Ruhetag in Wiesbaden

Meine Route 66: vierzehnter Tag

Ich genieße den zweiten Ruhetag bei Gabi und mir geht es bestens hier. Den Vormittag verbringe ich ganz ungezwungen mit Quatschen und Schreiben. Wieder werde ich mit schmackhaftem Mittagessen verwöhnt.

Am Nachmittag gehen wir auf den Neroberg, dem Hausberg Wiesbadens.
 
Zunächst führt der Weg vorbei am russischen-orthodoxen Friedhof von 1856, wo zahlreiche Persönlichkeiten begraben sind, die in Wiesbaden verstarben, als die Stadt noch Weltkurstadt war. Dann kommen wir zur russisch-orthodoxen Kirche.
  
Sowohl das kleine Tempelchen, die Aussicht, die Löwenterrasse mit Blick auf den Weinberg, als auch die Nerobergbahn sind weitere Attraktionen zum Bewundern.
 

Wir werden nass als wir durch das Nerotal zurück laufen. Uns Frauen stört es eher wenig, nur die Hündin Änni findet das Wetter extrem blöd.

Ein gemütlicher Abend liegt noch vor uns, bevor ich wieder auf einen Tag zurückblicke, an dem ich mit vielen Eindrücken reich beschenkt wurde. Jetzt werden mir in Zukunft viele schöne Bilder in den Sinn kommen, wenn ich an Wiesbaden denke.

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Ruhetag in Wiesbaden

Meine Route 66: dreizehnter Tag

Ich fühle mich bei Gabi, ihrem Mann und dem Hund rundum wohl und werde erst nach neun Uhr wach. Nach dem Frühstück führt sie mich durch Wiesbaden. Ich hatte bisher keine genaue Vorstellungen von dieser Stadt, aber das ändert sich heute Morgen grundlegend.

Wir beginnen am Spital und gehen weiter zum Kochbrunnen, aus dem fast 70° heißes  schwefelhaltiges Wasser fließt, dem Wasser, das die Stadt einst zur mondänen Kurstadt machte. Diese zog zu bestimmten Zeiten Reiche aus aller Welt – häufig auch aus Russland – an, die sich wegen der heißen Quellen beispielsweise Heilung oder Linderung ihrer Lungenkrankheiten versprachen. Sie wohnten während ihres Aufenthalts in luxuriösen Hotels. Leider konnten nicht alle Gäste gesund wieder nach Hause fahren, sondern einige verstarben sogar in Wiesbaden.
Daneben bewundere ich den „Kochbrunnenspringer“, dem auch übelriechendes Wasser entspring. Kleine Wolken bilden sich dabei, die auf dem Foto nur ganz vage zu erkennen sind. Dann drehe ich mich auf dem Kochbrunnenplatz um und begegne zum ersten Mal persönlich einem Ampelmännchen. Diese Figur wurde anlässlich der 25-jährigen Deutschen Einheit aufgestellt.


 
Wir werfen einen Blick auf die Staatskanzlei, dem Sitz des hessischen Ministerpräsidenten, und dem Nobelhotel Nassauer Hof. Dann würdige ich noch Kaiser Friedrich III mit einem Foto.

Wir kommen zum Bowling Green, der Grünanlage vor dem Kurhaus, und Gabi erzählt mir traurig, dass dessen prachtvolle alte Platanen vor einigen Jahren dem Bau einer Tiefgarage zum Opfer gefallen sind. Auf dem Weg zum Kurhaus schauen wir kurz ins Hessische Staatstheater rein.
 
Im Kurhaus, einem der prunkvollsten Festbauten Deutschlands, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vermutlich wird Wanderbekleidung in der Spielbank nicht akzeptiert, und so verzichte ich auf das Vergnügen dort mein Geld zu verspielen. Die Fontäne im dahinter liegenden Kurpark ist heute leider nicht in Betrieb.
   
Auf dem Weg in Richtung Marktplatz erfahre ich etwas vom „Jesus von Wiesbaden“, einem Mann, der regelmäßig Litfaßsäulen mit Bibelsprüchen beschriftet.
Wir laufen zur evangelischen Marktkirche weiter und sehen den hessischen Landtag. Dann lichte ich noch das Rathaus, das Stadtschloss, den Marktbrunnen und das Standesamt ab.
Ich bin stark beeindruckt von der Stadt, und fühle mich fast sogar ein wenig erschlagen von den vielen Sehenswürdigkeiten, häufig im neoklassizistischen Stil. Doch nach dem Mittagessen, das Gabi wieder liebevoll kocht, und einem Mittagsschlaf ist völlige Entspannung von Leib und Seele im Thermalbad angesagt.

 
Am Abend bin ich angenehm tiefenentspannt und blicke auf einen beeindruckenden Tag zurück. Er zeichnete sich nicht nur dadurch aus, dass ich Einblick in eine Stadt bekommen habe, die ich vorher gerade einmal ein wenig von Fernsehkrimis kannte, sondern es war ganz besonders diese ungezwungene Vertrautheit mit der Schulfreundin aus längst vergangenen Tagen, die mir so große Freude bereitet hat. Danke Gabi!

 

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Nach Wiesbaden

Meine Route 66: zwölfter Tag

Bevor ich meine Wanderung fortsetze, möchte ich noch weitere Sehenswürdigkeiten von Mainz erkunden. Aber Sonntag Morgen ist aber kein so guter Zeitpunkt für Kirchen. In den Dom darf ich nur ganz kurz und die Chagall-Bilder in St. Stephan bleiben mir verwehrt, da Gottesdienst ist. Dann fotografiere ich halt nur Gutenberg, sein Museum und das Theater.
 

Die drei haben Schirme, ich muss wieder die Regenjacke rauskamen und Gustav verpacken. Natürlich nieselt es nicht lange, aber wir bleiben wetterfest.



Ein kurzer Teil der weiteren Wanderung  führt am linken Rheinufer entlang.
Dann laufe ich über die Brücke zur anderen Rheinseite.



 
Die Straße zieht sich wieder hin und ich kann „Industrie-Sightseeing“ durchführen mit Bauwerken in den unterschiedlichsten Abstufungen von Attraktivität. 
Das Gebäude von „Henkel Trocken“ wird mein persönlicher Favorit.

Und dann wird es noch reizvoller: der Biebricher Wasserturm.

In der Wiesbadener Innenstadt bewundere ich zunächst den Hauptbahnhof und komme dann aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich will aber weiter kommen und so kann ich nicht alles fotografieren, was mein Auge erfreut.


Warum die Wiesbadener Schwimmringe in die Bäume hängen, konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden.
Um kurz nach vier komme ich bei Gabi, einer Schulfreundin, und ihrem Mann pünktlich zur Kaffeezeit an. Am Abend genießen wir ein vorzügliches Sonntagsessen. Wir quatschen, quatschen und quatschen. Wie wunderbar, endlich hier in Wiesbaden zu sein! Ich habe mich lange darauf gefreut.

 

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Nach Mainz

Meine Route 66: elfter Tag

Das Alte Amtsgericht fesselt mich noch eine Weile, vom Frühstücksraum bis zum Trauzimmer im alten Gerichtssaal ist alles liebevoll eingerichtet. Das Herzblut der Betreiber ist im ganzen Haus spürbar. Auch wenn der Denkmalschutz wohl oft große Herausforderungen darstellt.

Als ich dann durch Oppenheim in Richtung Rhein laufe, zeigt sich mir das Städtchen noch einmal im besten Licht.
 
Ich bin schon fast am Ende des Ortes, da erinnere ich mich, dass ich Oppenheim mit dem Begriff „Krötenbrunnen“ verbinde und es fällt mir wie Schuppen von den Augen: ja, da steht doch der Brunnen mit den komischen Fröschen. Das muss diese Krötenbrunnen sein, und ich laufe noch einmal zurück zum Fotografieren.

Danach geht es eine Weile dem Rhein entlang, so wie es mir gefällt. Ich schaue der Fähre beim Ablegen zu und stelle fest, dass manche prachtvolle Bauwerke entlang der Straße schon bessere Zeiten gesehen habeb.

Und dann geht es erneut durch die Weinberge: ich sehe wieder eine Erntemaschine, aber endlich auch Menschen, die Trauben pflücken und damit Eimer befüllen. Hier liefert der Blick in einen Anhänger den Beweis.

Nach den Weinbergen laufe ich wieder direkt am Ufer, aber nicht lange. Und dann wird die Strecke ist eher langweilig.

Als ich endlich wieder am Rhein bin, sehe ich schon in der Ferne Mainz. Ich staune über den Brückenträger der Eisenbahnbrücke , der wie ein Rapunzelturm aussieht.
 
Da ist jemand auf meinem Rücken, der hätte sich gerne diesen Ortsteil angeschaut, aber wir gehen trotzdem direkt zum Hotel in der Altstadt.
Von da aus gibt es dann noch ein wenig Sightseeing: der dritte der drei Kaiserdome. Ich gewinne noch einen kurzen Eindruck von der Innenstadt. Als der Regen einsetzt bin ich gerade gemütlich beim Essen.
 
 
 
Im Hotelzimmer gehe ich ins Bett, aber da gibt es noch was zu sehen vor dem Einschlafen:


 

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Nach Oppenheim

Meine Route 66: zehnter Tag

Heute Morgen läuft alles entsprechend meiner Vorstellungen: Frühstück, Rücken und Wetter. Der Weg aus der Stadt heraus zieht sich langweilig dahin, wie immer, und ich fange schon wieder an mich für die Eyecatcher von Kreisverkehren zu interessieren. Immerhin nicht die einzigen Großvögel, denen ich bisher auf meiner Reise begegnet bin.
 
Dann lese ich in Herrnsheim das Schild „Schloss“. Mein Kopf sagt: „Kein Schritt mehr als die Routenplanung vorsieht!“, meine Füße laufen einfach zum Schloss und die ganze Barbara ist dann begeistert, was für ein beeindruckendes Bauwerk!
 
 
Dieser Turm erinnert mich an Rapunzel und der alte Franzose an die Zeit, als ich in der Kindheit mit meinen Eltern durch Frankreich fuhr, auf dem Weg nach Spanien.
Hier kreuzt sich an einer Stelle mein Weg mit einem Jakobsweg und ich denke ans Pilgern in Vergangenheit und Gegenwart.
Dann folgen meine Begegnungen mit dem Weinbau. Eigentlich stellte ich mir bisher die Traubenernte ganz naiv mit viel körperlichem Einsatz vor. Heute wird mir klar, dass auch in diesem landwirtschaftlichen Bereich moderne Maschinen im Einsatz sind. Viele alte Hilfsmittel sind als Dekoration ausgestellt.
 
 

In der unteren Mitte dieser Erntemaschine ist Platz in der Höhe und Breite eines Weinstocks. Sie fährt so einfach durch die Reihen über die Pflanzen hinweg und zupft die Trauben ab (nicht immer ganz sorgfältig).

 
Nach der Arbeit der Erntemaschinen sieht es dann so aus:

Vielleicht erhoffen sich Visionäre in Zukunft einfach nur die vollen Flasche unter den Reben ernten zu können? Bisher sind sie leer.

Gustav und ich brauchen dringend eine Pause, auch wenn das entsprechend attraktive Bänklein erst kurz danach auftauen wird.

 

 

 

 

Themenwechsel: ich komme an der Gedenkstätte des KZs Osthofen vorbei und meine Gedanken wandern betroffen zu den Opfern der Gräueltaten.
Dann wieder zurück in die Gegenwart: die Weindörfer (Mettenheim, Alsheim, Guntersblum) werden immer attraktiver, während die Zahl der erwanderten Kilometer langsam ansteigt.

Heute gibt es mal keinen Rhein, kein Waldbaden, dafür aber Weinberg-Hopping:
Nach langer Wanderung komme ich dann endlich in Oppenheim an, dem Tipp meiner Schulfreundin folgend. Zunächst bin ich hin und weg vom Alten Amtsgericht, dem Hotel, das mein lieber Mann für mich gefunden hat:
 

     
Sogar für Gustav gibts ein Bettchen:
 
Nach kurzer Pause breche ich zum Sightseeing und Abendessen auf.
 


Zufrieden dann am Ende des Tages noch ein Selfi vor dem  Hotelzimmer: wieder erfüllt von vielen Eindrücken ohne die Erinnerung an körperliche Beschwerden wie gestern, und das Handy zeigt 31 erwanderte Kilometer an. ?

 

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Nach Worms

Meine Route 66: neunter Tag

Es hätte ein wunderbarer Tag werden können, die Rahmenbedingungen waren vorzüglich. Die Sonne schien fast durchgehend, es herrschten wanderfreundliche Temperaturen  und doch schoben sich Rückenschmerzen in den Vordergrund. Ich hoffe, dass sich diese nicht zu einem dauerhaften Problem entwickeln werden, denn ich möchte morgen wie geplant weiter laufen.

Doch hier ganz von vorne, ein neuer Tag geht über Ludwigshafen auf:
 
Mir war immer klar, dass Ludwigshafen eine Industriestadt ist, die erst nach dem Krieg so entstanden ist. Umso mehr erstaunen mich Spuren aus der Zeit davor.
  
Ich stapfe am frühen Morgen so vor mich hin, geleitet von meinem Handy, und bemerke beim offene Löwenmaul erst wie sehr ich selbst Hunger habe. Ich laufe durch ein Stadtviertel, in dem es leichter ist einen Döner zum Frühstück zu bekommen, anstatt ein Bäckerei-Café zu finden. Ich fange gerade ernsthaft an, mir wegen meiner kulturellen Engstirnigkeit Gedanken zu machen, da gehen meine Erwartungen doch noch in Erfüllung. Gustav und legen die erste Pause für ein ordentliches Frühstück ein.
Ich wusste zwar, dass die BASF Ludwigshafen prägt, aber was genau das heißt, wird mir deutlicher, als ich einen Teil davon mit den Füßen erlaufe. Ich komme an unzähligen Toren vorbei, zig Kilometer weit, mit mehreren hunderten von Schildern. Der Konzern ist dominant und scheint den ganzen Raum zu bestimmen. Ich versuche bei aller Abwehr daran zu denken, wie froh ich selbst an vielen Stellen über unsere moderne Chemie bin. Aber diese Ausmaße?…

„We create Chemistry“ hört sich harmlos an und sieht fröhlich aus auf den Fähnchen. Dennoch bestimmt der Konzern das Erscheinungsbild einer ganzen Region.
Nur die Werksfeuerwehr befindet sich in einem Gebäude, das noch aus einer anderen Welt stammt.
Nach endlos erscheinendem BASF-Land kommt eine Autobrücke über den Rhein und mein Weg zieht sich danach am Fluss entlang.
 

 
Wieder kann ich jeden Kilometer  Lauffortschritt ablesen ohne auf das Handy zu blicken, aber die Zahlen gehen heute nur langsam nach oben.
Das ist kein Sandstrand, sondern die merkwürdige Hinterlassenschaft eines Betriebes, dessen Funktion ich anhand seiner Aktivitäten nicht herausfinden kann.
Das obligatorische Waldbaden fehlt auch heute nicht.
Die letzten drei Kilometer vor Worms sind eine körperliche Qual, aber alles ist nach einem Schläfchen im Hotelzimmer wieder vergessen. Sightseeing im Abendlicht, ein Vergnügen zum Fotografieren. Wieder begegnet mir ein gigantischer Dom, worauf ich ja schon in Speyer vorbereitet wurde: der zweite der drei Kaiserdome. Es gelingt mir nicht, den ganzen Dom in einem Foto einzufangen. Nur ein Modell kann einen Überblick über seine Ausmaße verschaffen.
 

Hier sind vor langer Zeit schon andere gewandert, beziehungsweise gepilgert. Die Jakobsmuschel ist ihr Zeichen.
Auf den ersten Blick denke ich, dass es außer dem Dom kaum alten Steine in Trier gibt, da diese Stadt im 2. Weltkrieg stark zerstört wurde. Doch beim genaueren Betrachten kann ich dann doch noch weitere Spuren der Geschichte entdecken.

Die alte Synagoge wurde 1938 zerstört, auf der Grundlage alter Überlieferungen wieder neu erbaut und 1961 eingeweiht.
Ein weiterer Tag geht zu Ende, der nicht nur von Anstrengung dominiert war, sondern auch von Sonne, Fluss und Kultur. Wieder bin ich einige Kilometer weiter gekommen und freue mich darüber meinem Ziel langsam näher zu kommen.

 

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Nach Ludwigshafen

Meine Route 66: achter Tag

Es fällt mir schwer, Speyer zu verlassen, denn es hat mir hier recht gut gefallen. Ich frühstücke im Bäckerei-Café nebenan, und ziehe dann um kurz vor neun Uhr  los. Erst verlaufe ich mich noch ein wenig (vermutlich, damit ich noch ein touristisches Abschiedsbild aufnehmen kann).

Die Straße zieht sich wieder endlos langweilig dahin und ich freue mich über jede Abwechslung.
 
Nach dem Ruhetag zwickt mich Gustav auf einmal an den Schultern, vermutlich spielt er sich auf, weil er keine Konkurrenz mehr von den Blasen zu befürchten hat. Ich ertrage es geduldig, zumal heute der perfekte Wandertag ist: strahlender Sonnenschein ohne Hitze. Zum ersten Mal packe ich meine Sonnenbrille raus.
Ich laufe unter der A 61 durch und erinnere mich, wie oft wir früher auf dieser Autobahn als Familie unterwegs waren, auf dem Weg zur fernen Verwandtschaft.
Die Ortschaften Waldsee und Neuhofen verbergen ihren Charme vor mir, aber ich finde ein nettes Plätzchen für meine Mittagspause.

Dann folgt auch heute wieder das bisher tägliche Waldbaden. Am Ende des Waldes tut sich sogar eine „Tankstelle“ auf.

 Gestärkt trotte ich die letzten Kilometer nach Ludwigshafen, wo ich um drei Uhr das Hotel erreiche. Nach einer gebührenden Pause breche ich zur Sightseeingtour nach Mannheim auf.
Die Autobahnbrücke im Hintergrund löst wieder die alten A 61-Erinnerungen aus.




Aus dieser Perspektive sieht mein Hotel eigentlich ganz ansehnlich aus, obwohl es schon bessere Zeiten hinter sich hat. Im Aufzug fürchte ich zunächst, dass ich in diese Zeiten zurück geführt werde, doch ich komme wohlbehalten im 10. Stock an, von dem aus ich weit runter schaue.

 

Am Ende des Tages falle ich wieder müde ins Bett und blicke auf einen weiteren erfüllten Tag zurück. Wieder bin ich ein Stück auf meinem Weg weiter gekommen, wieder durfte ich viele Eindrücke sammeln, von denen ich erzählen kann. „Es ist schön, dass wir gebabbelt haben, da fängt der Tag viel besser an!“, sagte mir ein Mann heute morgen beim Frühstück, nachdem er von meiner Reise gehört hatte.

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Ruhetag in Speyer

Meine Route 66: siebter Tag

Heute gönne ich mir einen Touristen-Tag in Speyer mit Erholung für meine Füße und das in einer der ältesten Städte Deutschland, wie passend! Im Mittelalter war diese Stadt eine der Bedeutsamsten im Heiligen Römischen Reich, dafür wirkt sie heute mit ihren gut 50000 Einwohnern eher unaufdringlich, wäre da nicht der massive, riesige romanische Dom.
 
 
 
 

 

 

 

 

 
Dann zieht es mich wieder zum Rhein hin, wo ich in einem Biergarten Schiffchen beobachte und Tagebuch schreibe.

 
 
Anschließend gibt es eine ausgedehnte Mittagspause mit intensiven Planungen für morgen. Ich freue mich schon aufs Weiterlaufen und nehme langsam Abschied von Speyer, bevor ich noch einmal lecker esse.
 
Auf  meiner Reise habe ich bisher nur vegetarisch gegessen und bin überrascht von der Vielfalt der Speisen, die ich bis jetzt genießen durfte.

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Nach Speyer

Meine Route 66: sechster Tag

  Ich nehme Abschied vom Löwen mit einem letzten Blick durch das offene Fenster und frühstücke in der Bäckerei, die auch zur Genossenschaft gehört.

Ich laufe ganz begeistert am Rhein entlang und würde am liebsten jeden Kahn fotografieren. Aber „hast du einen, hast du alle“, das gilt zumindest für den Gesamteindruck und so stecke ich das Handy einfach wieder weg. Ich bilde mir ein, dass ich so dem Rhein rechts entlang einfach nach Speyer laufe, denn irgendwann wird schon die entsprechende Brücke kommen. Aber weit gefehlt, ich lerne  stattdessen eine wichtige Lektion für meine Reise: „Folge nie nur deinem inneren Auge, sondern informiere dich gründlich bevor du losläufst!“ Dass mir der Altrhein den Weg abschneiden würde und ich ganz um die Rheinschanzinsel herumlaufen muss, wäre mir nicht im Traum eingefallen.
 
Hier wäre ich gerne drüber gelaufen, aber nichts geht. Ich bekomme aber so einen ungeplanten Eindruck von den Resten des stillgelegten AKWs Philippsburg, dessen Kühltürme vor zwei Jahren gesprengt wurden und somit heute nicht mehr die Landschaft verschandeln können. Und ganz in der Nähe herrscht Idylle.


Ich laufe geduldig Wege durch die Rheinauen, es geht aufwärts, die Blasen schmerzen nicht mehr. Wieder bekomme ich heute Gelegenheit zum Waldbaden.
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Irgendwann werde ich auf den Hochwasserschutzdamm des Altrheins geführt und laufe solange weiter, bis ich zurück an den Rhein gelange. Zwischendurch werden Handy, Gustav und ich mal wieder regenfest  gemacht, was sich als eine sehr gute Maßnahme erweist, zumindest für kurze Zeit.

Am Rhein ist es Zeit für eine Pause. Es gibt Maritas Müslikekse aus dem Freundeproviant und Wasser.
 
Zur Info: Freundinnen und Kolleginnen haben mich vor der Reise mit wichtigem Reiseproviant ausgestattet, von dem ich jetzt langsam profitiere.
Ich habe gelernt und laufe nicht direkt dem Rhein entlang weiter, sondern wähle den Rheindamm, den mir mein Online-Reiseführer vorschlägt. Ich habe ein Déja-vu-Erlebnis, denn wieder verdunkelt sich der Himmel und es regnet, ja hagelt sogar ein klein wenig.

Das Bild des Tages! Ich liebe es genauso wie den unmittelbaren Kontakt zu den Launen des Wetters.
Auch diesmal verhindert eine Cappuccino-Pause allzu lange Begegnung mit dem Regen, und es wäre perfekt gewesen, hätte ich im Bäckerei-Café von Altlußheim meine Wanderstöcke mitgenommen und damit eine mindestens zwei Kilometer lange unnötige Zusatzwanderung vermieden.
Doch ich komme trotzdem voran, langsam aber stetig, und endlich erreiche ich die lang ersehnte Rheinbrücke. Ich verlasse jetzt Baden Württemberg und bin zutiefst beeindruckt von den neuen Eindrücken.


Auch Speyer empfängt mich im besten Abendlicht, ich bin ergriffen.
 
 
Und ich treffe auf einen Wanderer, der noch bis nach Compostela möchte. Ich habe wenigstens nur meine Geburtsstadt als Ziel und bin für heute um halb sieben am Ende der Reise. Auf meine Regen-und Wanderausstattung ist er bestimmt neidisch.


 
Das Nachtleben beschränkt sich auf ein Essen im Maximilian und ich bin um kurz vor halb zehn im Hotelzimmer. Heute lese ich 24,4 Kilometer auf meinem Handy ab. Der Weg nach Speyer erwies sich dann doch nicht als so kurz wie gedacht, der sechste Tag war deshalb wieder prallvoll mit den verschiedensten Eindrücken bestückt.

 

 

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Nach Rheinsheim

Meine Route 66: fünfter Tag

Als ich heute morgen um elf Uhr aufbreche, wirkt der Tag eher eintönig. Das Straßendorf Büchenau zieht sich ohne viel Abwechslung in die Länge. Es ist kalt und windig. Doch schnell wandelt sich wieder alles, die Sonne kommt raus und mit dem alten Schulhaus zeigt sich der erste Eyecatcher. Im Nachbarort Neuthard hat die Zeit an verschiedenen Stellen ihre Spuren hinterlassen. Doch ich will ja keine Touristenwanderung haben, sondern ungeschminktes Leben sehen. Ich laufe heute viel auf Radwegen entlang der Straße und das ebene Rheintal wirkt nach dem Schwarzwald-Panorama eher eintönig. Ich fange an mich an den Blumen am Wegesrand zu erfreuen und bewundere den leuchtend schwarzen Käfer. „Ich fotografiere mir die Gegend schön.“ Diesen Verdacht  habe ich zunächst, aber mit der Zeit besteht die Umgebung nicht mehr nur aus einzelnen schönen Ausschnitten, sondern wandelt sich. Ich bin erstaunt, dass mich der Weg während der letzten Tage immer wieder durch den Wald führt. Ich laufe auf einem Single Trail für  Fahrradfahrer (Begriff habe ich neu gelernt).

  
 
Ein Modellbauer am Sieben-Erlen-See führt mir sein Schiffchen vor
und wir kommen ins Gespräch.

 
In dieser Gegend gibt es viele Baggerseen,
ich komme auch am Pfander See vorbei. Aber immer wieder ziehen sich die Landstraßen wie endlos dahin,
heute ist erneut eine bedeutsame dabei.
 Die Luft riecht nach Herbst wegen des faulenden Obstes unter den Bäumen.
Es ist Erntezeit und ich bekomme ein paar Äpfel geschenkt.
 
Immer  wieder finde ich auch in unattraktiven Umgebungen nette Eyecatcher.
 
Ich wusste bisher nicht, dass es eine ganze Gruppe von Leuten gibt,
die versuchen mit ihrem Auto für Frieden zu werben.
Als ich um halb fünf meinen Zielort Rheinsheim erreiche,
kann ich gleich auf einem Fest meinen Durst stillen.

 
Im Bürgerhaus Löwen fühle ich mich sofort wohl, aber nach einem kurzen Schläfchen zieht es mich wieder raus. Ich laufe insgesamt fast noch einmal 4 Kilometer, denn ich möchte den Rhein sehen. „Ohne Rucksack ist Laufen wie Fliegen.“
Ich hatte mich schon vor der Reise auf den Moment gefreut, an dem ich am Rhein ankomme, und bin stolz, dass ich es in nur fünf Tagen geschafft habe.
 
Beim Abendessen im Restaurant des Löwen bekomme ich ausführliche Auskunft über das interessante Konzept, das hinter der Genossenschaft der Betreiber steht. Es gelingt ihnen durch Hotel, Restaurant und Dorfladen wieder Leben in den Ort zu holen.
Ich komme aber nicht nur mit einem Vorstandsmitglied in Kontakt und erzähle von meiner Route 66, sondern auch mit einem Australier, der kein Deutsch versteht und ich somit endlich mal wieder Englisch sprechen darf.
 
Wieder geht ein Tag zu Ende, der sich ganz und und gar lebendig angefühlt hat. Diesmal stehen 24,5 Kilometer und über 35ooo Schritte auf dem Schrittzähler.

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