Ruhetag in Wiesbaden

Meine Route 66: dreizehnter Tag

Ich fühle mich bei Gabi, ihrem Mann und dem Hund rundum wohl und werde erst nach neun Uhr wach. Nach dem Frühstück führt sie mich durch Wiesbaden. Ich hatte bisher keine genaue Vorstellungen von dieser Stadt, aber das ändert sich heute Morgen grundlegend.

Wir beginnen am Spital und gehen weiter zum Kochbrunnen, aus dem fast 70° heißes  schwefelhaltiges Wasser fließt, dem Wasser, das die Stadt einst zur mondänen Kurstadt machte. Diese zog zu bestimmten Zeiten Reiche aus aller Welt – häufig auch aus Russland – an, die sich wegen der heißen Quellen beispielsweise Heilung oder Linderung ihrer Lungenkrankheiten versprachen. Sie wohnten während ihres Aufenthalts in luxuriösen Hotels. Leider konnten nicht alle Gäste gesund wieder nach Hause fahren, sondern einige verstarben sogar in Wiesbaden.
Daneben bewundere ich den „Kochbrunnenspringer“, dem auch übelriechendes Wasser entspring. Kleine Wolken bilden sich dabei, die auf dem Foto nur ganz vage zu erkennen sind. Dann drehe ich mich auf dem Kochbrunnenplatz um und begegne zum ersten Mal persönlich einem Ampelmännchen. Diese Figur wurde anlässlich der 25-jährigen Deutschen Einheit aufgestellt.


 
Wir werfen einen Blick auf die Staatskanzlei, dem Sitz des hessischen Ministerpräsidenten, und dem Nobelhotel Nassauer Hof. Dann würdige ich noch Kaiser Friedrich III mit einem Foto.

Wir kommen zum Bowling Green, der Grünanlage vor dem Kurhaus, und Gabi erzählt mir traurig, dass dessen prachtvolle alte Platanen vor einigen Jahren dem Bau einer Tiefgarage zum Opfer gefallen sind. Auf dem Weg zum Kurhaus schauen wir kurz ins Hessische Staatstheater rein.
 
Im Kurhaus, einem der prunkvollsten Festbauten Deutschlands, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vermutlich wird Wanderbekleidung in der Spielbank nicht akzeptiert, und so verzichte ich auf das Vergnügen dort mein Geld zu verspielen. Die Fontäne im dahinter liegenden Kurpark ist heute leider nicht in Betrieb.
   
Auf dem Weg in Richtung Marktplatz erfahre ich etwas vom „Jesus von Wiesbaden“, einem Mann, der regelmäßig Litfaßsäulen mit Bibelsprüchen beschriftet.
Wir laufen zur evangelischen Marktkirche weiter und sehen den hessischen Landtag. Dann lichte ich noch das Rathaus, das Stadtschloss, den Marktbrunnen und das Standesamt ab.
Ich bin stark beeindruckt von der Stadt, und fühle mich fast sogar ein wenig erschlagen von den vielen Sehenswürdigkeiten, häufig im neoklassizistischen Stil. Doch nach dem Mittagessen, das Gabi wieder liebevoll kocht, und einem Mittagsschlaf ist völlige Entspannung von Leib und Seele im Thermalbad angesagt.

 
Am Abend bin ich angenehm tiefenentspannt und blicke auf einen beeindruckenden Tag zurück. Er zeichnete sich nicht nur dadurch aus, dass ich Einblick in eine Stadt bekommen habe, die ich vorher gerade einmal ein wenig von Fernsehkrimis kannte, sondern es war ganz besonders diese ungezwungene Vertrautheit mit der Schulfreundin aus längst vergangenen Tagen, die mir so große Freude bereitet hat. Danke Gabi!

 

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