Meine Route 66: fünfter Tag
Als ich heute morgen um elf Uhr aufbreche, wirkt der Tag eher eintönig. Das Straßendorf Büchenau zieht sich ohne viel Abwechslung in die Länge. Es ist kalt und windig. Doch schnell wandelt sich wieder alles, die Sonne kommt raus und mit dem alten Schulhaus zeigt sich der erste Eyecatcher. Im Nachbarort Neuthard hat die Zeit an verschiedenen Stellen ihre Spuren hinterlassen. Doch ich will ja keine Touristenwanderung haben, sondern ungeschminktes Leben sehen.

Ich laufe heute viel auf Radwegen entlang der Straße und das ebene Rheintal wirkt nach dem Schwarzwald-Panorama eher eintönig. Ich fange an mich an den Blumen am Wegesrand zu erfreuen und bewundere den leuchtend schwarzen Käfer. „Ich fotografiere mir die Gegend schön.“ Diesen Verdacht habe ich zunächst, aber mit der Zeit besteht die Umgebung nicht mehr nur aus einzelnen schönen Ausschnitten, sondern wandelt sich. Ich bin erstaunt, dass mich der Weg während der letzten Tage immer wieder durch den Wald führt. Ich laufe auf einem Single Trail für Fahrradfahrer (Begriff habe ich neu gelernt).

Ein Modellbauer am Sieben-Erlen-See führt mir sein Schiffchen vor
und wir kommen ins Gespräch.

In dieser Gegend gibt es viele Baggerseen,
ich komme auch am Pfander See vorbei. 
Aber immer wieder ziehen sich die Landstraßen wie endlos dahin,
heute ist erneut eine bedeutsame dabei.
Die Luft riecht nach Herbst wegen des faulenden Obstes unter den Bäumen.
Es ist Erntezeit und ich bekomme ein paar Äpfel geschenkt.

Immer wieder finde ich auch in unattraktiven Umgebungen nette Eyecatcher.

Ich wusste bisher nicht, dass es eine ganze Gruppe von Leuten gibt,
die versuchen mit ihrem Auto für Frieden zu werben.
Als ich um halb fünf meinen Zielort Rheinsheim erreiche,
kann ich gleich auf einem Fest meinen Durst stillen.

Im Bürgerhaus Löwen fühle ich mich sofort wohl, aber nach einem kurzen Schläfchen zieht es mich wieder raus. Ich laufe insgesamt fast noch einmal 4 Kilometer, denn ich möchte den Rhein sehen. „Ohne Rucksack ist Laufen wie Fliegen.“
Ich hatte mich schon vor der Reise auf den Moment gefreut, an dem ich am Rhein ankomme, und bin stolz, dass ich es in nur fünf Tagen geschafft habe.

Beim Abendessen im Restaurant des Löwen bekomme ich ausführliche Auskunft über das interessante Konzept, das hinter der Genossenschaft der Betreiber steht. Es gelingt ihnen durch Hotel, Restaurant und Dorfladen wieder Leben in den Ort zu holen.
Ich komme aber nicht nur mit einem Vorstandsmitglied in Kontakt und erzähle von meiner Route 66, sondern auch mit einem Australier, der kein Deutsch versteht und ich somit endlich mal wieder Englisch sprechen darf.

Wieder geht ein Tag zu Ende, der sich ganz und und gar lebendig angefühlt hat. Diesmal stehen 24,5 Kilometer und über 35ooo Schritte auf dem Schrittzähler.