Tour 70 Ausklang

Nach Boppard

Ursprünglich dachte ich nach der Lahntour vielleicht noch einmal entlang des Rheins zu laufen, wie vor vier Jahren. Andere Richtung, andere Seite… Mir scheint jedoch, dass diese Vorstellung naiv war. Weder Wege noch Übernachtungsmöglichkeiten laden dazu ein. Dann halt noch eine Etappe meiner Route 66. Auf gleichen Wegen, nur rückwärts. Wie mag sich das anfühlen? Damals regnete es, heute wird es heiß. Konrad bucht mir treu wieder ein Hotel.

Erst mal frühstücken in unerwartet angenehmer Kelleratmosphäre.

Das Motiv des Bildes an der Wand  kommt mir doch bekannt vor: Lahnzoll!

Insgesamt ist es schon ein Prachtstück, mein Boutique-Hotel (war auch kein Schnäppchen)!

Ich werde heute noch einmal wandern und dann reicht es vermutlich. Strahlend blauer Himmel und traumhafte Wandertemperaturen sind vorbei. Von Boppard komme ich gut mit dem Zug nach Hause. Ich suche gerade Verbindungen raus, da meldet sich Martina, meine Nachbarin. Kurz darauf ruft sie mich an und verkündet, dass ich eine Mitfahrgelegenheit ab Boppard habe. Wie genial ist das denn!!! Wie lieb und was für ein Zufall!!! Ich beschließe, dass dies nun ein Zeichen ist, dass ich wirklich wieder nach Hause soll.

Ich komme noch einmal an der  Lahnmündung vorbei. Mittlerweile weiß ich, dass die erste Abzweigung in eine Art Becken mündet und die von mir bewunderte Lahnmündung wirklich die vollständige Lahn „enthält“. Der ganze Fluss vermischt sich vor meinen Augen mit dem Rhein. Nun endgültig Tschüss!!!

Ich freue mich, als ich den ersten Lastkahn sehe. Es werden viel weniger sein als vor vier Jahren und Kreuzfahrtschiffe wird es überhaupt nicht geben: Niedrigwasser!

Ich laufe erst Richtung Koblenz, um dort den Rhein überqueren zu können. Noch einmal ein Lost Place. Ist der Kran noch aktiv? Er sieht vergleichsweise fit aus.

Jetzt geht es über den Rhein und der Weg beginnt, den ich vor vier Jahren in die andere Richtung gelaufen bin.

Ich genehmige mir eine frühe Mittagspause mit Blick auf die Lahnmündung.
Die Emotionen der diesjährigen Wanderung unterscheiden sich erheblich von denen meiner Route 66. Aber das dürfen sie ja auch. Ich habe seither vier Jahre mehr Rentnerinnen-, Wander- und Lebenserfahrung auf dem Buckel.

Da ich in meinem Buch die damaligen Eindrücke festgehalten habe, gibt es viele detaillierte Erinnerungen: der Pfad auf dem mir eine Wasserkur von oben bis unten verpasst wurde, der Ort Rhens (den ich immer noch nicht besichtigt habe), der Gasthof, in dem am Sonntag zur Mittagszeit trocknen durfte – und natürlich auch die Kühe, die damals scheinbar vom Regen angewidert waren.

Es ist nicht mehr der Rhein wie vor vier Jahren. Die geringe Wassertiefe hat seinen Charakter verändert. „Der Rhein sieht auch aus wie die Lahn!“ verkündet mir ein Neunzigjähriger, nachdem er sich für meine Wanderung interessiert hat. Ja und nein antwortete ich innerlich. Die Lahn hat keine so breite Ufer. Erschreckend!

Ich kann mir gerade keine Regenwanderung mehr vorstellen. Heute bin ich zwar auch nass, aber vom Schweiß. Die Sonne heizt am Nachmittag erbarmungslos aus dem leicht trüben Himmel runter. Ich freue mich, als sie endlich hinter den Bergen verschwindet. Morgen soll es ähnlich werden. Diese Tatsache lenkt vom Abschiedsschmerz ab.

Hurra, ich bin bald am Ziel. Die Füße tun weh wie noch nie. Die letzen Stunden waren definitiv die anstrengendsten der ganzen Wanderung.

Im Hotel beende mit diesem Foto offiziell meine diesjährige Flusswanderung.

Das hindert mich aber nicht am Sightseeing. „Die Mauern und Türme eines römischen Kastell prägen Boppards Ortskern. Sie gelten als die am besten erhaltenen spätrömischen Festungsmauern Deutschlands…“ informiert eine Tafel. Das ist mir beim letzten Mal entgangen.

Die Kirche war schon weit aus der Ferne erkennbar.

“Natürlich“ ist wieder Weinfest…“

„Natürlich“ will ich wieder lieber beim Italiener einkehren, am liebsten bei dem vom letzten Mal. Die Räume sind leer. Es ist Montag. Dann sehe ich es: Alle sitzen draußen. Ja es ist wirklich noch warm genug für ein Abendessen im Freien am Rhein.

Gute Nacht, Boppard, feier noch schön! Mich zieht es ins Hotel. Ich stelle gerne Bilder und Fakten des heutigen Tages zusammen, bin aber zu müde für eine Auswertung der Tour 70. Die wird morgen oder demnächst erfolgen.

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