Tour 70 Tag 5

Viel Wasser…

Genauso habe ich es mir vorgestellt: viel Wasser, Eyecatcher und Sightseeing!

Heute muss der Lollarer Schmaadlecker nicht frieren. Das Wetter ist wieder perfekt zum Wandern. Hoffentlich wird es dem Kerlchen auf dem Brunnen im Laufe des Tages nicht zu warm ???

Guten Morgen, Lahn!

Die Wege sind heute so ganz nach meinem Geschmack.

Auf einmal biege ich nach links und schaue ohne Vorwarnung auf die Ruine Badenburg. Diese wurde 1356 erstmals als Herrensitz erwähnt, dessen Zerstörung im Wesentlichen auf Misswirtschaft zurückzuführen ist. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Ruine beliebtes Ausflugsziel. Hier trafen sich 1834 politische Oppositionelle und riefen zum Widerstand gegen Fürstenwillkür und soziale Ungerechtigkeit auf. Leider wurde sie verraten.

Die Burg wurde im 18. und 19. Jahrhundert zeitweise als Schmiede genutzt, was den historischen Bezug zu den alten Eisenobjekten erklärt, die hier zu finden sind.

Ich sehe das erste Wasserfahrzeug, die Lahnlust. Sie ist ein Eventboot und gehört dem Marineverein Gießen.

Eine Touristin, die von Marburg kommt, darf die beiden Städte nicht vergleichen, denn Gießen wurde im Krieg ziemlich zerstört. Nach dieser Vorwarnung freue ich mich heute am Samstag (Markttag) um so mehr über das bunte Leben und die historischen Kulissen.

Die Unis Marburg und Gießen arbeiten extrem eng und intensiv zusammen.
Die Hermann-Hoffmann-Akademie wird von Dinos bewacht.

Die Gießener Schlammbeiser waren Arbeiter, die vor dem Bau der Kanalisation Abfall- und Fäkalieneimer aus den engen Häuserschluchten holten.


Im Jugendstil-Industriedenkmal „Alter Schlachthof“ gibt es heute Wohnraum, Unternehmen und Gastronomie. Diese Umnutzung wurde mit Denkmalschutzpreisen ausgezeichnet.

Der zweite Teil meines Weges führt mich an einigen Baggerseen vorbei, die zum Teil verschiedene Freizeitaktivitäten ermöglichen, aber in anderen Bereichen auch dem Naturschutz dienen.

Mein ❤️ gehört natürlich der Lahn. Ihr Charakter hat sich schon wieder völlig verändert.
Tschüss, Fluss!!! Ich übernachte heute in Dutenhofen im Gastof Adler, wo ich vorzüglich speisen werde.

 

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Tour 70 Tag 4

Es läuft…

Die Siebzig des Tages – mehr zeigt sich heute nicht…

Frühstück:

Eigentlich sollte ich verärgert sein! Nichts Besonderes – viel Plastik… Aber das alles wurde mit Liebe und Freundlichkeit präsentiert, hier im Hause des Professor Müller, dem dies alles das Ende des 19. Jahrhunderts gehörte. Schon vor meiner Geburt wurde aus dem Anwesen ein Hotel. So kommt es, dass ich den Eindruck habe, in einer anderen Zeit zu schweben (in der es noch keine Plastikverpackungen gab). Ich werde gefragt, ob ich auch Wurst, Schnittkäse oder Ei möchte und gebeten mit ein Proviantpaket zu packen. Wie soll ich da böse sein!

Sightseeing by the way:

Es sieht so aus, als ob es (wie in Tübingen) auch in Marburg eine Oberstadt für die Professoren und andere Reiche gegeben hat und eine Unterstadt für die Handwerker, beispielsweise Gerber.

Langsam entferne ich mich von der Stadt. Ich laufe parallel zur Lahn. Der Krach der großen Straße, die sich hinter der „Lärmschutzwand“ verbirgt, ist mir ziemlich egal.

„Ich bin wieder auf dem Damm!“ Nicht nur im übertragenen Sinn, sondern ich laufe jetzt auch auf dem ersten Hochwasserschutzdamm meiner diesjährigen Wanderung.

Ich laufe, meine Beine laufen, es läuft… Ich beobachte, wie ich mich selbst immer mehr vergesse und gelegentlich in einen fast meditativen Zustand falle. Ich schaue immer weniger unnötig aufs Handy um die verbleibenden Kilometer zu ermitteln. Geduld und Gelassenheit wachsen Kilometer um Kilometer. Und dann…

Ohje, nicht schon wieder! Sollte ich den Hinweis ignorieren? Nein, denn ich bin noch nicht so verzweifelt wie vor zwei Jahren. Doch nach einer Weile, als auf einer Kreisstraße zu viele Autos an mir vorbei gerauscht sind, will ich wieder auf den Radweg. Ich sehe ihn rechts neben mir, ich sehe ihn auf Komoot, aber ich sehe keine Möglichkeit dorthin zu gelangen.
Sind Leitplanken und Abhänge wirklich unüberwindbar? Nein, nicht für mich in diesem Moment. Ich hieve meine Beine wie ein junger Mensch über die Barrieren und finde an der geduldigen kleinen Birke Halt für die Überwindung des Hangs.
Hinterher stellt sich heraus, dass nur eine Brückensperrung das Problem war, das vor Ort problemlos lösbar war. Ärgern? Nein heute nicht so sehr… Aber beim nächsten mal vielleicht mehr riskieren?

Beim archäologischen Freilichtmuseum Zeiteninsel lege ich meine erste Pause ein. Immerhin habe ich schon fast die Hälfte des heutigen Weges geschafft. Den Zaun vor meiner Nase sehe ich mit der Zeit überhaupt nicht mehr, sondern nur die Schwäne und die prähistorischen Nachbauten.

Wechselnde Wege, Sonne und Wolken – was will ich mehr an diesem perfekten Wandertag!

Und mit dem Fluss fühle ich mich mehr und mehr verbunden.

Dann erwartet mich ein Lost Place: Haus Immenheim. Was mag in den beiden Räumen wohl früher los gewesen sein?

Heute bin ich fröhlich, als ich durch die Ortschaften laufe.

Eine harmlose Schlingnatter (laut Google Lens) liegt regungslos auf meinem Weg.

Was reimt sich auf Dollar?

Eigentlich sollte ich ja nicht über Ortsnamen scherzen, aber so kann ich mir mein heutiges Ziel zumindest gut merken.

Kurz vor meiner Ankunft fühle ich mich am Kirchberg (Ortsteil von Lollar) in eine andere Zeit verzaubert.

Ich schlendere dann weiter zu meinem Hotel, werde herzlich italienisch empfangen und danach auch von der Verwandtschaft gut bewirtet.

Beim Sightseeing im Ort stelle ich fest, dass ich eigentlich nichts Interessantes suche. Auch hier findet mich wieder das Thema „Hütte“: Die Gründung der Main Weser Hütte war wahrscheinlich 1854. Danach folgte ein weltweiter Erfolg für einige der  Produkte. Die Hochöfengruppe wurde 1907 stillgelegt. Es bleibt Lollar der Gichtturm als Erinnerung und lokales Wahrzeichen.


Es läuft: Seit heute spüre ich wieder meine Wanderbegeisterung – und jetzt ganz ohne große Erwartungen! Der Muskelkater ist weniger geworden, beim Laufen denke ich manchmal überhaupt nicht mehr daran. Ich war heute weniger verkopft und mehr mit meinen Wegen verschmolzen, so wie ich es mir ursprünglich gewünscht hatte.

 

 

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Tour 70 Tag 3

Mein ❤️ hüpft…


Wer von Euch war das? – Das kann doch kein Zufall sein…

Ich traue meinen Augen nicht, als ich kurz nach Beginn meiner Tagesetappe mitten auf dem Weg diese blasse Schrift entziffere – verziert mit Smiley, Schmetterling und vierblättrigem Kleeblatt. Ich würde mich nicht wundern, wenn jetzt jemand lachend aus dem Gebüsch hüpfen würde…
Das passiert zwar nicht, aber mein Gutelaunepegel schießt in die Höhe.


Ich sehe die ersten Sonnenblumen im Sonnenschein leuchten – und das, nachdem ich beim Blick auf die Wetterapp die null Stunden Sonne für heute akzeptiert hatte, da es ja auch null Stunden Regen geben sollte.


Ich lerne: Beweidungssysteme mit ganzjähriger Freilandhaltung robuster Tierrassen lassen Gebiete entstehen, die sehr struktur- und artenreich sind.


Die Lahn sieht heute viel abwechslungsreicher aus als gestern. Endlich laufe ich an einem Uferweg, der so ganz nach meinem Geschmack ist (zumindest zeitweise). Heute Morgen habe ich mir von Komoot einen halbwegs akzeptablen Weg ertrotzt.

Das Örtchen Sarnau bietet einen erfreulichen Kontrast zu den Ortschaften, durch die ich gestern kam. Die vielen Fachwerkhäuser stehen aber einfach nur da, inmitten von Baustellen und Zeugen des Verfalls. Touristische Puppenstube: Fehlanzeige!


Nun wird eine Lahnschleife abgekürzt. Es geht bergauf. Okay Komoot, ich war bei der Planung damit einverstanden. Immerhin ist dann eine schöne Aussicht zu erwarten.

Mein Humor kehrt zurück und findet auf einmal Futter: Von allen Seiten werde ich beglotzt und belächelt.

Ich bin so gut drauf, dass ich noch einen Umweg zur Burg Weißenstein in Kauf nehme. Gute Entscheidung! Dort finde ich eine hervorragende Aussicht auf die Lahn und meine erste Begegnung des Tages. Ich „schnacke“ mit zwei Damen (Mutter und Tochter) aus Cuxhaven.

Als ich sehe, dass die Wehrdaer Straße entlang der Lahn nach Marburg einen Fußgängerweg aufzuweisen hat, der bis nach Magdeburg führt, gebe ich meine Kooperation mit Komoot auf. Null weitere Höhenmeter und fast zwei Kilometer weniger Entfernung… So geht’s doch auch! Wanderwege sind super, aber müssen für mich nicht durchgehend sein!

Während ich die Lahn aus dem Blick hatte, ist sie ziemlich angewachsen.

In Marburg lockt mich nach dem Einchecken das Sightseeing.

Auf dem Schloss treffen ich die beiden Damen von der Burg wieder und unterhalte mich mit einer Düsseldorferin aus Tübingen.

Am Ende der Tour zieht es mich runter zur Lahn. Ich esse im Gasthaus zur Lahnterrasse genüsslich zu Abend.

Mein Hotel Haus Müller bietet einen großen Kontrast zum Hotel von gestern. Hier überwiegt keine durchdachte Zweckmäßigkeit, sondern  großzügige, liebevolle Nostalgie.

What a day! Die Erfahrungen von heute hatten so ziemlich gar nichts gemeinsam mit denen von gestern. Wie schön, dass sich das alles so schnell wandeln konnte. Mal sehen, wie es morgen wird: da fordert Komoot wieder mindestens 23 Kilometer von mir. Kein Vergleich zu den 14 von heute…

 

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Tour 70 Tag 2

Einfach nur voran kommen…

Endlich wieder eine 70! Die Bahn kann nur 70,0 oder 70,5. Wie nett, dass sie diese Ungenauigkeit mit dem Hinweis auf meinen Geburtstagsmonat ausgleicht…

Noch kein Wander-Flow

Und jetzt zum Thema: Heute war nicht allzu viel geboten auf meiner Tour und der Wander-Flow lässt noch auf sich warten:

  • Kein Sightseeing
  • Keine Eyecatcher
  • Keine umwerfende Natur
  • Keine Dörfer oder Städtchen, die ich jemals wiedersehen möchte
  • Keine historischen Bauten oder Denkmäler (außer vier Stolpersteinen)
  • Keine großen Emotionen (was ja auch auf der fünften Langstreckenwanderung nicht erwartet werden darf – das Loslaufen und Ankommen, das Blogschreiben: Routine!)
  • Keine Begegnungen
    (Ich möchte das nicht mehr in Zusammenhang mit Bundesländern bringen. Gestern überschritt ich zwischen Bad Laasphe und Wallau unbemerkt die Grenze zu Hessen. Doch die Kontaktmöglichkeiten haben wahrscheinlich eher etwas mit dem Charakter des jeweiligen Weges zu tun. Heute fühlte sich das Setting manchmal ganz ähnlich an wie im letzten Jahr bei meiner Wanderung zum Donauursprung.)
  • Kein unbeschwertes, erfülltes Vorankommen
    (Muskeln und Knochen taten weh. Ich dachte ständig an die noch verbliebenen Kilometer.)
  • Keine reibungslose Navigation
    Komoot weigert sich weiterhin, mich „nur“ durch das Lahntal laufen zu lassen. (Vielleicht wollte es mir einfach Langeweile ersparen?) Leider wurde ich trotz energischen Stecknadelsetzens auf Routen verwiesen, die mir zu weit waren und erstaunliche Höhenkilometer erforderten. Das ging solange, bis ich zu Apple Maps wechselte. Aber die Apfelmappen sind nur zweite Wahl. Sie zeichnen nicht auf, geben weniger Informationen und scheuen sich nicht davor, mich auch mal auf eine Bundesstraße ohne Radweg zu schicken.

Einmal sollte ich sogar über diese Brücke gehen, aber dazu fühlte ich mich nicht verzweifelt genug. Immerhin war gerade eine Kurhessenbahn an mir vorbeigerauscht.
Ein weiteres Mal entdeckte ich den vorgeschlagenen Weg nur mit detektivischem Spürsinn (indem ich einer älteren Dame, die mit Einkaufstaschen beladen war, nachspionierte). Der schmale Pfad sah zunächst aus wie eine ganz normale Hofeinfahrt.
Ich lief Umwege, die mir ein paar zusätzliche Kilometer abverlangen.

Aber trotzdem…

Immer wieder erfreute mich der Fluss❤️

Der Regen, der in der Wetterapp angekündigt worden war, beschränkte sich auf ein paar wenige Tropfen. Heute Morgen hatte er sich schon verzogen, als ich loslief.

Ich fand immer ein Pausenbänkchen, wenn mir das Wandern schwer fiel oder das Handy geladen werden musste.

Ich informierte mich am Abend bei Wikipedia über den hessischen Eisenbergbau. Beispielsweise Ludwigshütte: ist eine Ansiedlung bei dem ehemals bedeutenden Hochofenstandort (bis 1886) und späterem Hüttenwerk (Eisengießerei) – oder Carlshütte: entstand im Zuge der Industrialisierung der Lahnniederung. Sie wurde 1844 als letzte Eisenhütte im oberen Lahntal errichtet. Als die Verhüttung des Eisenerzes immer unrentabler wurde, wandelte sich die „Hütte“ zur Gusswarenfabrik. Vor der Wirtschaftskrise von 1929 arbeiteten ungefähr 440 Menschen dort. Gegen Ende der 1950 Jahre ging sie in Konkurs und der Betrieb wurde 1985 ganz eingestellt.

Bei Biedenkopf sah ich Kamele.

Und dann, ganz ohne Regen:

Ich erreichte letztlich mein Ziel, auch wenn ich wenig motiviert gewesen war.
Eigentlich hatte ich mir bei dem Namen eine romantischere Location vorgestellt. Aber egal… Das Restaurant strahlt zwar den Charme eines Vereinsheims aus, aber die Ofenkartoffel schmeckte hervorragend mit ihrem Sauerrahm. Und das Hotelzimmer erfüllt alle meine Kriterien an eine rundum zufriedenstellende Unterbringung für eine Nacht.

Meine schmerzenden Füße blieben bis jetzt ohne Blasen!

Ich will noch weiterlaufen. Morgen wird es hoffentlich nicht allzu weit werden (10 Kilometer?), und ich freue mich schon aufs Sightseeing in Marburg.

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Tour 70 Tag 1

Wo ist die Lahn?

Bevor ich mich der „wichtigen“ Ausgangsfrage widme, schnell noch die Beantwortung einer anderen Frage, die mich auf WhatsApp erreichte: „Warum glaubst du, in BW keine Kontakte knüpfen zu können?“
Antwort: Im Rückblick fiel mir auf, dass ich bei meinen Fernwanderungen die nettesten Kontakte jenseits von BW hatte, wie in Bayern, Österreich oder Rheinland bzw. NRW. Kann reiner Zufall sein, kann auch an mir liegen, dass ich „Zuhause“ nicht aufgeschlossen genug wirke. Ich will wirklich nichts verallgemeinern. Auffällig fand ich es allerdings, dass ich im vergangenen Jahr – als ich von Ulm zum Donauursprung wanderte – überhaupt keine nennenswerten Begegnungen hatte. Heute beispielsweise wurde ich beim Frühstück begrüßt mit: „Hallo Barbara, setzt dich doch zu uns!“ (Das blieb allerdings die einzige Begegnung dieses Tages.)

Doch was ist nun mit der Lahn?

Als ich meine Übernachtung im Forsthaus Lahnquelle buchte, dachte ich in meiner Naivität, dass ich ab dort an den Ufern des „Babyflüsschens“ entlang laufen könnte. Aber da scheint es keine geschickten Wege zu geben, zumindest Komoot war äußerst unkooperativ. Am liebsten hätte mir die App zu meinem heutigen Etappenziel trotzdem 390 m Anstieg und 710 m Abstieg zugemutet. Aber nicht mit mir! Ich wählte die softere Fahrradvariante.

Wäre ich nicht schon vorgewarnt gewesen, hätte ich vielleicht die erste Enttäuschung erlebt. Aber so gebe ich mich mit den beschaulich rauschenden Bächlein Ilse und Banfe zufrieden, deren Quellen auch hier in der Nähe zu finden sind.

Ich laufe gemütlich auf einer kleinen, verkehrsarmen Kreisstraße das Rothaargebirge hinunter.

Sauerland: Fachwerk, Weisheit, Hoffnung und Humor. Mir gefällt das…
(vielleicht, weil ich eine geborene „Sauer“ bin?)

Mein Humor bekommt Schräglage. Wie witzig: dieser Waldpostbriefkasten und der Ortsnamen, den wohl kein Mensch freiwillig gewählt hätte.

Ich laufe ungefähr 16 Kilometer, bis ich am Anfang von Bad Laasphe (geprochen Lahsfe) dann endlich die Lahn sehe. Sie sieht jetzt nicht mehr ganz so babyhaft aus, nachdem sie kurz zuvor die Banfe verschlungen hat.

Jetzt bin ich im Lahntal. Das Rothaargebirge (in Kombination mit dem zurückhaltenden Training) fordert seinen Preis: Ich spüre ziemlich Muskelkater in den Beinen. Trotzdem schleppe ich mich durch das Zentrum von Bad Laasphe. Die Freude über die hübschen Fachwerkhäuser hält sich die Waage mit der Traurigkeit über Leerstand und Verwahrlosung.

Dann zieht es sich wieder. Ich laufe jetzt endlich entlang der Lahn, muss aber dafür viel Industriegebiet in Kauf nehmen. Als das endlich vorbei ist, habe ich ein Deja-vu: Die Aue der jungen Lahn sieht genauso aus wie die Aue der jungen Donau mit ähnlich vielen Reihern. (Konrad meinte danach dazu, dass ich heimkommen solle, da die Flüsse doch sowieso alle gleich aussähen ???) Dann bewundere ich noch einen hübschen Weiher, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit an meinem Zielort ankomme.

Das Thema „Einkehr“ drängt sich hier nicht allzu sehr auf. Der hübsche Gasthof Traube sucht neue Pächter. Mir ist es noch warm von der Wanderung und ich habe eine gemütliche, moderne Ferienwohnung. „Dann hole ich mir halt was vom Edeka und esse hier!“ Ich stelle mich darauf ein, den weiten Weg noch einmal zurück zu gehen. Aber nach einer anderthalbstündigen Pause und ohne Rucksack dauert der Weg nur paar Minuten. Gute Entscheidung: Jetzt gibt es „zuhause“ leckeren italienischen Nudelsalat.

Heute war ich insgesamt 26,5 Kilometer unterwegs und fühle mich ziemlich ausgelaugt. Aber war das sonst nicht auch so nach dem ersten Wandertag? Wahrscheinlich – hoffentlich!

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Tour 70

Auftakt

Teil 1 Mit dem Deutschlandticket unterwegs: 7 mal umsteigen

In Herrenberg wird erst mal gefrühstückt. Konrad begleitet mich dorthin bis zum Bahnhof ♥️.

  • Herrenberg
  • Stuttgart
  • Heilbronn
  • Mannheim
  • Frankfurt
  • Siegen
  • Walpersdorf


Eigentlich läuft alles erstaunlich gut. Aber ausgerechnet der RE 70 zickt auf meiner Tour 70. Doch kein Problem, in Frankfurt bekomme ich trotzdem noch den Anschluss nach Siegen. Sogar die Bushaltestelle des SB5 in Siegen finde ich mit freundlicher Unterstützung der Dame von der Information.

Teil 2 Erste Wanderung von Walpersdorf zum Forsthaus Lahnquelle

Ich keuche durchs Rothaargebirge. Nach all dem Sitzen tut mir die Anstrengung ganz und gar gut. Nach eineinhalb Stunden erreiche ich mein Ziel. Eigentlich keine Glanzleistung bei 3,9 Kilometern und 230 Höhenmetern, aber darum geht es mir ja auch nicht.

Warum wollte ich nicht in Baden Württemberg wandern? Weil ich mir einbildete, in der Ferne leichter ungezwungene Kontakte finden zu können. Ich bin noch keine halbe Stunde unterwegs, da habe ich schon drei Gespräche geführt: Eine Frau, die im Garten arbeitete, lobte mich, dass ich das hervorragende Wanderwetter ausnützte. Mit den beiden Radlerin Bettina und Yvonne knüpfte ich einen Anfangskontakt, der beim Abendessen vertieft werden wird. Mit einem Schäfer unterhielt ich mich über das hiesige Wetter. (Glück, dass ich nicht gestern unterwegs war!)

Trotz der anfänglichen Begegnungen bin ich überwiegend alleine unterwegs und genieße wieder die Freiheit. Die Weite der Landschaft und das Spiel von Licht und Schatten verzaubern mich.

Im Forsthaus Lahnquelle bin ich gut aufgehoben. Super Essen, super Tischgenossinnen und der ideale Start morgen für meine Lahnwanderung.

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Bald geht’s wieder los…

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Finale…

25. September

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Zaubertüte

24. September

Überblick

Route:
Von Tuttlingen über Möhringen, Immendingen, Hintschingen nach Geisingen-Kirchen
Details:
– 22 Kilometer
– Aufbruch nach dem Frühstück im Bäckereicafé 8:30 Uhr, Ankunft 16:30 Uhr
– Pausen auf einer Bank an der Donauversickerung und in einem Bäckereicafé in Immendingen

Welche Zaubertüte hätten Sie gerne?

„Was haben Sie Besonderes im Angebot?“
„Nur noch Zaubertüten, alles muss raus, denn heute ist der vorletzte Tag!“
„Ich hätte gerne die große in Graubraunorange, was ist da alles drin?“
„Sorry, Sonne ist ausverkauft.“
“Weiß!“
“Aber richtigen Regen verkaufe ich Ihnen auch nicht, höchstens ein bisschen Nieseln. Sie brauchen Ihre Kapuze nur ein paar Minuten über den Kopf ziehen, damit Sie sie nicht umsonst mitgenommen haben.“
“Super!“
„Ich lese mal die Liste vor:
– Donaupark Tuttlingen,
– zwei mal Waldbaden,
– zwei kleine Städtchen,
– zwei Cappuccino mit zwei süßen Stückchen,
– unterschiedliche Wege: Radwege, Wanderwege, eine Straße, teilweise etwas schlammig,
– zwei Mal Weg weg
– unterschiedlichste Brücken mit und ohne Nepomuk,
– Zipperlein in den Oberschenkeln. Zwar nur während der letzten 5 Kilometer, aber die dürfen nicht aussortiert werden, Räumungsverkauf!
Dafür bekommen Sie auch das absolute Highlight: den Naturpfad neben der Donauversickerung!“
“Also gut, ich nehme die Zaubertüte!“

Graubraunorange, wie gehabt…

Donaupark, Tuttlingen

2003 bekam das unzugängliche Donauufer der Stadt ein neues Gesicht und wurde dadurch zum attraktiven Freizeitgelände für Einheimische und Besucher. Wahrscheinlich sah es hier entlang des Flusses am letzen Sonntag ähnlich fröhlich aus wie in Sigmaringen. Jetzt gerade findet das Leben an Arbeitsplätzen, Schulen und Kindergärten statt. Das Ufer ist verwaist.

Nicht nur der Sandbereich wirkt heute trostlos. Und trotzdem erkenne ich, dass die Stadt einiges vielseitiger ist, als ich gestern noch dachte. Hier im Donaupark können Jung und Alt viele schöne Freizeitstunden verbringen!

Waldbaden

Möhringen

Immendingen

Cappuccino und Co

Vor einer Woche, am Beginn meiner Donauquellen-Wanderung, konnte ich mich nicht erinnern, warum ich auf  früheren Unternehmungen so Lust auf  Cappuccino hatte. In den Blogs und auch in meinem Buch wird das Getränk besonders gewürdigt.

Jetzt verstehe ich wieder. Letzte Woche war es warm. Meine Pausen fanden äußerst genügsam auf schattigen Wanderbänkchen statt. Mit Wasser war ich meist vollkommen zufrieden, gelegentlich gönnte ich mir mal einen Müsliriegel.
Jetzt sind die Bänkchenpausen ungemütlicher geworden. Heute krame ich sogar zum ersten Mal mein Styropor-Sitzkissen hervor, um mich vor der Feuchtigkeit zu schützen. Bei 10 Grad zieht es mich bald weiter. Ein warmes Getränk mit Koffein, Milchschaum und Kakaopulver wäre jetzt nicht zu verachten. In Immendingen geht mein Wunsch in Erfüllung.

Wege

Weg weg

Mit meiner App Komoot komme ich normalerweise gut zurecht, wenn ich aufpasse. Heute werde ich allerdings zwei Mal in die Irre geführt. Einmal wird mir im Wald vor Möhringen ein Weg angezeigt, den es nicht gibt, und in Immendingen ist eine Unterführung unauffindbar, angeblich wegen Hochwassers. In beiden Fällen löst sich das Problem auf undramatische Weise. Glück, das muss nicht immer so sein.

Brücken

Vor und hinter Immendingen

Tuttlingen

Über Bahnhof Immendingen

Über der A 81
Am Zementwerk erkenne ich auf der A 81 immer, dass ich in Geisingen bin.

Highlight Donauversickerung 

Schon in der Schule habe ich in Erdkunde erfahren, dass die Donau an einer bestimmten Stelle versickert und unterirdisch fließt. Heute lerne ich mehr über dieses Naturphänomen. Auf der Gemarkung Immendingen trifft der Fluss auf wasserdurchlässige Schichten des weißen Jura. Das Wasser versinkt und fließt in einem Höhlensystem südwärts. Nach durchschnittlich 60 Stunden tritt es in dem 12 Kilometer entfernten Achtopf wieder zutage.
Okay, was ich nicht wusste ist, dass sie Donau nicht immer ganz leer ist, sondern nur zu bestimmte Zeiten, meist im Sommer. Ich fotografiere ein Foto.

Ich sähe an einer der entsprechenden Versickerungs-Stellen nichts Besonderes, wenn ich nicht genau hinschauen würde.

Würde ein Radfahrer der Beschilderung folgen, dann müsste er im Fluss landen, auf der anderen Seite genauso. Es wird also wirklich Tage geben, an denen das anders ist. Wieder fotografiere ich das Foto von einer Tafel.

Ich hätte nichts von der Donauversickerung bemerkt, wenn nicht so viele Tafeln auf ihre Einzigartigkeit hingewiesen hätten. Angeblich versickert sie trotzdem, auch wenn das Wasser nicht sichtbar weniger wird. Mag sein, kann ich nicht beurteilen.
Aber der Pfad entlang der Versickerung, der ist für mich das heutige Highlight. Ich laufe direkt neben dem rauschenden Fluss, ganz alleine, fast andächtig.

Die Fotos können nur im Ansatz wiedergeben, wie nah ich dem Fluss wirklich bin.

 

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Himmel in Grau, Donau in Braun, Wanderin in Orange…

23. September

Überblick

Route:
Von Beuron über Fridingen, Mühlheim, Nendingen nach Tuttlingen
Details:
– 22 Kilometer
– Aufbruch 8:00, Ankunft 14:30
– Pause beim Bäcker von Stetten
– Sightseeing: Tuttlingen

War die Wanderung nicht ganz schön trübe?

Nein, eigentlich empfand ich sie als recht angenehm. Es gab keine Beschwerlichkeiten und Hindernisse. Mir tut nichts mehr weh, die Blasen sind verheilt, der Muskelkater verschwunden. Mein Körper hat sich wohl an die Herausforderungen gewöhnt.
Die ehemalige Lehrerin in mir urteilt: drei plus. Nur? Ja! Eine drei ist doch nicht schlecht! Aber…? Für eine Note im Zweierbereich hätte wenigstens gelegentlich ein wenig Blau am Himmel erscheinen sollen.
Mein Kontingent an Sonnenstunden scheint ausgeschöpft zu sein. Ich darf froh sein, dass es wenigstens nicht geregnet hat. Wieder einmal super, dass die Wetterprognosen unzuverlässig sein können!

Die Erzabtei unter grauem Himmel

Die Donau zeigt sich heute in Braun.

Orange für mich und Gustav: mein Spiegelbild in einem Harley Davidson Shop im Industriegebiet von Nendingen

Stetig voran…

Das Frühstück verläuft heute recht spartanisch: drei Tassen Nescafé und zwei Müsliriegel im Appartment. Keine Zeit verlieren! Später setzt wahrscheinlich Regen ein. Dann tschüss und vorbei am Bahnhof, der nur ein paar Schritte entfernt liegt.

Hinter Beuron geht es ungefähr 250 Meter bergauf zur „Schanze“.

Dies ist keine einzelne spezifische Anlage, sondern Teil einer längeren Wall- und Schanzenlinie, die im spanischen Erbfolgekrieg (1701-1714) errichtet wurde.

Ich erkenne natürlich nichts davon, sondern erfreue mich an Pfad und Wald. Heute habe ich nichts gegen den Anstieg. Trotzdem bin ich froh, als es jenseits der Sigmaringer Straße runter nach Fridingen geht.


Mangels Alternativen beschäftige ich mich später mit der Farbe von Donau-Eisenbahnbrücken.

Mir gefällt altes verwittertes Graubraun viel besser als modernes Blau. Es fügt sich besser in die Landschaft ein.

Schloss Mühlheim ist heute das einzige Sightseeing-Objekt unterwegs und das auch nur aus der Ferne.
Als ich kurz danach in Stetten mit Konrad telefoniere, baut sich direkt vor mir eine Bäckerei mit Tischen und Stühlen auf. „Da mache ich jetzt Pause, super!“ Ich lege auf und betrete den Raum. Er sieht sonderbar aufgeräumt aus. „Einen Cappuccino und ein Mandelgebäck, bitte.“ „Gerne!“ Ärgerlicherweise füllt die Verkäuferin das Getränk in einen Pappbecher und steckt das Gebäck in eine Tüte. „Sie wissen schon, dass wir um zwölf schließen!“ „Nö, das ist aber blöd!“ Es ist 9 Minuten vor zwölf. Ich nehme missmutig meine soeben erstandenen Schätze und setze mich damit vors Haus. Auf einem Schild lese ich die Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 7:00 bis 12:00 Uhr. So kann man es auch machen! Wäre gut, wenn ich es vorher gewusst hätte, dann würde ich bestimmt hier nicht bei 12 Grad sitzen und andere Kunden darauf hinweisen, dass da heute nichts mehr geht.

Farben von heute…

Mein Quartiermanager hat mir für die vorletzte Übernachtung ein Viersternehotel gebucht. Wow, alles andere als eine Wanderherberge!

Hier sind die Farben Grau, Braun und Orange elegant mit Schwarz kombiniert worden.

Tuttlingen

Über 37 000 Menschen wohnen hier, von denen einige sich noch am frühen Abend in der Fußgängerzone aufhalten. Ich habe keine besonderen Erwartungen an die Stadt und werde nicht eines Besseren belehrt. Wäre auch schwierig gewesen bei dem Nieselregen, der jetzt eingesetzt hat. Ich fotografiere trotzdem ein paar „Sights“ und genehmige mir im Engel ein kleines Schnitzel mit Salat zum Abendessen.

 

 

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