Meine Donau-Route: 22. Tag

Etappe 20: von Haibach nach Schloss Mühldorf

Haibach liegt etwas verträumt vor mir als ich das Hotel verlasse.

Heute geht es wieder bergab zurück zur Donau, nach Aschbach, wo die Schlinge schon hinter ihr liegt. Dorthin führt wieder eine Donausteig-Stecke, stelle ich erleichtert fest. Dann ist die Beschilderung vermutlich ähnlich gut wie gestern und ich brauche das Handy nur zum Kontrollieren, Fotografieren und Telefonieren!
Wald und Flur, Haus und Hof: Abwechslung ist geboten. Da fällt es nicht schwer lächelnd und beschwingt voranzuschreiten.
Es geht nicht nur bergab, sondern merkwürdigerweise immer wieder streng bergauf. Für jemand, die das Bergauf eher nicht so mag, gefällt es mir gerade außerordentlich gut.
An zwei Stellen treffe ich jeweils ein „Rudel“ Jäger. Ich erfahre: „Es geht um die Hundeausbildung. Heute ist Prüfung.“ Ich wünsche den Vierbeinern und den Zweibeinern viel Glück für den Tag. Bald höre ich mehrere Schüsse, hoffentlich haben die Kandidaten das gemeistert!
Auf einmal heult eine Sirene auf. „Gehört das auch zur Prüfung?“ „Nein, am Samstag um zwölf wird die Sirene getestet.“ „Gut, muss ja auch mal sein!“ Ich laufe weiter und es ist schnell wieder Ruhe… bis… es dann in kleineren Abständen von allen Seiten heilt und durch Echos untermalt wird. Echt spooky, Gänsehaut! Es fängt auf einmal auch noch an in meiner Tasche zu jaulen, jetzt wird es wirklich unheimlich!
Oh, das hatten wir ja auch schon. Und der ganze Spuk ist so schnell vorbei, wir er angefangen hat. Hoffentlich haben die Hunde sich nicht drausbringen lassen, das war ja wirklich unfair!

Ich gehe auf Schwammerl-Suche, mit der Kamera:

So fliegt die Zeit dahin und bald schon bin ich in Aschbach an der Donau. Dort stärke ich mich mit Cappuccino und Mango-Topfen-Strudel.
Das restliche Drittel des Weges ist schwer beurteilen: „Langweilig!“, sagt mein Kopf. „Wunderbar!“ sagen meine Füße.
Dann analysiere ich halt österreichische Verkehrsschilder:
Entzückende Erinnerungen an die Vergangenheit!

Konrad, der Gute, hat schon wieder eine Übernachtung in einem Schloss für mich gebucht: Schloß Mühldorf. Ich freue mich schon auf mein Ziel, auch wenn ich weiß, dass es dort kein richtiges Abendessen gibt. Es gibt einen Getränkeautomat und Snacks, bilde ich mir ein, irgendwo gelesen zu haben. Nun denn, es muss ja auch nicht immer ein vollwertiges Abendessen sein!
Zunächst habe ich Schwierigkeiten durch das Tor zu kommen, aber ein junger Mann hilft mit. Dann finde ich in einer wunderschönen, menschenleeren Rezeption nur einen Umschlag mit Namen und Zimmernummer vor. Ist das alles? Irritiert sich ich meine Unterbringung. Dann stehe ich in den netten kleinen Apartment und fühle mich verlassen. „Niemand kümmert sich um mich! Bestimmt gehört das Anwesen einem Investor, dem das Interesse der Gäste völlig egal ist!“ Ein Urteil ist schnell gefällt: schön, aber herzlos.
Dann muss ich halt zurück in die Ortschaft, heute bin ich sowieso nicht allzu sehr erschöpft. Mein Verlassen meines Gebäudeteils treffe ich die Verwalterin, die ganz alleine für diesen Betrieb zuständig ist. Sie interessiert sich für mich und sorgt sich um meine Nahrungsaufnahme. Ich erfahre, dass die guten Zeiten des Hauses mit Automaten für Snacks und Getränke seit 2021 vorbei sind, Corona! Es finden hier kaum noch Seminare und Events statt. Sie leidet sichtlich unter der Verschlechterung. Ich bin erschüttert: hier wirkt es so top-gepflegt, so ansprechend eingerichtet und die großen Kunden bleiben aus? Und dahinter steht kein anonymer Investor, sondern ein Privatmensch, der da oben zwischen den beiden Türmen mit seiner Mutter residiert.
Die gute Frau lässt es sich nicht nehmen mich zum Abendessen in den nächsten Ort zu fahren. Den freundlich angebotenen Wieder-Heimbring-Service schlage ich aber energisch aus. Eine Wandersfrau sollte doch vor den drei Kilometern nicht zurückschrecken. Und heute bin ich doch nur zwanzig angenehme Kilometer gelaufen.

Ja, ich freue mich im Schloss zu übernachten (oder eigentlich im Nebengebäude, der Villa Adriana).

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Meine Donau Route: 21. Tag (drei Wochen)

Etappe 19: Von Engelhardszell nach Haibach

„Wie wird der Weg morgen? Es soll den ganzen Tag regnen und ich muss den steilen Berg rauf, um die Donauschlinge abzukürzen! Wird es wieder Schwierigkeiten mit dem Handy geben?“ Anstatt mich gelassen einer Herausforderung nach der anderen zu stellen, schlafe ich einfach schlecht und meine Gedanken werden zu Nachtscheinriesen. Am Morgen ist die Laune schlecht, und selbst der wunderbare Blick aus dem Fenster ist trübe.

Zum Frühstück gehe ich in das benachbarte Café Sissi. Eine gute Idee, denn meine Stimmungspegel schließt nach oben.
Dann startet die Wanderung: Es regnet nur ein bisschen und ich friere nicht. Vorerst geht es einfach am Fluss entlang. Das Handy zücke ich nur für Romantik: „Mutter-Kind-Idylle“ und „Burg Falkenstein im Nebel“.
Eigentlich habe ich mir vorgenommen, während meiner Reise auf den Besuch von Museen und Ähnlichem zu verzichten. Der Schwerpunkt soll das Vorankommen sein. Römer, ja die interessieren mich schon, aber…
Da taucht vor mir in Oberranna dieser Holzbau am Wegesrand auf, der die Ausgrabungen eines Kastells überdacht. Eintritt frei! Im Trockenen! Da kann ich ja gar nicht anders…
Vielleicht hat das Kastell einmal so ausgesehen:

Wie interessant! Einzigster Verbesserungsvorschlag: eine kleine Cafeteria. Im Nachbarort Wesenufer wird mein Cappuccino-Bedürfnis beim Schiffsbauer gestillt. Ich trockne und erhole mich.
Weiter geht es mit Höhen und Tiefen (nur wörtlich!) auf dem Fußgänger-Radweg nach Schlögen. Das Museumsspiel wiederholt sich, diesmal mit einem Römerbad, das möglicherweise einmal so ausgesehen hat:
Ich schaue mir (aus den gleichen Gründen wie vorher) die  Ausgrabungen und Infos an:

Seit dem letzten Cappuccino sind schon einige Kilometer vergangen und ich sollte mich ja für die bevorstehende Bergetappe angemessen stärken. (Wen interessieren schon Müsliriegel?)
Im Hotel Donauschlinge werde ich bestens versorgt: Es gibt neben dem Ausblick auf die sich windende Donau auch den ersten Apfelstrudel in Österreich für mich.
Dann geht es den Berg hoch. Meine Stöcke sind ausgepackt, ich laufe in meinem Tempo, niemand ist schneller als ich. Es ist noch sehr feucht. Ich kann nicht unterscheiden, ob vom Himmel oder von den Bäumen. Obwohl das alles keines meiner Wohlfühl-Settings darstellt, geht es mir gut. Ich wandere gleich auf mehreren Routen gleichzeitig: „Donausteig“, „Es mueß seyn-Weg“, dem „Ciconia Weg“ oder einfach dem Weg nach „Haibach ob der Donau“.

Dann kommt der Höhepunkt des Tages: kein Schritt zu viel gelaufen!!!


Wie im Geographiebuch: der Schlögener Blick!
Ich war den ganzen Tag alleine unterwegs, aber hier treffe ich ein junges Pärchen, mit dem ich meine Überwältigung teilen kann. Sie sind auf Schwammerln-Suche.
Die restlichen fünf Kilometer laufe ich unbeschwert bis Haibach. Danach dehnt es sich noch ein wenig bis zum Ziel.
Ich komme in einem großen, urig eingerichtetem Event-Lokal an. Nichts wirkt so richtig echt, außer dem vielen Holz. Aber mein riesiges Zimmer ist top und riesig! (Der Schrank hat sogar Innenbeleuchtung😉). Nach dem Essen will ich mich eigentlich schnell dorthin verziehen. Aber der Alleinunterhalter des 60. Geburtstags, der hier gefeiert wird, trifft meinen Musikgeschmack und ich habe es nicht mehr sonderlich eilig ins Bett zu kommen.

Wieder bin ich zufrieden, wenn ich auf den Tag zurückblicke. Meine Nachtscheinriesen lösten sich sofort beim Laufen auf, einer nach den anderen. Ich bewältige meine 22 Kilometer ohne Schwierigkeiten. Statt Hindernissen wartete angenehme Abwechslung auf mich.

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Meine Donau-Route: 20. Tag

Etappe 18: Von Erlau nach Engelhardszell (Österreich)

Ich habe heute Nacht bestens geschlafen, meine Laune ist gut, auch wenn keine Sonne angesagt ist.
Ein bisschen ist es zunächst wieder wie am Rhein, rechts oben erfreut mich Burg Krämpelstein.
Bereits gestern habe ich vergeblich auf einen Zug entlang der Trasse links über mir gewartet. Jetzt weiß ich warum:

1973 wurde die Strecke bereits endgültig stillgelegt und ich warte gute fünfzig Jahre später immer noch auf einen vorbeifahrenden Zug…😉

Dann schaue ich halt lieber rechts nach den Wasserfahrzeugen. Ist das ein LKW fürs Wasser oder ein Schiff? Ich weiß es nicht!
Kurz vor Obernzell begegne ich wieder einer Meerjungfrau.
Das Städtchen wirkt mit seinen bunten Häusern recht freundlich, aber beim genaueren Hinsehen entdecke ich dazwischen einigen Leerstand und Verfall.
Wer ist hier wohl Schlossherr? Niemand! Die Fürstbischöfe von Passau ließen sich einst das Bauwerk als Wasserschloss errichten und heute gehört es dem Freistaat. Es beherbergt eine Keramikmuseum und ist geöffnet für Besichtigungen, aber nicht für mich. Ich will weiter!

Am Wegesrand finde ich viele Infotafeln, die mir teilweise recht interessante Aufklärung bieten. So erfahre ich endlich etwas über Isa, der Nixe, die hier in der Gegend wohnt.
Wenn der Nebel plötzlich über die Schiffsleute herein bricht, dann erscheint sie und lockt alle, die ihrem Gesang verfallen, in ihr unterirdisches Schloss. Das ist gar nicht so verwunderlich, denn sie ist die Schwester der Loreley. 
„Ihr Kleid glitzert und flimmert im Mondschein. Dunkel und geheimnisvoll blitzen ihre Augen. In ihre Haare hat sie einen grünen Schilfkranz und ein Gewinde von bunten Blumen geflochten. Die funkeln wie Sterne, um sie herum leuchtet das Wasser…“

Und darunter lese ich einen Spruch von Kierkegaard:
„Wenn der Weg unendlich scheint und plötzlich nichts mehr gehen will, wie du es wünschst, gerade dann darfst du nicht zaudern.“
Heute brauche ich keine Aufmunterung, aber vorgestern – während der letzten zwei Kilometer – wäre das ein gutes Motto gewesen.

Dann taucht eine Wanderoase auf, ohne dass ich sie mir gewünscht hatte, und das gelbe Schild stellt einen bedeutenden Unterschied zu vielen anderen Gaststätten am Wegesrand dar:

Ich gönne mir einen Cappuccino mit Waldbeerenkuchen. Bald ziehe ich weiter.
Der Weg ist abwechslungsreich. Links von mir erhebt sich das Naturschutzgebiet „Donauleiten“ (Leiten=steiler Hang), rechts zieht sich der mittlerweile riesige Fluss majestätisch dahin.
Mich führt ein Trampelpfad direkt an der Donau entlang, keine Fahrradfahrer und wenige Autos auf der Straße. Dann gibt es keinen Gehweg mehr, ich laufe am Rand der Fahrbahn. Es tröpfelt ein wenig, ich lege mir und Gustav Regenbekleidung an. Das ist zwar völlig unnötig, aber so sind wir für Autofahrer gut sichtbar.

Ich komme zum Kraftwerk Jochenstein. „Wenn ich hier nicht über die Donau komme, dann habe ich ein Problem. Die Fähren verkehren an Feiertagen (3. Oktober!) nicht .“ Doch alle Sorge umsonst😊. Mich erwartet sogar ein richtiges ein Ausflugsziel. Das „Haus am Strom“ (doppelte Bedeutung!) bietet Infos und Unterhaltung für Jung und Alt. Der Nixenbogen erinnert an Isa.
„Das Schloß liegt tief unter dem Jochenstein, die Wände sind mit Muscheln und Perlen geschmückt. Die Pfeiler sind mit blauen Saphiren und Diamanten besetzt. Der Boden ist aus Elfenbein. Manchmal leuchtet es in mondhellen Nächten auf.“

Mich hat schon das Kraftwerk in Passau überrascht, aber am Jochenstein bin ich noch mehr beeindruckt (Bauzeit 1953 bis 1956).

 

Ich bin stolz, als ich die Grenze überquere.


 

 

Zwei Schleusen:
Gewaltige Wassermassen:
Diese Schmalspurbahn wurde bis 1992 zum Transport von Schwemmgut benutzt, das sich beim Kraftwerk in der Donau angesammelt hatte.
Und dann noch eine Sage:
Der Teufel errichtete einst aus großen Steinböcken in der Donau eine Mauer, um die frommen Seelen im Donautal bis hinein in die Bischofsstadt Passau zu ertränken. Einmal, jedoch, fehlte ein Stein und in seinem Zorn zerstörte er die ganze Mauer. Die Macht des Bösen hatte ein Ende. Nur ein Felsblock blieb stehen. Der sah aus wie das Joch einer Brücke und wurde deshalb „Jochenstein“ genannt.

Auf dem Schmuggler- und Trepperlweg (Treidelpfad) geht es weiter bis zu den Radfähren Isa und Loreley.
Auch hier scheint heute nichts los zu sein, im Gegensatz zu diesen beiden Kreuzfahrt-Damen:
Da werden gerade die Passagiere mit Bussen herangefahren. Ich informiere mich noch über die Donau-Kilomertrierung und bin schon wieder etwas stolz auf mich.

Es geht nun rechts ab in mein Gasthaus Goldenes Schiff. Von meinem Zimmer aus habe ich einen prächtigen Blick auf den Fluss.

Im Restaurant begegnet mir Isa schon wieder. Ich hätte ja meinen überbackenen Palatschinken – gefüllt mit Spinat und Schafskäse – mit ihr geteilt. Aber ihr nach innen gerichteter Blick lässt vermuten, dass sie eher auf Männerfang aus ist.
Es war ein wunderbarer, abwechslungsreicher Tag. Das Laufen fiel mir bei den ebenen 21 Kilometern nicht sonderlich schwer. Es gab überhaupt keine „Durststrecken“ oder „Standbilder“.

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Meine Donau-Route: 19. Tag

Etappe 17: Von Passau nach Erlau
Ich verlasse den Dreiflüssehof im Regen und freue mich schon auf die Stadt.


 

 

 

 

 

 

Es sind dreißig Jahre vergangen, seitdem ich das letzte Mal in Passau war, und meine Erinnerungen passen nicht mehr zu der Stadt, durch die ich gerade laufe. Jetzt erst mal frühstücken!

Alles ist voller Menschen: überall Stadtführungen,  viele Amerikaner. Passau ist ein Eldorado für Flusskreuzfahrer.
       
Bei (sehr) genauer Betrachtung, kann erkannt werden, dass hier der Inn in die Donau mündet,

und dann noch die Ilz dazufließt.
Tschüss Passau, mich zieht’s weiter!
Jetzt laufe ich links der Donau weiter, direkter Blick auf den Fluss ohne Deiche oder Umleitungen durch Auen. Ein Nachteil: die B388!

Nein, ich habe mich nicht an den Bodensee verlaufen!

Eigentlich stört mich mir der Lärm ein wenig, aber es gibt viel zu schauen.
PA-UL; PA-X; PA-IN; PA-CE; PA-CK; PA-RT; PA-GE; PA-PA; PA-PS; PA-SS; PA-TT; PA-W; PA-Y… Ich baue deutsche und englische Wörter zusammen mit den Buchstaben, die ich auf den vorbeifahrenden Nummernschildern sehe.
Dann kommt der Rastplatz mit Meerjungfrau und Himmelsliege. Es macht mir kaum was aus, dass die noch ganz leicht feucht ist. Ich lasse mich darauf plumpsen, telefoniere mit Konrad und blicke auf den Fluss. (Den Verkehrslärm blende ich einfach aus).
Der Außerirdische trägt heute eine Schutzwaffe.
Die Sonne zeigt sich sogar ein wenig, auch wenn der Himmel in der anderen Richtung dunkel wird. Aber es bleibt trocken, was will ich mehr!
Dann zeigt sich mein Edlhof in der Ferne und die Leitplanken bieten zum ersten Mal seit langem einen Durchlass.
Nach meinem Schläfchen telefoniere ich noch mehrmals mit Konrad, meinem Quartier-Manager. Die nächsten Übernachtungen werden etwas kompliziert bei meinen Ansprüchen (Abendessen und nicht allzu viele Kilometer), er sucht geduldig nach Lösungen. Daaaaanke!

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Meine Donau-Route: 18. Tag

Etappe 16: Von Künzing nach Passau

Ich habe Respekt vor diesem Tag, denn Komoot zeigt 32 Kilometer bis zu meinem Hotel in Passau. Ich versuche mich mental gut vorzubereiten: „Mach Pausen, wenn dir danach ist, lasst dir Zeit! Du wirst im Hotel heute ein Abendessen bekommen, sogar bis 21:30 laut Mail!“
Unbeschwert und zuversichtlich lasse ich mich auf die Wanderung ein. Der Weg nach Vilshofen erinnert mich entfernt an meine Rhein-Wanderung vor zwei Jahren: Bundesstraße, Eisenbahn und sogar einmal eine Burg auf dem Berg. Es gibt immer was zu schauen.

Und dann lande ich in…
Doch alles nicht so schlimm, denn immerhin fährt hier der ICE vorbei.
Und Kultur gibt es auch:
Die Bewohner dieser Gegend sind wohl sehr stolz auf ihren ehemaligen Limes, der ostbayrische Außengrenze des Römischen Reiches. Es sind zwar keine Reste des Grenzwalls mehr vorhanden, aber die zahlreichen Ausgrabungen lassen viele Rückschlüsse zu. Das alles erfahre ich am Wegesrand, genauso wie Informationen zur nächsten Stadt:
“Vilshofen liegt am Eingang des niederbayerisch-oberösterreichischen Donaudurchbruchs, dort wo Vils, Wolfach und Pfudrach in die Donau münden. Sie wird daher auch gerne die ,Kleine Dreiflüssestadt‘ genannt…“ Na, wenn Vilshofen so bedeutend ist, dann trinke ich dort gerne einen Cappuccino. Immerhin habe ich schon ein Viertel des Weges hinter mir.

Hier überquere ich die Donau und mache alles richtig. Mein Hausherr segnete schon beim Checkout diese Route ab, denn wegen umfangreicher Baumaßnahmen hätte es sonst heute schwierig werden können.
Mein kleiner, traumhafter Pfad führt mich mitten durchs Wasser sozusagen. Ich habe meine Bedenken, bei dem vielen Regen in diesen Tagen, aber ein Versuch ist es wert.

Hier geht es nun definitiv nicht weiter, also zurück. Kein schlimmer Umweg!
Es scheint Außerirdische in der Gegend zu geben, aber wen stört‘s?
 
Die Temperatur ist genau so, wie ich sie mir gestern wünschte. Die Sonne blinzelt meist ein wenig hinter der Wolkendecke hindurch. Einmal regnet es etwas. Ich krame meine Regensachen hervor. Kurz danach sind die auch schon wieder trocken.
Langsam, aber stetig komme ich voran. So gut gelaunt, wie die Beiden bin ich allerdings nicht. Kein Wunder, die müssen ja nicht noch zehn Kilometer laufen.
Die Brücke der A3 geht mich leider noch nichts an.
Ich trotte halbwegs geduldig weiter und dann erwartet mich wieder die „Bin-schon-fast-am-Ziel-Überraschung“:
Mindestens fünfhundert Meter Umweg – jetzt, wo mir jeder Schritt weg tut…
Aber so schreite ich interessanterweise beim Kraftwerk über den Fluss, das mich entfernt an einen Dom erinnert (Entstehung 1923-1927). Es beeindruckt mich mehr als alle bisherigen Staustufen und Kraftwerke.

Passau ist schon in der Ferne zu sehen.

Okay, die Brücke wird tatsächlich saniert!
Jetzt bin ich wirklich bald da! Wirklich? Nein! Ich muss noch 700 Meter weit eine steile Straße hoch laufen, dann erst ist es geschafft!!!
Es war sehr viel heute, ohne Umweg und Berg hätte ich nach meiner mentalen Vorbereitung vielleicht sogar halbwegs gut durchgehalten. Jetzt aber, lasse ich mich im Hotel einfach nur auf mein Bett plumpsen und bewege mich die nächste halbe Stunde lang nicht mehr.
Aber ich bin in Passau! Konrad teilt es der Familie mit. Ich bin schon auch stolz:
Ulm liegt am Sromkilometer 2580 und Passau km 2226.
– Das heißt, der Strom hat schon 354 Kilometer hinter sich, seitdem er durch Ulm geflossen ist.
– Ich persönlich bin schon 453 Kilometer gelaufen (ohne die beiden Ruhetage).
– Mein Schnitt liegt bei 26,6 Kilometer am Tag (ohne die beiden Ruhetage).

Laufe ich weiter nach Wien? Ich weiß es nicht, schließe es aber im Augenblick noch nicht aus.

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Meine Donau-Route: 17. Tag

Etappe 15: Von Deggendorf nach Künzing

Ich lasse es mir gutgehen in meinem Donauhof von 1834, dessen Geschichte als Hotel aber erst 1988 begann. Vorher diente das Gebäude unter anderem als Krankenhaus. Die freundliche Dame an der Rezeption gibt mir gerne Auskunft.

Komoot meint es gut mit mir und schickt mich von Deggendorf aus den Berg hoch, um mir das Industriegebiet zu ersparen. Ich verzichte auf diesen Service und gewinne Kilometer bei gleichzeitigem Verlust von Höhenmetern. Ich stapfe gelassen an hässlicher Industrie und lauter Autobahn entlang.
Der Weg führt mich aber doch langsam zurück zur Natur und dann endlich unter der A3 hindurch zur Donau.
Ich laufe zwischen Wasser rechts und Wasser links. Dieses Auengebiet ist bewusst angelegt worden, Naturschutz hat einen hohen Stellenwert hier.
Heute ist es zum ersten Mal recht frisch morgens und auch während des Tages wird es nicht mehr so warm. Ich friere zwar nicht, trotzdem dürfte es wegen mir gerne zwei, drei Grad wärmer sein.
Welch ein Luxus: eine Bank mit Infohäuschen. Was wäre das bei meinem Regentag nach Schwenningen für ein Paradies gewesen!
„Die machen ja ordentlich Werbung für ihren Hochwasser- und Naturschutz.“ Ein Einheimischer mit Hund stellt sich neben mich und fängt an zu meckern. „Die machen hier alles kaputt mit ihren Bauarbeiten! Wegen der Vögel dürfen nur zwei Lastwagen in der Stunde fahren und die Bagger und Maschinen laufen die ganze Zeit sinnlos, weil sie für die Betriebszeit gezahlt werden!“ Oh, aber ich brauche diese Information nicht zu kommentieren. (Wie sollte ich da auch ein qualifiziertes Urteil abgeben können?) Mittlerweile hat sich ein Pärchen mit Hund zu uns gesellt und das Thema wechselt automatisch.
Ein paar Kilometer weiter fange ich aber auch an, die Dammbaumaßnahmen zu hassen, denn ich muss wegen ihnen eineinhalb Kilometer Umweg ertragen.
Doch eigentlich nicht fürchterlich schlimm! Ich wollte sowieso eine Donauschleife abkürzen und lande wieder auf dem Panoramaweg.

Am Ende meiner Wanderung werde ich noch einmal mit Donauimpressionen verwöhnt.

Dann erreiche ich die Villa Quintana, mein Hotel Garni.
Der hilfsbereite Besitzer klärt mich auf Nachfrage gleich über die wechselhafte Geschichte des Hauses auf. Ich versuche gut zuzuhören, obwohl mir das nicht ganz leicht fällt. Nach der 25 Kilometer-Wanderung würde ich mich am liebsten gleich aufs Bett werfen.
An diesem Ort gibt es eine schwefelhaltige Heilquelle, die sich wohl schon die Kelten zunutze machten. Die Bundesstraße vor dem Haus verläuft in etwa wie der römische Donaulimes seinerzeit. Hier in der Gegend war vermutlich das fünfte Lager (Quintana), woraus sich wohl auch der Name des Ortes Künzing ableitete. Das Haus wurde 1911 als Kurhotel gebaut, dann war es das Zentrum für Nonnen, die sich um Notleidende in der Umgebung kümmerten. Im Zweiten Weltkrieg wurde es zum Stützpunkt der SS und später waren hier Amerikaner stationiert. Dann wurde es von der Kirche gekauft und diente als Kloster. Kein Mensch weiß, wo das Geld herkam. Als der Orden ausstarb, wurde das Haus wieder zum Hotel.
Ich liebe es, wenn mich so viel Geschichte umgibt.
Das war’s aber dann mit den Reizen von Künzing. Die Sonne wagt sich jetzt am Abend noch einmal heraus, aber als ich in den Ort laufe, bin ich enttäuscht und langweile mich. Es ist Montag und es ist wirklich nichts los hier.
Das Museum Quintana hat geschlossen, aber was noch viel schlimmer ist: kein Restaurant ist offen. Wirklich keines? Keines bis auf Mister Döner! Dann gibt es heute halt einmal Falafel mit Pfefferminztee, auch nicht schlecht!

 

Veröffentlicht unter Allgemein | 1 Kommentar

Meine Donau-Route: 16. Tag

Etappe 14: Von Niederwinkling nach Deggendorf

Der Nebel gibt sich nach und nach geschlagen, die Sonne „frisst“ ihn auf.

 

 

Zunächst nähere ich mich langsam der Donau: bergauf, bergab über Felder, Wiesen und durch Dörfer oder Wald.

Ich komme zum Himmelberg und ich sehe ein kleines Schloss.

Mich ernüchtert die Gedenktafel an diesem scheinbar so heilen Ort.

Ich sehe in der Nähe des kleinen Schlosses alte Baracken, bei denen aber keinerlei Hinweise auf deren Bedeutung zu finden sind. Waren hier die jungen Menschen untergebracht? Ich will es eigentlich überhaupt nicht so genau wissen, ich will die Baracken nicht einmal fotografieren. Ich spüre nur Abneigung, die kleine Kapelle lässt mich kalt.

Ich will möglichst schnell wieder zur Donau, was aber bedeuten diese Hindernisse für mich? Auf den Deich sehe ich „hunderte“ von Leuten, die heute am Sonntag dort spazieren gehen. Ich frage ein Ehepaar nach meinen Chancen, entlang der Donau nach Deggendorf durchzukommen und sie machen mir Mut. „Seit dem Hochwasser von 2013 wird hier gearbeitet. Der Deich wird verlegt, aber es geht sehr langsam voran. Wir Einheimischen nehmen die Schilder nicht mehr ernst, denn wir wissen, dass wir trotzdem durchkommen.“ Na dann steht der Begegnung mit dem Fluss ja nichts mehr entgegen.

Kurz vor halb drei bin ich wieder an der Donau und es besteht kein Zweifel, in welchem Bundesland ich mich befinde. In Deggendorf sehe ich einen Riesenfrachter auf dem kaum befahrenen Gewässer.
Hier geht die Post ab am Strand. Bin ich wirklich noch in Bayern?
Nachdem ich mich dann im Hotel wieder sortiert habe, gibt es noch Sightseeing, gutes Abendessen und frühe Bettruhe.

Heute bin ich nur achtzehn Kilometer gelaufen, und ich fühlte mich rundum wohl. Nach Passau werde ich es vermutlich schaffen und ich kann mir noch nicht vorstellen, dass danach mit meiner Wanderung Schluss sein soll. Mal sehen!

Veröffentlicht unter Allgemein | 2 Kommentare

Etappe 13: Von Straubing nach Niederwinkling

Servus Straubing, grüß dich Donauweg! Ein Kahn fährt tuckernd an mir vorbei.

 „Heute bin ich wieder auf dem Damm…“ und das ist ganz wörtlich und auch im übertragenen Sinne gemeint. Nach einem einzigen Pausentag fühle ich mich wieder fit und erwarte freudig den erneuten Wandertag. „Mein Wandertrieb drängt mich.“ Das fiel mir beim Frühstück ein und ist vielleicht auch die Erklärung für das, was ich mir antue. Vorgestern stellte ich ernsthaft die Warum-Frage. Heute sage ich: „Weil mich es entzückt, dieses Loslaufen und Ankommen, das Pfadfinden und das Unerwartete! Ich finde es großartig einfach alleine so unterwegs zu sein.“
Was soll das? Ich versuche zunächst die Schilder zu ignorieren, aber dann bemerke ich, dass es den von Komoot vorgeschlagenen Weg so überhaupt nicht mehr gibt.  Erfreulicherweise finde ich problemlos eine Alternative, also kein Grund für Ärger.
Im Örtchen Bogen lese ich die Erklärung für die Umgestaltung der Uferwege. Ich komme halbwegs gut klar, auch weil ich heute wieder auf dem Donau-Panoramaweg laufe und der relativ gut ausgeschildert ist.

In Bogen bleibe ich gleich am Bahnhof hängen. Eine alte Diesellok fasziniert mich und erstaunt nehme ich zur Kenntnis, dass der alte Waggon hinten als Fahrradfahrer-Pension eine neue Bestimmung gefunden hat. Im Moment ist allerdings alles menschenleer. Ich vermute, dass die Pension sich nur in der Hauptsaison lohnt.
Das italienische Eiscafé hat aber geöffnet. Ich trinke einen Cappuccino und gönne mir danach ein Eishörnchen mit zwei Kugeln.
Ich fühle mich heute voller Tatendrang und beschließe den von Komoot vorgeschlagenen Bogenberg hoch zu steigen. Die Alternative wäre eine befahrene Landstraße, das muss nicht sein. Zunächst führt der Weg durchs Städtchen. Oh, der Himmel sieht nicht gut aus!
Ich pilgere, aktiviere meine katholischen Wurzeln. Der Pilgerweg geht über in einen Kreuzweg. Während meiner Wallfahrt zum Heiligen Berg Niederbayerns schüttet es wie aus Kübeln.

 

 

 

Die Marienkirche dient mir – trotz ihrer 1000-jährigen religiöser Anziehungskraft – weniger der Erbauung als der allmählichen Trocknung. Als ich wieder nach draußen trete, scheint die Sonne. Nein, ich glaube trotz aller Freude deshalb nicht an ein Wunder. Aber wirklich wundervoll ist der Blick auf die Donau hinunter.

Des Weg zurück ist ein wenig herausfordernd, aber ich hole die Stöcke raus und komme klar.
St. Ulrich-Kapelle aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts
Dann gelange ich endlich wieder runter zur Donau.

 

Mein Weg ähnelt nach dem Regen ein wenig der Flusslandschaft, doch ich erreiche ohne Schwierigkeiten Niederwinkling, wo ich den Tag im Restaurant des Hotels sehr gut, aber (wegen der gehobenen Preisklasse) nicht so ganz stilecht ausklingen lasse.

Publiziert am von Barbara Schaupp | Hinterlasse einen Kommentar

Meine Donau-Route: 14. Tag (zwei Wochen)

Ruhetag in Straubing

Zuerst ein gemütliches Frühstück zu zweit in unserem schönen Gasthaus.

    „Straubing ist typisch bayerisch, Treppengiebelhäuser, fast so viele Kirchtürme wie Häuser dazu ein Himmel in Weiß-Blau…“ sagt Konrad.
Wikipedia meint: „Im späten Mittelalter war die Stadt neben München, Landshut und Ingolstadt eine der Hauptstädte der bayerischen Teilherzogtümer, was sich in der Architektur bis heute widerspiegelt.“
    

Und auch heute ein Blick auf die Donau…

Am Nachmittag regnet es wieder, uns ist das egal.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar

Meine Donau-Route: 13. Tag

Etappe 12: Von Wörth nach Straubing

„Ich wünsche Ihnen einen schönen Tag!“ „Oh, für Sie wird es heute bestimmt nicht so gut, es soll ja die ganze Zeit regnen!“ Das waren die Worte bei meiner Verabschiedung im Hotel. Na, zuversichtlich klingt anders. In voller Regenmontur frühstücke ich erst mal in der gemütlichen Bäckerei nebenan.

Tschüss, du verregnetes Wörth! Ich nähere mich langsam wieder der Donau. Die Aue ist ein großes Labyrinth aus Gewässern, Wegen und Deichen. Eine vielversprechende Grasspur scheint mich ans Ziel zu bringen. Meine Füße werden dabei feucht, aber wenigstens hat es zu regnen aufgehört. Dann führen die Spuren ins Dickicht.

Hier laufe ich definitiv nicht weiter! Mindestens eineinhalb Kilometer umsonst! Jetzt wähle ich nur noch Wege, die groß in der Karte eingezeichnet sind. Es wird vielversprechender. Ich lande wieder auf den Donau-Panoramaweg, der mit einer Vielzahl lehrreicher Tafeln ausgezeichnet ist.

     
Dann erreiche ich den Fluss, von dem ich auch bei diesem trüben Wetter mal wieder völlig beeindruckt bin.
Die Mittagspause erfolgt im Stehen und sehr früh. Heute sind überall Bänkchen mit wunderbarer Aussicht zu finden, leider etwas nass ☹️.

Auf einmal tuckert etwas rechts von mir und ich sehe das erste ernstzunehmenden Wasserfahrzeug, das nicht für Passagiere gedacht ist. Endlich!

Ich bin nicht gut drauf, wahrscheinlich, weil ich gestern und vorgestern so weit gelaufen bin. Ich möchte heute aber unbedingt nach Straubing. Konrad wird mich dort besuchen, um den morgigen Tag gemeinsam mit mir zu verbringen.
Für mein Auge gibt es viel zu sehen und für die Füße viel zu laufen.
Und dann fährt, nachdem ich heute erst ein einziges Wasserfahrzeug gesehen habe, völlig selbstverständlich das erste Kreuzfahrtschiff an mir vorbei.
Als Straubing schon in der Ferne zu sehen ist, und selbst als ich über die wenig ansprechende Donaubrücke laufe: Heute fühle ich keine Vorfreude, sondern bin einfach nur ausgelaugt. Es hat wieder angefangen zu regnen, und nicht einmal dieser nette überdachte Rastplatz lädt mich zum Verweilen ein.

Ich stapfe wie ein Roboter ins Hotel, habe keine Lust mehr das Handy rauszuholen um zu fotografieren. Zu aufwändig beim Regen!
Ich lege mich ins Bett und schlafe. Es ist noch Zeit für die „große Wäsche“ und fürs Blogschreiben, dann kommt Konrad 😊.

Veröffentlicht unter Allgemein | Hinterlasse einen Kommentar