Nach Speyer

Meine Route 66: sechster Tag

  Ich nehme Abschied vom Löwen mit einem letzten Blick durch das offene Fenster und frühstücke in der Bäckerei, die auch zur Genossenschaft gehört.

Ich laufe ganz begeistert am Rhein entlang und würde am liebsten jeden Kahn fotografieren. Aber „hast du einen, hast du alle“, das gilt zumindest für den Gesamteindruck und so stecke ich das Handy einfach wieder weg. Ich bilde mir ein, dass ich so dem Rhein rechts entlang einfach nach Speyer laufe, denn irgendwann wird schon die entsprechende Brücke kommen. Aber weit gefehlt, ich lerne  stattdessen eine wichtige Lektion für meine Reise: „Folge nie nur deinem inneren Auge, sondern informiere dich gründlich bevor du losläufst!“ Dass mir der Altrhein den Weg abschneiden würde und ich ganz um die Rheinschanzinsel herumlaufen muss, wäre mir nicht im Traum eingefallen.
 
Hier wäre ich gerne drüber gelaufen, aber nichts geht. Ich bekomme aber so einen ungeplanten Eindruck von den Resten des stillgelegten AKWs Philippsburg, dessen Kühltürme vor zwei Jahren gesprengt wurden und somit heute nicht mehr die Landschaft verschandeln können. Und ganz in der Nähe herrscht Idylle.


Ich laufe geduldig Wege durch die Rheinauen, es geht aufwärts, die Blasen schmerzen nicht mehr. Wieder bekomme ich heute Gelegenheit zum Waldbaden.
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Irgendwann werde ich auf den Hochwasserschutzdamm des Altrheins geführt und laufe solange weiter, bis ich zurück an den Rhein gelange. Zwischendurch werden Handy, Gustav und ich mal wieder regenfest  gemacht, was sich als eine sehr gute Maßnahme erweist, zumindest für kurze Zeit.

Am Rhein ist es Zeit für eine Pause. Es gibt Maritas Müslikekse aus dem Freundeproviant und Wasser.
 
Zur Info: Freundinnen und Kolleginnen haben mich vor der Reise mit wichtigem Reiseproviant ausgestattet, von dem ich jetzt langsam profitiere.
Ich habe gelernt und laufe nicht direkt dem Rhein entlang weiter, sondern wähle den Rheindamm, den mir mein Online-Reiseführer vorschlägt. Ich habe ein Déja-vu-Erlebnis, denn wieder verdunkelt sich der Himmel und es regnet, ja hagelt sogar ein klein wenig.

Das Bild des Tages! Ich liebe es genauso wie den unmittelbaren Kontakt zu den Launen des Wetters.
Auch diesmal verhindert eine Cappuccino-Pause allzu lange Begegnung mit dem Regen, und es wäre perfekt gewesen, hätte ich im Bäckerei-Café von Altlußheim meine Wanderstöcke mitgenommen und damit eine mindestens zwei Kilometer lange unnötige Zusatzwanderung vermieden.
Doch ich komme trotzdem voran, langsam aber stetig, und endlich erreiche ich die lang ersehnte Rheinbrücke. Ich verlasse jetzt Baden Württemberg und bin zutiefst beeindruckt von den neuen Eindrücken.


Auch Speyer empfängt mich im besten Abendlicht, ich bin ergriffen.
 
 
Und ich treffe auf einen Wanderer, der noch bis nach Compostela möchte. Ich habe wenigstens nur meine Geburtsstadt als Ziel und bin für heute um halb sieben am Ende der Reise. Auf meine Regen-und Wanderausstattung ist er bestimmt neidisch.


 
Das Nachtleben beschränkt sich auf ein Essen im Maximilian und ich bin um kurz vor halb zehn im Hotelzimmer. Heute lese ich 24,4 Kilometer auf meinem Handy ab. Der Weg nach Speyer erwies sich dann doch nicht als so kurz wie gedacht, der sechste Tag war deshalb wieder prallvoll mit den verschiedensten Eindrücken bestückt.

 

 

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Eine Antwort auf Nach Speyer

  1. Anonym sagt:

    Liebe Barbara, ich staune täglich über deine wanderleistung!! Und das Bild des Tages ist Poster-verdächtig genial. Jetzt immer den Rhein entlang, dann kannst du Wiesbaden nicht verfehlen. Mein Tipp wäre noch Oppenheim mit der Katharinen Kirche und Burgruine. Habe dort 3 Jahre gelebt ( und geheiratet). LG Gabi

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