Nach Worms

Meine Route 66: neunter Tag

Es hätte ein wunderbarer Tag werden können, die Rahmenbedingungen waren vorzüglich. Die Sonne schien fast durchgehend, es herrschten wanderfreundliche Temperaturen  und doch schoben sich Rückenschmerzen in den Vordergrund. Ich hoffe, dass sich diese nicht zu einem dauerhaften Problem entwickeln werden, denn ich möchte morgen wie geplant weiter laufen.

Doch hier ganz von vorne, ein neuer Tag geht über Ludwigshafen auf:
 
Mir war immer klar, dass Ludwigshafen eine Industriestadt ist, die erst nach dem Krieg so entstanden ist. Umso mehr erstaunen mich Spuren aus der Zeit davor.
  
Ich stapfe am frühen Morgen so vor mich hin, geleitet von meinem Handy, und bemerke beim offene Löwenmaul erst wie sehr ich selbst Hunger habe. Ich laufe durch ein Stadtviertel, in dem es leichter ist einen Döner zum Frühstück zu bekommen, anstatt ein Bäckerei-Café zu finden. Ich fange gerade ernsthaft an, mir wegen meiner kulturellen Engstirnigkeit Gedanken zu machen, da gehen meine Erwartungen doch noch in Erfüllung. Gustav und legen die erste Pause für ein ordentliches Frühstück ein.
Ich wusste zwar, dass die BASF Ludwigshafen prägt, aber was genau das heißt, wird mir deutlicher, als ich einen Teil davon mit den Füßen erlaufe. Ich komme an unzähligen Toren vorbei, zig Kilometer weit, mit mehreren hunderten von Schildern. Der Konzern ist dominant und scheint den ganzen Raum zu bestimmen. Ich versuche bei aller Abwehr daran zu denken, wie froh ich selbst an vielen Stellen über unsere moderne Chemie bin. Aber diese Ausmaße?…

„We create Chemistry“ hört sich harmlos an und sieht fröhlich aus auf den Fähnchen. Dennoch bestimmt der Konzern das Erscheinungsbild einer ganzen Region.
Nur die Werksfeuerwehr befindet sich in einem Gebäude, das noch aus einer anderen Welt stammt.
Nach endlos erscheinendem BASF-Land kommt eine Autobrücke über den Rhein und mein Weg zieht sich danach am Fluss entlang.
 

 
Wieder kann ich jeden Kilometer  Lauffortschritt ablesen ohne auf das Handy zu blicken, aber die Zahlen gehen heute nur langsam nach oben.
Das ist kein Sandstrand, sondern die merkwürdige Hinterlassenschaft eines Betriebes, dessen Funktion ich anhand seiner Aktivitäten nicht herausfinden kann.
Das obligatorische Waldbaden fehlt auch heute nicht.
Die letzten drei Kilometer vor Worms sind eine körperliche Qual, aber alles ist nach einem Schläfchen im Hotelzimmer wieder vergessen. Sightseeing im Abendlicht, ein Vergnügen zum Fotografieren. Wieder begegnet mir ein gigantischer Dom, worauf ich ja schon in Speyer vorbereitet wurde: der zweite der drei Kaiserdome. Es gelingt mir nicht, den ganzen Dom in einem Foto einzufangen. Nur ein Modell kann einen Überblick über seine Ausmaße verschaffen.
 

Hier sind vor langer Zeit schon andere gewandert, beziehungsweise gepilgert. Die Jakobsmuschel ist ihr Zeichen.
Auf den ersten Blick denke ich, dass es außer dem Dom kaum alten Steine in Trier gibt, da diese Stadt im 2. Weltkrieg stark zerstört wurde. Doch beim genaueren Betrachten kann ich dann doch noch weitere Spuren der Geschichte entdecken.

Die alte Synagoge wurde 1938 zerstört, auf der Grundlage alter Überlieferungen wieder neu erbaut und 1961 eingeweiht.
Ein weiterer Tag geht zu Ende, der nicht nur von Anstrengung dominiert war, sondern auch von Sonne, Fluss und Kultur. Wieder bin ich einige Kilometer weiter gekommen und freue mich darüber meinem Ziel langsam näher zu kommen.

 

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Eine Antwort auf Nach Worms

  1. Sonja sagt:

    Ich wünsche dir, dass dein Rücken wieder Ruhe gibt!

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