Tour 70 Tag 7

Tag der Schlösser

Obwohl es heute bergauf – bergab gehen wird, nehme ich mir erst einmal Zeit fürs Sightseeing vor Ort. Die Silhouette des Schlosses Braunfels, die gestern immer wieder im Abendlicht über Häusern und Gärten auftauchte, hat mich neugierig gemacht.

Der steile Anstieg lohnt sich. Ich fühle mich in eine märchenhaften Kulisse versetzt. Seit 1875 besitzt das Schloss diesen unverwechselbaren Charakter.

Hier wurde übrigens 2008 der Märchenfilm König Drosselbart gedreht. Seither hat sich bestimmt nicht viel verändert.

Als ich runter zum Ort laufe, umgibt mich immer noch Märchencharakter.

Braunfels  gilt mit seinem Schloss als eine der schönsten und romantischsten hessischen Kleinstädte. Das hätte ich nicht erwartet! Ich lasse das Flair im Sonnenschein auf einer Bank am Marktplatz wirken und lade erst einmal in Ruhe meine Handy auf. Nach so vielen Fotos…

Jetzt aber los! Ich will nach Weilburg. Die Wirtin erzählte mir schon gestern, dass viel Gäste dorthin wandern.

Ich bin heute vorwiegend auf bekannten Wanderwegen durch den Taunus unterwegs, die sich. Sie wechseln sich ab oder überschneiden sich: beispielsweise Lahnwanderweg, Lahnhöhenweg oder Jakobsweg.

Blick zurück

Dieses Flatterband (links oben) gefällt mir überhaupt nicht! Baumfällarbeiten – Baumaßnahmen – Tiere …? – Ich muss hier durch, sonst hätte einige Kilometer Umweg! Risiko – warum schreiben die auch nichts dazu? Bestimmt war am Wochenende Treibjagd und die haben vergessen, die Sperre zu beseitigen! Ich setze meinen Weg hinter dem Flatterband weiter. Mit schlechtem Gewissen und extrem geschärften Sinnen wandere ich 2,8 Kilometer weiter und… NICHTS!!! Ich atme auf, als der Wald am Horizont hell wird und der Weg auf einen Feldweg mündet. Nicht einmal ein Flatterband auf der anderen Seite und keine Adresse für eine Beschwerde…

Eigentlich habe ich schon ganz viel geschafft…

Hier stand einmal eine Wallfahrtskirche und es sollen noch Reste existieren. Ich erkenne überhaupt nichts, außer einem Altar (Stein mit Platte) und einem Kreuz. Die vielen Bänke,  die um dem ehemaligen Kirchengrundriss stehen, wirken sehr einladend. Es gibt auch eine Stempelstelle für Jakobsweg-Pilgerinnen.
Ich spüre eine besondere Atmosphäre. Gerade setze ich mich auf eine Bank für die Mittagspause, da gesellen sich Hund Janosch und sein Herrchen zu mir. Eine Begegnung, so wie ich es liebe! Wir unterhalten uns eine halbe Stunde lang über Fernwanderungen. Mein Gesprächspartner schaffte einmal 1000 Kilometer mit Übernachtungen im Wald. Respekt, andere Liga! „Es gibt keine richtigen und keine falschen Wanderungen!“

Immer wieder Erinnerungen an den Bergbau…

Im frühen 18. Jahrhundert wurde ein Hofgut zum Jagdschloss Windhoff umgebaut. Im frühen 20. Jahrhundert war es Schule, dann ein Ort, an dem Lehrkräfte ausgebildet wurden und heute dient es als Studierendenwohnheim der FH Weilburg-Hadamar. Kein Märchen, sondern nüchterne Altbauzweckmäßigkeit…

Dann bin ich wieder an der Lahn und sehe auf Schloss Weilburg – eine der bedeutendsten barocken Schlossanlagen Hessens.

Es bedeckt fast die Hälfte der Altstadt, aber das ist mir im Moment völlig egal. Jetzt nur noch wenig essen – Gott sei Dank hat das Café Altes aRthaus am Montag nicht die Türen geschlossen, wie so viele anderen. Dann kehre ich hundemüde in mein Apartment zurück und blicke wieder auf einen sehr erfüllten Wandertag zurück.

 

 

 

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Tour 70 Tag 6

Nicht nur Schönwetterwandern…

Da ist doch mit viel Fantasie wirklich eine 70 zu erkennen?

Nicht Eyecatcher, sondern Eyetest an der Wand dieses Firmengebäudes!
Ich bin froh, dass ich ganz leicht alles erkennen kann. Oh, da sind ja noch kleinere Aufgaben – habe ich überhaupt nicht gesehen. Firma Oculus – Optikgeräte GmbH – lässt mich trotzdem ohne neue Brille vorbei ziehen. (Es ist ja Gott sei Dank Sonntag und hier arbeitet gerade niemand.) 

Auch heute bin ich auf wechselnden Wegen unterwegs. Ich schaue, dass ich so schnell wie möglich nach Wetzlar komme. Meine Wirtin hat empfohlen, mir Zeit fürs Sightseeing zu nehmen und es ist Regen angesagt.

Guter Tipp!

Uhhh, schon wieder eine Schlange!

Mir gefällt Wetzlar!

Im Dom ist gerade der Sonntagsgottesdienst zu Ende gegangen. Die Konfirmant*innen müssen sich noch die Teilnahme abstempeln lassen.

Dann geht es über die Alte Lahnbrücke wieder aus der Stadt heraus.

Ich überquere die Dill, kurz bevor sie in die Lahn mündet. Einen Unterschied zwischen beiden Namensgeberinnen des Lahn-Dill-Kreises hätte ich nicht erkannt.

Das harmlose Tröpfeln der letzten Stunden wandelt sich in leichten Regen.
Ich befinde mich auf der Bergmannsroute am Lahnwanderweg. 1862 wurde die Deuz-Giessener Eisenbahn gebaut. Damit wurden die Transportprobleme des Eisenerzes ab Wetzlar und der Kohle nach Wetzlar gelöst. Ein Jahr später entstand hier die Lahntalbahn nach Koblenz, wodurch der Anschluss an das Saarland und das Elsass ermöglicht wurde.
Die damaligen Grubenbesitzer waren recht froh darüber. Und ich freue mich, dass ich unter dieser historischen Brücke ein wenig Schutz vor den Regentropfen finde.
Angesichts des durchgehenden hervorragenden Wanderwetters seit Beginn meiner Tour, lasse ich keine Klagen in mir hoch sprudeln. Immerhin friere ich nicht und die Nässe geht nicht bis auf die Haut, Luxusregenwetter!

Ich komme bei der Reminiszenz an die Solmer Grubenbergbahnen vorbei. Diese „Drahtseilakte“ dienten dem Transport vom Eisenerz aus den Gruben. Seit 1983 ist der Betrieb dieser Seilbahnen eingestellt, weil LKWs billiger geworden sind.

Wasserkraftwerk und Schleuse Oberbiel

Kurz nach Überquerung beider Lahnabzweigungen finde ich an einer überdachten Bushaltestelle Regenschutz auf einem Bänkchen. Hier kann ich in Ruhe das Handy aufladen und meine weitere Route planen. Ich will definitiv bei diesem Wetter nicht – wie vorgeschlagen – an der Landstraße entlang laufen. Die Alternative ist komplizierter. „Was ist, wenn es zu nass für das Handy wird? Wie soll ich dann den Weg finden?“ Die Pessimistin in mir will nörgeln. „Bist du schon irgendwann nicht weiter gekommen oder hast du ein Handy jemals wegen Regens geschrottet?“ Die Vernunftstimme wird recht behalten. Der Regen behindert meine Navigation in keinster Weise. Er lässt nach oder hört immer wieder ganz auf.

Und als ich zum Schluss den steilen Anstieg zu meinem Ziel Braunfels bewältigt habe, da strahlt sogar die Sonne. Sie scheint völlig unschuldig auf mich runter zu grinsen.

Im Familienbetrieb Brauhaus Obermühle werde ich herzlich begrüßt und bestens kulinarisch versorgt. Ich finde ein riesiges Appartement vor, fast wie in Amerika.

Heute war viel geboten und ich kam letztendlich auch mit dem Wetter klar. Es ist wunderbar, dass das hier Wirklichkeit ist und kein weichgespültes Filmsetting.

 

 

 

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Tour 70 Tag 5

Viel Wasser…

Genauso habe ich es mir vorgestellt: viel Wasser, Eyecatcher und Sightseeing!

Heute muss der Lollarer Schmaadlecker nicht frieren. Das Wetter ist wieder perfekt zum Wandern. Hoffentlich wird es dem Kerlchen auf dem Brunnen im Laufe des Tages nicht zu warm ???

Guten Morgen, Lahn!

Die Wege sind heute so ganz nach meinem Geschmack.

Auf einmal biege ich nach links und schaue ohne Vorwarnung auf die Ruine Badenburg. Diese wurde 1356 erstmals als Herrensitz erwähnt, dessen Zerstörung im Wesentlichen auf Misswirtschaft zurückzuführen ist. Seit Mitte des 18. Jahrhunderts ist die Ruine beliebtes Ausflugsziel. Hier trafen sich 1834 politische Oppositionelle und riefen zum Widerstand gegen Fürstenwillkür und soziale Ungerechtigkeit auf. Leider wurde sie verraten.

Die Burg wurde im 18. und 19. Jahrhundert zeitweise als Schmiede genutzt, was den historischen Bezug zu den alten Eisenobjekten erklärt, die hier zu finden sind.

Ich sehe das erste Wasserfahrzeug, die Lahnlust. Sie ist ein Eventboot und gehört dem Marineverein Gießen.

Eine Touristin, die von Marburg kommt, darf die beiden Städte nicht vergleichen, denn Gießen wurde im Krieg ziemlich zerstört. Nach dieser Vorwarnung freue ich mich heute am Samstag (Markttag) um so mehr über das bunte Leben und die historischen Kulissen.

Die Unis Marburg und Gießen arbeiten extrem eng und intensiv zusammen.
Die Hermann-Hoffmann-Akademie wird von Dinos bewacht.

Die Gießener Schlammbeiser waren Arbeiter, die vor dem Bau der Kanalisation Abfall- und Fäkalieneimer aus den engen Häuserschluchten holten.


Im Jugendstil-Industriedenkmal „Alter Schlachthof“ gibt es heute Wohnraum, Unternehmen und Gastronomie. Diese Umnutzung wurde mit Denkmalschutzpreisen ausgezeichnet.

Der zweite Teil meines Weges führt mich an einigen Baggerseen vorbei, die zum Teil verschiedene Freizeitaktivitäten ermöglichen, aber in anderen Bereichen auch dem Naturschutz dienen.

Mein ❤️ gehört natürlich der Lahn. Ihr Charakter hat sich schon wieder völlig verändert.
Tschüss, Fluss!!! Ich übernachte heute in Dutenhofen im Gastof Adler, wo ich vorzüglich speisen werde.

 

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Tour 70 Tag 4

Es läuft…

Die Siebzig des Tages – mehr zeigt sich heute nicht…

Frühstück:

Eigentlich sollte ich verärgert sein! Nichts Besonderes – viel Plastik… Aber das alles wurde mit Liebe und Freundlichkeit präsentiert, hier im Hause des Professor Müller, dem dies alles das Ende des 19. Jahrhunderts gehörte. Schon vor meiner Geburt wurde aus dem Anwesen ein Hotel. So kommt es, dass ich den Eindruck habe, in einer anderen Zeit zu schweben (in der es noch keine Plastikverpackungen gab). Ich werde gefragt, ob ich auch Wurst, Schnittkäse oder Ei möchte und gebeten mit ein Proviantpaket zu packen. Wie soll ich da böse sein!

Sightseeing by the way:

Es sieht so aus, als ob es (wie in Tübingen) auch in Marburg eine Oberstadt für die Professoren und andere Reiche gegeben hat und eine Unterstadt für die Handwerker, beispielsweise Gerber.

Langsam entferne ich mich von der Stadt. Ich laufe parallel zur Lahn. Der Krach der großen Straße, die sich hinter der „Lärmschutzwand“ verbirgt, ist mir ziemlich egal.

„Ich bin wieder auf dem Damm!“ Nicht nur im übertragenen Sinn, sondern ich laufe jetzt auch auf dem ersten Hochwasserschutzdamm meiner diesjährigen Wanderung.

Ich laufe, meine Beine laufen, es läuft… Ich beobachte, wie ich mich selbst immer mehr vergesse und gelegentlich in einen fast meditativen Zustand falle. Ich schaue immer weniger unnötig aufs Handy um die verbleibenden Kilometer zu ermitteln. Geduld und Gelassenheit wachsen Kilometer um Kilometer. Und dann…

Ohje, nicht schon wieder! Sollte ich den Hinweis ignorieren? Nein, denn ich bin noch nicht so verzweifelt wie vor zwei Jahren. Doch nach einer Weile, als auf einer Kreisstraße zu viele Autos an mir vorbei gerauscht sind, will ich wieder auf den Radweg. Ich sehe ihn rechts neben mir, ich sehe ihn auf Komoot, aber ich sehe keine Möglichkeit dorthin zu gelangen.
Sind Leitplanken und Abhänge wirklich unüberwindbar? Nein, nicht für mich in diesem Moment. Ich hieve meine Beine wie ein junger Mensch über die Barrieren und finde an der geduldigen kleinen Birke Halt für die Überwindung des Hangs.
Hinterher stellt sich heraus, dass nur eine Brückensperrung das Problem war, das vor Ort problemlos lösbar war. Ärgern? Nein heute nicht so sehr… Aber beim nächsten mal vielleicht mehr riskieren?

Beim archäologischen Freilichtmuseum Zeiteninsel lege ich meine erste Pause ein. Immerhin habe ich schon fast die Hälfte des heutigen Weges geschafft. Den Zaun vor meiner Nase sehe ich mit der Zeit überhaupt nicht mehr, sondern nur die Schwäne und die prähistorischen Nachbauten.

Wechselnde Wege, Sonne und Wolken – was will ich mehr an diesem perfekten Wandertag!

Und mit dem Fluss fühle ich mich mehr und mehr verbunden.

Dann erwartet mich ein Lost Place: Haus Immenheim. Was mag in den beiden Räumen wohl früher los gewesen sein?

Heute bin ich fröhlich, als ich durch die Ortschaften laufe.

Eine harmlose Schlingnatter (laut Google Lens) liegt regungslos auf meinem Weg.

Was reimt sich auf Dollar?

Eigentlich sollte ich ja nicht über Ortsnamen scherzen, aber so kann ich mir mein heutiges Ziel zumindest gut merken.

Kurz vor meiner Ankunft fühle ich mich am Kirchberg (Ortsteil von Lollar) in eine andere Zeit verzaubert.

Ich schlendere dann weiter zu meinem Hotel, werde herzlich italienisch empfangen und danach auch von der Verwandtschaft gut bewirtet.

Beim Sightseeing im Ort stelle ich fest, dass ich eigentlich nichts Interessantes suche. Auch hier findet mich wieder das Thema „Hütte“: Die Gründung der Main Weser Hütte war wahrscheinlich 1854. Danach folgte ein weltweiter Erfolg für einige der  Produkte. Die Hochöfengruppe wurde 1907 stillgelegt. Es bleibt Lollar der Gichtturm als Erinnerung und lokales Wahrzeichen.


Es läuft: Seit heute spüre ich wieder meine Wanderbegeisterung – und jetzt ganz ohne große Erwartungen! Der Muskelkater ist weniger geworden, beim Laufen denke ich manchmal überhaupt nicht mehr daran. Ich war heute weniger verkopft und mehr mit meinen Wegen verschmolzen, so wie ich es mir ursprünglich gewünscht hatte.

 

 

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Tour 70 Tag 3

Mein ❤️ hüpft…


Wer von Euch war das? – Das kann doch kein Zufall sein…

Ich traue meinen Augen nicht, als ich kurz nach Beginn meiner Tagesetappe mitten auf dem Weg diese blasse Schrift entziffere – verziert mit Smiley, Schmetterling und vierblättrigem Kleeblatt. Ich würde mich nicht wundern, wenn jetzt jemand lachend aus dem Gebüsch hüpfen würde…
Das passiert zwar nicht, aber mein Gutelaunepegel schießt in die Höhe.


Ich sehe die ersten Sonnenblumen im Sonnenschein leuchten – und das, nachdem ich beim Blick auf die Wetterapp die null Stunden Sonne für heute akzeptiert hatte, da es ja auch null Stunden Regen geben sollte.


Ich lerne: Beweidungssysteme mit ganzjähriger Freilandhaltung robuster Tierrassen lassen Gebiete entstehen, die sehr struktur- und artenreich sind.


Die Lahn sieht heute viel abwechslungsreicher aus als gestern. Endlich laufe ich an einem Uferweg, der so ganz nach meinem Geschmack ist (zumindest zeitweise). Heute Morgen habe ich mir von Komoot einen halbwegs akzeptablen Weg ertrotzt.

Das Örtchen Sarnau bietet einen erfreulichen Kontrast zu den Ortschaften, durch die ich gestern kam. Die vielen Fachwerkhäuser stehen aber einfach nur da, inmitten von Baustellen und Zeugen des Verfalls. Touristische Puppenstube: Fehlanzeige!


Nun wird eine Lahnschleife abgekürzt. Es geht bergauf. Okay Komoot, ich war bei der Planung damit einverstanden. Immerhin ist dann eine schöne Aussicht zu erwarten.

Mein Humor kehrt zurück und findet auf einmal Futter: Von allen Seiten werde ich beglotzt und belächelt.

Ich bin so gut drauf, dass ich noch einen Umweg zur Burg Weißenstein in Kauf nehme. Gute Entscheidung! Dort finde ich eine hervorragende Aussicht auf die Lahn und meine erste Begegnung des Tages. Ich „schnacke“ mit zwei Damen (Mutter und Tochter) aus Cuxhaven.

Als ich sehe, dass die Wehrdaer Straße entlang der Lahn nach Marburg einen Fußgängerweg aufzuweisen hat, der bis nach Magdeburg führt, gebe ich meine Kooperation mit Komoot auf. Null weitere Höhenmeter und fast zwei Kilometer weniger Entfernung… So geht’s doch auch! Wanderwege sind super, aber müssen für mich nicht durchgehend sein!

Während ich die Lahn aus dem Blick hatte, ist sie ziemlich angewachsen.

In Marburg lockt mich nach dem Einchecken das Sightseeing.

Auf dem Schloss treffen ich die beiden Damen von der Burg wieder und unterhalte mich mit einer Düsseldorferin aus Tübingen.

Am Ende der Tour zieht es mich runter zur Lahn. Ich esse im Gasthaus zur Lahnterrasse genüsslich zu Abend.

Mein Hotel Haus Müller bietet einen großen Kontrast zum Hotel von gestern. Hier überwiegt keine durchdachte Zweckmäßigkeit, sondern  großzügige, liebevolle Nostalgie.

What a day! Die Erfahrungen von heute hatten so ziemlich gar nichts gemeinsam mit denen von gestern. Wie schön, dass sich das alles so schnell wandeln konnte. Mal sehen, wie es morgen wird: da fordert Komoot wieder mindestens 23 Kilometer von mir. Kein Vergleich zu den 14 von heute…

 

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Tour 70 Tag 2

Einfach nur voran kommen…

Endlich wieder eine 70! Die Bahn kann nur 70,0 oder 70,5. Wie nett, dass sie diese Ungenauigkeit mit dem Hinweis auf meinen Geburtstagsmonat ausgleicht…

Noch kein Wander-Flow

Und jetzt zum Thema: Heute war nicht allzu viel geboten auf meiner Tour und der Wander-Flow lässt noch auf sich warten:

  • Kein Sightseeing
  • Keine Eyecatcher
  • Keine umwerfende Natur
  • Keine Dörfer oder Städtchen, die ich jemals wiedersehen möchte
  • Keine historischen Bauten oder Denkmäler (außer vier Stolpersteinen)
  • Keine großen Emotionen (was ja auch auf der fünften Langstreckenwanderung nicht erwartet werden darf – das Loslaufen und Ankommen, das Blogschreiben: Routine!)
  • Keine Begegnungen
    (Ich möchte das nicht mehr in Zusammenhang mit Bundesländern bringen. Gestern überschritt ich zwischen Bad Laasphe und Wallau unbemerkt die Grenze zu Hessen. Doch die Kontaktmöglichkeiten haben wahrscheinlich eher etwas mit dem Charakter des jeweiligen Weges zu tun. Heute fühlte sich das Setting manchmal ganz ähnlich an wie im letzten Jahr bei meiner Wanderung zum Donauursprung.)
  • Kein unbeschwertes, erfülltes Vorankommen
    (Muskeln und Knochen taten weh. Ich dachte ständig an die noch verbliebenen Kilometer.)
  • Keine reibungslose Navigation
    Komoot weigert sich weiterhin, mich „nur“ durch das Lahntal laufen zu lassen. (Vielleicht wollte es mir einfach Langeweile ersparen?) Leider wurde ich trotz energischen Stecknadelsetzens auf Routen verwiesen, die mir zu weit waren und erstaunliche Höhenkilometer erforderten. Das ging solange, bis ich zu Apple Maps wechselte. Aber die Apfelmappen sind nur zweite Wahl. Sie zeichnen nicht auf, geben weniger Informationen und scheuen sich nicht davor, mich auch mal auf eine Bundesstraße ohne Radweg zu schicken.

Einmal sollte ich sogar über diese Brücke gehen, aber dazu fühlte ich mich nicht verzweifelt genug. Immerhin war gerade eine Kurhessenbahn an mir vorbeigerauscht.
Ein weiteres Mal entdeckte ich den vorgeschlagenen Weg nur mit detektivischem Spürsinn (indem ich einer älteren Dame, die mit Einkaufstaschen beladen war, nachspionierte). Der schmale Pfad sah zunächst aus wie eine ganz normale Hofeinfahrt.
Ich lief Umwege, die mir ein paar zusätzliche Kilometer abverlangen.

Aber trotzdem…

Immer wieder erfreute mich der Fluss❤️

Der Regen, der in der Wetterapp angekündigt worden war, beschränkte sich auf ein paar wenige Tropfen. Heute Morgen hatte er sich schon verzogen, als ich loslief.

Ich fand immer ein Pausenbänkchen, wenn mir das Wandern schwer fiel oder das Handy geladen werden musste.

Ich informierte mich am Abend bei Wikipedia über den hessischen Eisenbergbau. Beispielsweise Ludwigshütte: ist eine Ansiedlung bei dem ehemals bedeutenden Hochofenstandort (bis 1886) und späterem Hüttenwerk (Eisengießerei) – oder Carlshütte: entstand im Zuge der Industrialisierung der Lahnniederung. Sie wurde 1844 als letzte Eisenhütte im oberen Lahntal errichtet. Als die Verhüttung des Eisenerzes immer unrentabler wurde, wandelte sich die „Hütte“ zur Gusswarenfabrik. Vor der Wirtschaftskrise von 1929 arbeiteten ungefähr 440 Menschen dort. Gegen Ende der 1950 Jahre ging sie in Konkurs und der Betrieb wurde 1985 ganz eingestellt.

Bei Biedenkopf sah ich Kamele.

Und dann, ganz ohne Regen:

Ich erreichte letztlich mein Ziel, auch wenn ich wenig motiviert gewesen war.
Eigentlich hatte ich mir bei dem Namen eine romantischere Location vorgestellt. Aber egal… Das Restaurant strahlt zwar den Charme eines Vereinsheims aus, aber die Ofenkartoffel schmeckte hervorragend mit ihrem Sauerrahm. Und das Hotelzimmer erfüllt alle meine Kriterien an eine rundum zufriedenstellende Unterbringung für eine Nacht.

Meine schmerzenden Füße blieben bis jetzt ohne Blasen!

Ich will noch weiterlaufen. Morgen wird es hoffentlich nicht allzu weit werden (10 Kilometer?), und ich freue mich schon aufs Sightseeing in Marburg.

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Tour 70 Tag 1

Wo ist die Lahn?

Bevor ich mich der „wichtigen“ Ausgangsfrage widme, schnell noch die Beantwortung einer anderen Frage, die mich auf WhatsApp erreichte: „Warum glaubst du, in BW keine Kontakte knüpfen zu können?“
Antwort: Im Rückblick fiel mir auf, dass ich bei meinen Fernwanderungen die nettesten Kontakte jenseits von BW hatte, wie in Bayern, Österreich oder Rheinland bzw. NRW. Kann reiner Zufall sein, kann auch an mir liegen, dass ich „Zuhause“ nicht aufgeschlossen genug wirke. Ich will wirklich nichts verallgemeinern. Auffällig fand ich es allerdings, dass ich im vergangenen Jahr – als ich von Ulm zum Donauursprung wanderte – überhaupt keine nennenswerten Begegnungen hatte. Heute beispielsweise wurde ich beim Frühstück begrüßt mit: „Hallo Barbara, setzt dich doch zu uns!“ (Das blieb allerdings die einzige Begegnung dieses Tages.)

Doch was ist nun mit der Lahn?

Als ich meine Übernachtung im Forsthaus Lahnquelle buchte, dachte ich in meiner Naivität, dass ich ab dort an den Ufern des „Babyflüsschens“ entlang laufen könnte. Aber da scheint es keine geschickten Wege zu geben, zumindest Komoot war äußerst unkooperativ. Am liebsten hätte mir die App zu meinem heutigen Etappenziel trotzdem 390 m Anstieg und 710 m Abstieg zugemutet. Aber nicht mit mir! Ich wählte die softere Fahrradvariante.

Wäre ich nicht schon vorgewarnt gewesen, hätte ich vielleicht die erste Enttäuschung erlebt. Aber so gebe ich mich mit den beschaulich rauschenden Bächlein Ilse und Banfe zufrieden, deren Quellen auch hier in der Nähe zu finden sind.

Ich laufe gemütlich auf einer kleinen, verkehrsarmen Kreisstraße das Rothaargebirge hinunter.

Sauerland: Fachwerk, Weisheit, Hoffnung und Humor. Mir gefällt das…
(vielleicht, weil ich eine geborene „Sauer“ bin?)

Mein Humor bekommt Schräglage. Wie witzig: dieser Waldpostbriefkasten und der Ortsnamen, den wohl kein Mensch freiwillig gewählt hätte.

Ich laufe ungefähr 16 Kilometer, bis ich am Anfang von Bad Laasphe (geprochen Lahsfe) dann endlich die Lahn sehe. Sie sieht jetzt nicht mehr ganz so babyhaft aus, nachdem sie kurz zuvor die Banfe verschlungen hat.

Jetzt bin ich im Lahntal. Das Rothaargebirge (in Kombination mit dem zurückhaltenden Training) fordert seinen Preis: Ich spüre ziemlich Muskelkater in den Beinen. Trotzdem schleppe ich mich durch das Zentrum von Bad Laasphe. Die Freude über die hübschen Fachwerkhäuser hält sich die Waage mit der Traurigkeit über Leerstand und Verwahrlosung.

Dann zieht es sich wieder. Ich laufe jetzt endlich entlang der Lahn, muss aber dafür viel Industriegebiet in Kauf nehmen. Als das endlich vorbei ist, habe ich ein Deja-vu: Die Aue der jungen Lahn sieht genauso aus wie die Aue der jungen Donau mit ähnlich vielen Reihern. (Konrad meinte danach dazu, dass ich heimkommen solle, da die Flüsse doch sowieso alle gleich aussähen ???) Dann bewundere ich noch einen hübschen Weiher, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit an meinem Zielort ankomme.

Das Thema „Einkehr“ drängt sich hier nicht allzu sehr auf. Der hübsche Gasthof Traube sucht neue Pächter. Mir ist es noch warm von der Wanderung und ich habe eine gemütliche, moderne Ferienwohnung. „Dann hole ich mir halt was vom Edeka und esse hier!“ Ich stelle mich darauf ein, den weiten Weg noch einmal zurück zu gehen. Aber nach einer anderthalbstündigen Pause und ohne Rucksack dauert der Weg nur paar Minuten. Gute Entscheidung: Jetzt gibt es „zuhause“ leckeren italienischen Nudelsalat.

Heute war ich insgesamt 26,5 Kilometer unterwegs und fühle mich ziemlich ausgelaugt. Aber war das sonst nicht auch so nach dem ersten Wandertag? Wahrscheinlich – hoffentlich!

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Tour 70

Auftakt

Teil 1 Mit dem Deutschlandticket unterwegs: 7 mal umsteigen

In Herrenberg wird erst mal gefrühstückt. Konrad begleitet mich dorthin bis zum Bahnhof ♥️.

  • Herrenberg
  • Stuttgart
  • Heilbronn
  • Mannheim
  • Frankfurt
  • Siegen
  • Walpersdorf


Eigentlich läuft alles erstaunlich gut. Aber ausgerechnet der RE 70 zickt auf meiner Tour 70. Doch kein Problem, in Frankfurt bekomme ich trotzdem noch den Anschluss nach Siegen. Sogar die Bushaltestelle des SB5 in Siegen finde ich mit freundlicher Unterstützung der Dame von der Information.

Teil 2 Erste Wanderung von Walpersdorf zum Forsthaus Lahnquelle

Ich keuche durchs Rothaargebirge. Nach all dem Sitzen tut mir die Anstrengung ganz und gar gut. Nach eineinhalb Stunden erreiche ich mein Ziel. Eigentlich keine Glanzleistung bei 3,9 Kilometern und 230 Höhenmetern, aber darum geht es mir ja auch nicht.

Warum wollte ich nicht in Baden Württemberg wandern? Weil ich mir einbildete, in der Ferne leichter ungezwungene Kontakte finden zu können. Ich bin noch keine halbe Stunde unterwegs, da habe ich schon drei Gespräche geführt: Eine Frau, die im Garten arbeitete, lobte mich, dass ich das hervorragende Wanderwetter ausnützte. Mit den beiden Radlerin Bettina und Yvonne knüpfte ich einen Anfangskontakt, der beim Abendessen vertieft werden wird. Mit einem Schäfer unterhielt ich mich über das hiesige Wetter. (Glück, dass ich nicht gestern unterwegs war!)

Trotz der anfänglichen Begegnungen bin ich überwiegend alleine unterwegs und genieße wieder die Freiheit. Die Weite der Landschaft und das Spiel von Licht und Schatten verzaubern mich.

Im Forsthaus Lahnquelle bin ich gut aufgehoben. Super Essen, super Tischgenossinnen und der ideale Start morgen für meine Lahnwanderung.

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Bald geht’s wieder los…

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Finale…

25. September

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