, sogar bis 21:30 laut Mail!“
Unbeschwert und zuversichtlich lasse ich mich auf die Wanderung ein. Der Weg nach Vilshofen erinnert mich entfernt an meine Rhein-Wanderung vor zwei Jahren: Bundesstraße, Eisenbahn und sogar einmal eine Burg auf dem Berg. Es gibt immer was zu schauen.

Und dann lande ich in…
Doch alles nicht so schlimm, denn immerhin fährt hier der ICE vorbei.
Und Kultur gibt es auch:
Die Bewohner dieser Gegend sind wohl sehr stolz auf ihren ehemaligen Limes, der ostbayrische Außengrenze des Römischen Reiches. Es sind zwar keine Reste des Grenzwalls mehr vorhanden, aber die zahlreichen Ausgrabungen lassen viele Rückschlüsse zu. Das alles erfahre ich am Wegesrand, genauso wie Informationen zur nächsten Stadt:
“Vilshofen liegt am Eingang des niederbayerisch-oberösterreichischen Donaudurchbruchs, dort wo Vils, Wolfach und Pfudrach in die Donau münden. Sie wird daher auch gerne die ,Kleine Dreiflüssestadt‘ genannt…“ Na, wenn Vilshofen so bedeutend ist, dann trinke ich dort gerne einen Cappuccino. Immerhin habe ich schon ein Viertel des Weges hinter mir.

Hier überquere ich die Donau und mache alles richtig. Mein Hausherr segnete schon beim Checkout diese Route ab, denn wegen umfangreicher Baumaßnahmen hätte es sonst heute schwierig werden können.
Mein kleiner, traumhafter Pfad führt mich mitten durchs Wasser sozusagen. Ich habe meine Bedenken, bei dem vielen Regen in diesen Tagen, aber ein Versuch ist es wert.

Hier geht es nun definitiv nicht weiter, also zurück. Kein schlimmer Umweg!
Es scheint Außerirdische in der Gegend zu geben, aber wen stört‘s?
 
Die Temperatur ist genau so, wie ich sie mir gestern wünschte. Die Sonne blinzelt meist ein wenig hinter der Wolkendecke hindurch. Einmal regnet es etwas. Ich krame meine Regensachen hervor. Kurz danach sind die auch schon wieder trocken.
Langsam, aber stetig komme ich voran. So gut gelaunt, wie die Beiden bin ich allerdings nicht. Kein Wunder, die müssen ja nicht noch zehn Kilometer laufen.
Die Brücke der A3 geht mich leider noch nichts an.
Ich trotte halbwegs geduldig weiter und dann erwartet mich wieder die „Bin-schon-fast-am-Ziel-Überraschung“:
Mindestens fünfhundert Meter Umweg – jetzt, wo mir jeder Schritt weg tut…
Aber so schreite ich interessanterweise beim Kraftwerk über den Fluss, das mich entfernt an einen Dom erinnert (Entstehung 1923-1927). Es beeindruckt mich mehr als alle bisherigen Staustufen und Kraftwerke.

Passau ist schon in der Ferne zu sehen.

Okay, die Brücke wird tatsächlich saniert!
Jetzt bin ich wirklich bald da! Wirklich? Nein! Ich muss noch 700 Meter weit eine steile Straße hoch laufen, dann erst ist es geschafft!!!
Es war sehr viel heute, ohne Umweg und Berg hätte ich nach meiner mentalen Vorbereitung vielleicht sogar halbwegs gut durchgehalten. Jetzt aber, lasse ich mich im Hotel einfach nur auf mein Bett plumpsen und bewege mich die nächste halbe Stunde lang nicht mehr.
Aber ich bin in Passau! Konrad teilt es der Familie mit. Ich bin schon auch stolz:
Ulm liegt am Sromkilometer 2580 und Passau km 2226.
– Das heißt, der Strom hat schon 354 Kilometer hinter sich, seitdem er durch Ulm geflossen ist.
– Ich persönlich bin schon 453 Kilometer gelaufen (ohne die beiden Ruhetage).
– Mein Schnitt liegt bei 26,6 Kilometer am Tag (ohne die beiden Ruhetage).

Laufe ich weiter nach Wien? Ich weiß es nicht, schließe es aber im Augenblick noch nicht aus.

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Meine Donau-Route: 17. Tag

Etappe 15: Von Deggendorf nach Künzing

Ich lasse es mir gutgehen in meinem Donauhof von 1834, dessen Geschichte als Hotel aber erst 1988 begann. Vorher diente das Gebäude unter anderem als Krankenhaus. Die freundliche Dame an der Rezeption gibt mir gerne Auskunft.

Komoot meint es gut mit mir und schickt mich von Deggendorf aus den Berg hoch, um mir das Industriegebiet zu ersparen. Ich verzichte auf diesen Service und gewinne Kilometer bei gleichzeitigem Verlust von Höhenmetern. Ich stapfe gelassen an hässlicher Industrie und lauter Autobahn entlang.
Der Weg führt mich aber doch langsam zurück zur Natur und dann endlich unter der A3 hindurch zur Donau.
Ich laufe zwischen Wasser rechts und Wasser links. Dieses Auengebiet ist bewusst angelegt worden, Naturschutz hat einen hohen Stellenwert hier.
Heute ist es zum ersten Mal recht frisch morgens und auch während des Tages wird es nicht mehr so warm. Ich friere zwar nicht, trotzdem dürfte es wegen mir gerne zwei, drei Grad wärmer sein.
Welch ein Luxus: eine Bank mit Infohäuschen. Was wäre das bei meinem Regentag nach Schwenningen für ein Paradies gewesen!
„Die machen ja ordentlich Werbung für ihren Hochwasser- und Naturschutz.“ Ein Einheimischer mit Hund stellt sich neben mich und fängt an zu meckern. „Die machen hier alles kaputt mit ihren Bauarbeiten! Wegen der Vögel dürfen nur zwei Lastwagen in der Stunde fahren und die Bagger und Maschinen laufen die ganze Zeit sinnlos, weil sie für die Betriebszeit gezahlt werden!“ Oh, aber ich brauche diese Information nicht zu kommentieren. (Wie sollte ich da auch ein qualifiziertes Urteil abgeben können?) Mittlerweile hat sich ein Pärchen mit Hund zu uns gesellt und das Thema wechselt automatisch.
Ein paar Kilometer weiter fange ich aber auch an, die Dammbaumaßnahmen zu hassen, denn ich muss wegen ihnen eineinhalb Kilometer Umweg ertragen.
Doch eigentlich nicht fürchterlich schlimm! Ich wollte sowieso eine Donauschleife abkürzen und lande wieder auf dem Panoramaweg.

Am Ende meiner Wanderung werde ich noch einmal mit Donauimpressionen verwöhnt.

Dann erreiche ich die Villa Quintana, mein Hotel Garni.
Der hilfsbereite Besitzer klärt mich auf Nachfrage gleich über die wechselhafte Geschichte des Hauses auf. Ich versuche gut zuzuhören, obwohl mir das nicht ganz leicht fällt. Nach der 25 Kilometer-Wanderung würde ich mich am liebsten gleich aufs Bett werfen.
An diesem Ort gibt es eine schwefelhaltige Heilquelle, die sich wohl schon die Kelten zunutze machten. Die Bundesstraße vor dem Haus verläuft in etwa wie der römische Donaulimes seinerzeit. Hier in der Gegend war vermutlich das fünfte Lager (Quintana), woraus sich wohl auch der Name des Ortes Künzing ableitete. Das Haus wurde 1911 als Kurhotel gebaut, dann war es das Zentrum für Nonnen, die sich um Notleidende in der Umgebung kümmerten. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zum Stützpunkt der SS und später waren hier Amerikaner stationiert. Dann wurde es von der Kirche gekauft und diente als Kloster. Kein Mensch weiß, wo das Geld herkam. Als der Orden ausstarb, wurde das Haus wieder zum Hotel.
Ich liebe es, wenn mich so viel Geschichte umgibt.
Das war’s aber dann mit den Reizen von Künzing. Die Sonne wagt sich jetzt am Abend noch einmal heraus, aber als ich in den Ort laufe, bin ich enttäuscht und langweile mich. Es ist Montag und es ist wirklich nichts los hier.
Das Museum Quintana hat geschlossen, aber was noch viel schlimmer ist: kein Restaurant ist offen. Wirklich keines? Keines bis auf Mister Döner! Dann gibt es heute halt einmal Falafel mit Pfefferminztee, auch nicht schlecht!

 

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Meine Donau-Route: 16. Tag

Etappe 14: Von Niederwinkling nach Deggendorf

Der Nebel gibt sich nach und nach geschlagen, die Sonne „frisst“ ihn auf.

 

 

Zunächst nähere ich mich langsam der Donau: bergauf, bergab über Felder, Wiesen und durch Dörfer oder Wald.

Ich komme zum Himmelberg und ich sehe ein kleines Schloss.

Mich ernüchtert die Gedenktafel an diesem scheinbar so heilen Ort.

Ich sehe in der Nähe des kleinen Schlosses alte Baracken, bei denen aber keinerlei Hinweise auf deren Bedeutung zu finden sind. Waren hier die jungen Menschen untergebracht? Ich will es eigentlich überhaupt nicht so genau wissen, ich will die Baracken nicht einmal fotografieren. Ich spüre nur Abneigung, die kleine Kapelle lässt mich kalt.

Ich will möglichst schnell wieder zur Donau, was aber bedeuten diese Hindernisse für mich? Auf den Deich sehe ich „hunderte“ von Leuten, die heute am Sonntag dort spazieren gehen. Ich frage ein Ehepaar nach meinen Chancen, entlang der Donau nach Deggendorf durchzukommen und sie machen mir Mut. „Seit dem Hochwasser von 2013 wird hier gearbeitet. Der Deich wird verlegt, aber es geht sehr langsam voran. Wir Einheimischen nehmen die Schilder nicht mehr ernst, denn wir wissen, dass wir trotzdem durchkommen.“ Na dann steht der Begegnung mit dem Fluss ja nichts mehr entgegen.

Kurz vor halb drei bin ich wieder an der Donau und es besteht kein Zweifel, in welchem Bundesland ich mich befinde. In Deggendorf sehe ich einen Riesenfrachter auf dem kaum befahrenen Gewässer.
Hier geht die Post ab am Strand. Bin ich wirklich noch in Bayern?
Nachdem ich mich dann im Hotel wieder sortiert habe, gibt es noch Sightseeing, gutes Abendessen und frühe Bettruhe.

Heute bin ich nur achtzehn Kilometer gelaufen, und ich fühlte mich rundum wohl. Nach Passau werde ich es vermutlich schaffen und ich kann mir noch nicht vorstellen, dass danach mit meiner Wanderung Schluss sein soll. Mal sehen!

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Etappe 13: Von Straubing nach Niederwinkling

Servus Straubing, grüß dich Donauweg! Ein Kahn fährt tuckernd an mir vorbei.

 „Heute bin ich wieder auf dem Damm…“ und das ist ganz wörtlich und auch im übertragenen Sinne gemeint. Nach einem einzigen Pausentag fühle ich mich wieder fit und erwarte freudig den erneuten Wandertag. „Mein Wandertrieb drängt mich.“ Das fiel mir beim Frühstück ein und ist vielleicht auch die Erklärung für das, was ich mir antue. Vorgestern stellte ich ernsthaft die Warum-Frage. Heute sage ich: „Weil mich es entzückt, dieses Loslaufen und Ankommen, das Pfadfinden und das Unerwartete! Ich finde es großartig einfach alleine so unterwegs zu sein.“
Was soll das? Ich versuche zunächst die Schilder zu ignorieren, aber dann bemerke ich, dass es den von Komoot vorgeschlagenen Weg so überhaupt nicht mehr gibt.  Erfreulicherweise finde ich problemlos eine Alternative, also kein Grund für Ärger.
Im Örtchen Bogen lese ich die Erklärung für die Umgestaltung der Uferwege. Ich komme halbwegs gut klar, auch weil ich heute wieder auf dem Donau-Panoramaweg laufe und der relativ gut ausgeschildert ist.

In Bogen bleibe ich gleich am Bahnhof hängen. Eine alte Diesellok fasziniert mich und erstaunt nehme ich zur Kenntnis, dass der alte Waggon hinten als Fahrradfahrer-Pension eine neue Bestimmung gefunden hat. Im Moment ist allerdings alles menschenleer. Ich vermute, dass die Pension sich nur in der Hauptsaison lohnt.
Das italienische Eiscafé hat aber geöffnet. Ich trinke einen Cappuccino und gönne mir danach ein Eishörnchen mit zwei Kugeln.
Ich fühle mich heute voller Tatendrang und beschließe den von Komoot vorgeschlagenen Bogenberg hoch zu steigen. Die Alternative wäre eine befahrene Landstraße, das muss nicht sein. Zunächst führt der Weg durchs Städtchen. Oh, der Himmel sieht nicht gut aus!
Ich pilgere, aktiviere meine katholischen Wurzeln. Der Pilgerweg geht über in einen Kreuzweg. Während meiner Wallfahrt zum Heiligen Berg Niederbayerns schüttet es wie aus Kübeln.

 

 

 

Die Marienkirche dient mir – trotz ihrer 1000-jährigen religiöser Anziehungskraft – weniger der Erbauung als der allmählichen Trocknung. Als ich wieder nach draußen trete, scheint die Sonne. Nein, ich glaube trotz aller Freude deshalb nicht an ein Wunder. Aber wirklich wundervoll ist der Blick auf die Donau hinunter.

Des Weg zurück ist ein wenig herausfordernd, aber ich hole die Stöcke raus und komme klar.
St. Ulrich-Kapelle aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
Dann gelange ich endlich wieder runter zur Donau.

 

Mein Weg ähnelt nach dem Regen ein wenig der Flusslandschaft, doch ich erreiche ohne Schwierigkeiten Niederwinkling, wo ich den Tag im Restaurant des Hotels sehr gut, aber (wegen der gehobenen Preisklasse) nicht so ganz stilecht ausklingen lasse.

Publiziert am von Barbara Schaupp | Hinterlasse einen Kommentar

Meine Donau-Route: 14. Tag (zwei Wochen)

Ruhetag in Straubing

Zuerst ein gemütliches Frühstück zu zweit in unserem schönen Gasthaus.

    „Straubing ist typisch bayerisch, Treppengiebelhäuser, fast so viele Kirchtürme wie Häuser dazu ein Himmel in Weiß-Blau…“ sagt Konrad.
Wikipedia meint: „Im späten Mittelalter war die Stadt neben München, Landshut und Ingolstadt eine der Hauptstädte der bayerischen Teilherzogtümer, was sich in der Architektur bis heute widerspiegelt.“
    

Und auch heute ein Blick auf die Donau…

Am Nachmittag regnet es wieder, uns ist das egal.

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Meine Donau-Route: 13. Tag

Etappe 12: Von Wörth nach Straubing

„Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!“ „Oh, für Sie wird es heute bestimmt nicht so gut, es soll ja die ganze Zeit regnen!“ Das waren die Worte bei meiner Verabschiedung im Hotel. Na, zuversichtlich klingt anders. In voller Regenmontur frühstücke ich erst mal in der gemütlichen Bäckerei nebenan.

Tschüss, du verregnetes Wörth! Ich nähere mich langsam wieder der Donau. Die Aue ist ein großes Labyrinth aus Gewässern, Wegen und Deichen. Eine vielversprechende Grasspur scheint mich ans Ziel zu bringen. Meine Füße werden dabei feucht, aber wenigstens hat es zu regnen aufgehört. Dann führen die Spuren ins Dickicht.

Hier laufe ich definitiv nicht weiter! Mindestens eineinhalb Kilometer umsonst! Jetzt wähle ich nur noch Wege, die groß in der Karte eingezeichnet sind. Es wird vielversprechender. Ich lande wieder auf den Donau-Panoramaweg, der mit einer Vielzahl lehrreicher Tafeln ausgezeichnet ist.

     
Dann erreiche ich den Fluss, von dem ich auch bei diesem trüben Wetter mal wieder völlig beeindruckt bin.
Die Mittagspause erfolgt im Stehen und sehr früh. Heute sind überall Bänkchen mit wunderbarer Aussicht zu finden, leider etwas nass ☹️.

Auf einmal tuckert etwas rechts von mir und ich sehe das erste ernstzunehmenden Wasserfahrzeug, das nicht für Passagiere gedacht ist. Endlich!

Ich bin nicht gut drauf, wahrscheinlich, weil ich gestern und vorgestern so weit gelaufen bin. Ich möchte heute aber unbedingt nach Straubing. Konrad wird mich dort besuchen, um den morgigen Tag gemeinsam mit mir zu verbringen.
Für mein Auge gibt es viel zu sehen und für die Füße viel zu laufen.
Und dann fährt, nachdem ich heute erst ein einziges Wasserfahrzeug gesehen habe, völlig selbstverständlich das erste Kreuzfahrtschiff an mir vorbei.
Als Straubing schon in der Ferne zu sehen ist, und selbst als ich über die wenig ansprechende Donaubrücke laufe: Heute fühle ich keine Vorfreude, sondern bin einfach nur ausgelaugt. Es hat wieder angefangen zu regnen, und nicht einmal dieser nette überdachte Rastplatz lädt mich zum Verweilen ein.

Ich stapfe wie ein Roboter ins Hotel, habe keine Lust mehr das Handy rauszuholen um zu fotografieren. Zu aufwändig beim Regen!
Ich lege mich ins Bett und schlafe. Es ist noch Zeit für die „große Wäsche“ und fürs Blogschreiben, dann kommt Konrad ?.

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Meine Donau-Route: 12. Tag

Etappe 11: Von Regensburg nach Wörth

Fast 27 Kilometer nach Wörth, ich stöhne innerlich auf nach dem anstrengenden Tag gestern. Ich bin nicht einverstanden mit meinen freundlichen, zuverlässigen Quartiermanager Konrad, aber er hat schon das Hotel gebucht mangels Alternativen.
Ich lasse die Innenstadt von „Rengschburg“ auf der Steinernen Brücke hinter mir.

 

 Mehrmals überquere ich Flussarme und komme ganz durcheinander. Donau, Main-Donau Kanal oder die Regen? Einmal lasse ich mich austricksen: Ich sehe einen prächtigen Kahn (wie auf dem Rhein) und stelle mich an eine Stelle zwischen zwei Bäumen um mein erstes schwimmendes Großfahrzeug gebührend zu fotografieren. Ich stehe in Position… und nichts passiert. Das Prachtstück biegt kurz vor mir rechts ab☹️.
Dann bewundere ich halt stattdessen den Sand am Donaustrand. Kurz danach erkenne ich wie das Wasser zusammenfließt.
So ganz blicke ich es noch nicht mit der Schifffahrt. Aber mir ist klar, dass die Kartoffel (Bramburi) schon lang nirgends mehr unterwegs war.

Ich entferne mich von der Donau um einen Bogen abzukürzen, laufe aber trotzdem auf dem Damm. Keinerlei „Standbild-Feeling“ kommt auf. Ich genieße nur den angenehmen Boden unter meinen Füßen.
Trotzdem wünscht sich mein Körper nach einer Weile eine Pause…
… und siehe da, das EDEKA-Café vor Donaustauf erfüllt mir meine Wünsche: Cappuccino und zum Mittagessen eine Quarktasche. Soll die Darstellung auf dem Teller vielleicht schon ein Hinweis auf ein Ziel meiner Wanderung sein??
Donaustauf:
Dieser Chinesische Turm steht stammt aus dem Jahr 1842. Er wurde 1902 nach einem Brand abgebaut und in Regensburg Prüfering wieder aufgebaut. Einem Förderverein gelang es den Turm vor dem Verfall zu retten und nach Donaustauf zurück zu bringen. 1999 wurde er eingeweiht.
Und dann laufe ich einfach an der Walhalla vorbei:Wie gut, dass ich sie vor ungefähr dreißig Jahren einmal besichtigt habe und kein Bedürfnis verspüre, den wuchtigen klassizistischen Protzbau noch einmal im Detail wieder zu sehen! So komme ich nicht in Versuchung, meine nachlassenden Kräfte für einen Anstieg nach oben zu investieren.
Bald hat mich der Fluss wieder. Unglaublich, wie breit er seit Ulm geworden ist!

Ich laufe heute nicht nur auf einer von Komoot ausgewählten Route, sondern weitestgehend auch auf dem Donau-Panoramaweg.

Auf dem Fluss sehe ich immer noch keine fahrenden Schiffe, aber wenigstens das:
Ich hätte vielleicht mit der Rossini hierher fahren können. Aber ich bin nicht in Versuchung geführt worden, genauso wenig wie durch den Bus, der neben mir stoppte. Er musste ohne mich weiterfahren.

Heute hielt sich eine Frau mit dem Auto neben mir an und fragte: „Wollns mitfoan?“ Ich lehnte natürlich ab, war aber richtig gerührt ob soviel Aufmerksamkeit. Es war das gleiche Gefühl wie am vierten Tag meiner Wanderung, als mir ein junges Mädchen mit Kopftuch in schlechten Deutsch auf einem klapprigen Fahrrad ihre Hilfe anbot. Rührend! So viel Hilfsbereitschaft, obwohl ich sie überhaupt nicht brauche!
Also selber schuld! Vor dem letzten Drittel tun mir natürlich die Füße wieder weh, wie schön wäre doch jetzt eine Einkehr! Was ist denn heute los? Schon wieder funktioniert es, und mein Wunsch wird erfüllt.

Ich habe gelacht vorher, als ich auf einem Schild stolze Beschreibungen über das „Kleinste Weinbaugebiet Deutschlands“ las. Ich nahm mir vor die entsprechenden Informationen erst ernst zu nehmen, wenn ich einen richtigen Weinberg entdecken würde. Und jetzt ist ausgerechnet ein Weinlokal die Erfüllung meiner Sehnsucht. Ich sehe sogar ein wenig kümmerlichem Weinberg neben dem Lokal und über der schattigen Terrasse wächst eine Rebe. Das Traubensaftschorle ist jetzt perfekt!


Mein Donau-Panoramaweg bietet dann auch noch etwas Geschichte:

Dann ist es geschafft, ich erreiche Wörth. Es gibt seltsamerweise keine Herausforderungen am Ende der Wanderung, das Hotel gefällt mir außerordentlich gut.
Hätte ich das heute morgen schon gewusst, als ich wegen der 27 Kilometer stöhnte: so ein angenehmer, abwechslungsreicher Tag am Ende!

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Meine Donau-Route: 11. Tag


Etappe 10: Von Kelheim nach Regensburg

Tschüss, Donau, heute Abend werde ich wiedersehen!

Tschüss Kelheim!
Heute laufe ich nicht der Donau entlang, es würde mein Tageslimit an Kilometern überschreiten. Auch der direkte Weg ist schon über dreißig Kilometer lang. Es geht bergauf-bergab meistens durch den Wald. Mir ist das eigentlich ganz willkommen nach meinen „Standbild-Erfahrungen“ am Wasser. Die erste Hälfte der Wanderung erfrischt und erfreut meine Seele, so viele unterschiedliche Wege, so viel abwechslungsreiches lichtdurchflutetes Grün. Ein Rebhuhn und ein Reh werden von mir aufgeschreckt, sorry!
Es hat gestern (freundlicherweise in der Nacht) geregnet, aber manchmal fühle ich mich wie in einem Sumpf. Einen Teil des Weges befindet sich am Jurasteig, einem Rundwanderweg im Oberpfälzer Jura.

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Mit Hilfe meiner Stöcke komme ich gut voran. Als ich durch das Dörfchen Saxberg laufe, verändert sich meine Stimmung: mein Handy lässt sich nicht mehr mit der Powerbank laden und mein Routenplaner Komoot spinnt! So kann ich nicht weiter wandern, sondern muss abbrechen!
Ich setze mich an den Tisch eines Biergartens, der heute geschlossen hat, und versuche mich zu beruhigen. Mit Hilfe meines Tablets kann ich mich orientieren und habe schon einmal einen Notfallplan. Beim Problem mit dem Laden gibt es auch Entwarnung: Es lag einfach am Kabel. Und die Zicken von Komoot scheinen vom katastrophalen Internet-Empfang in dieser Gegend zu kommen. Ich laufe weiter, das Internet wird gut, alles wird gut.
Die zweite Hälfte strengt mich trotzdem an: weil es noch so weit nach Regensburg ist, wegen manch herausfordernder Wege und da Komoot manchmal Umwege wegen nichtexistenter Wege erzwingt. Aber immerhin, der Routenplaner zickt nicht mehr.
Und dann sehe ich schon die Autobahn, auf der ich in früheren Jahren mehrmals nach Regensburg gereist bin. Jetzt fühlt es sich zwar ein wenig vertraut an, aber doch ganz anders.
Jetzt noch über die Donau, da taucht es auf, das Hindernis vor dem Ziel:

Nein, nicht schon wieder. Die Fähre verkehrt natürlich auch nur am Wochenende.
Ich bin frustriert auf dem Weg zur nächsten Brücke, mindestens zwei Kilometer Umweg. Doch sicherheitshalber erkundigen ich mich noch bei einem jungen Jogger, ob diese Brücke wenigstens passierbar ist. „Sie können schon die Bahnbrücke nehmen, da wurde ein neuer Steg auf der anderen Seite gebaut.“ Ich bin erleichtert. Aber meiner Meinung nach, hätte das auch auf dem Schild an der Sperrung stehen können!
„Liebe Donau, wir sehen uns heute noch wieder, wie versprochen!“

Dann geht alles recht schnell: Einchecken im Hotel Rosi, Abendessen und dann ins Bett. Ich bin so müde, dass mein Blog-Bericht nur halb fertig wird.

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Meine Donau-Route: 10. Tag

Etappe 9: Von Marching nach Kelheim

Mein Weg aus dem Ort bietet noch ein wenig Geschichte:
Durch das Dorf führte die alte Salzstraße, auf welcher Pferdefuhrwerke ihr Salz über Neustadt von Salzburg und Reichenhall nach Nürnberg fuhren.
Die Burg wurde Ende des 14. Jahrhunderts zerstört. Der Feiglturm ist sichtbarer Überrest dieser Feste Märching. Eine Sage berichtet von Raubrittern, welche die Schiffe überfielen, die auf der Donau vorbeifuhren. In unterirdischen Gängen unter dem Kirchlein sei wohl ein Schatz deponiert worden.
Und so beginnt der Tag recht mystisch, passend zum nebligen Wetter. Mein „Standbild“ liegt heute im Nebel. Das lädt mich zum Meditieren ein. „Links und rechts von dir liegt immer wieder undurchsichtiges Gewässer, aber du kannst sicher vorankommen, denn du bist auf dem schützenden Damm!“
Auf einmal liegt das Geld auf der Straße -nein auf dem Damm- 16 feuchte Euro und kein Besitzer weit und breit… Ich erbarme mich.
Ich freue mich auf die Fähre, die erste Fähre überhaupt auf meiner Wanderung. Zu früh gefreut. Sie verkehrt montags nicht, und natürlich ist heute Montag.
Dann steht halt stattdessen Waldbaden an, auf grasigem oder sandigem Weg mit Uferblick.


Von mir aus hätte ich so noch lange so weiter laufen können… Aber der Weg, der weiter reizvoll am Fluss vorbei führt, wird nicht mehr gepflegt. Komoot ist da leider nicht auf dem neusten Stand. Ich laufe stattdessen auf Reifenspuren im Gras, entlang von Äckern und Feldern. Einmal vertraue ich noch meinen Routenplaner. Ins Waldbaden wird eine neue Disziplin eingebaut: Brennnessel-Treten im Storchengang. Mensch, ich muss da durch, denn vor mir liegt ein kleiner Bach.


Jetzt schnell über den Graben, dann habe ich aber endgültig die Lust am Uferweg verloren.

Ich werde erst wieder mutig, als ich diese Beschilderung lese:
Die Jakobspilger werden schon nicht durch die Brennnesseln geschickt werden. Stimmt, eine Weile ist auch alles perfekt.
Aber die Jakobspilger lieben Berge und ich nicht. Ich stöhne trotzdem nur ein klein wenig, als der Weg völlig unerwartet steil nach oben geht. Ja, in der Nähe des Donaudurchbruches habe ich sogar damit gerechnet.

Es geht wirklich steil nach oben und alles ist schrecklich ausgewaschen. Ich packe zum ersten Mal meine Stöcke aus und komme klar.Es geht rauf und wieder runter, ich fühle mich wohl. Und mir geht es noch besser als ich sehe, dass die Fähre in Stausacker auch heute verkehrt.
Mit einer Zille werde ich als einzige Passagierin übergesetzt. Kloster Weltenburg ist nicht mehr weit. Fluten von Touristen sind mit mir unterwegs.

Endlich sehe ich ein richtiges Schiff!!! Die Donau verändert sich…

Im Biergarten des Klosters trinke ich einen halben Liter Johannisbeerschorle.
(Bier wäre erschwinglicher gewesen.)
Ich wandere über den Frauenberg nach Kelheim und bleibe geduldig, auch wenn Komoot immer wieder spinnt. Mir geht es heute gut, mein Körper hat sich vielleicht schon an das Wandern gewöhnt?
Und dann kommt sie doch noch, die Herausforderung des Tages: das Einchecken in mein supermodernes, steriles „greenpartment boardinghousehotel“ samt Öffnens meines Zimmers.

Ich brauche ungefähr eine halbe Stunde, bis ich endlich drin bin. (Details erkläre ich nur auf Nachfrage.)
Dann folgt noch ein wenig Sightseeing, das angenehm im Gasthof Berzel ausklingt.

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