Nach Kaub über den Rheinsteig

Meine Route 66: siebzehnter Tag

Heute ist schönes Wetter und ich liege mit den Kilometern eigentlich gut im Rennen. Deshalb wage ich einen Ausflug, bei dem es nicht um Entfernung, sondern um Rheinblick geht: die 6. Etappe des Rheinsteigs von Lorch nach Kaub.
Zunächst frühstücke ich aber genüsslich und dann gibt es ein wenig Sightseeing in dem kleinen Ort Lorch.

Es fällt mir zunächst schwer mich richtig in den Rheinsteig einzufädeln, aber ich erhalte freundliche Hilfe. Heute folge ich den Wegweisern und nicht den Anweisungen meines Handywanderführers. Es geht überhaupt nicht lange und der Rheinsteig macht seinem Namen alle Ehre. „Mittelschwer“ stand auf der Routenbeschreibung, aber Hallo!!! Gustav und ich kommen ganz klar an unsere Grenzen. Er wegen seines Gewichts und ich wegen meines Mangels an Gleichgewichtssinn und Kraft, und das, obwohl wir schon so lange unterwegs sind! Erst oben lese ich den Hinweis auf die mögliche Alternativroute. 😉
 
Als ich nach aller Anstrengung oben an der Burg Nollig bin, werde ich mit der Aussicht gebührend belohnt.
  
Ich bin bester Laune und laufe im Spaziermodus weiter, jetzt wo der Weg es zulässt. Hier sind viele freundliche Leute mit Rucksack unterwegs und es gibt genügend Möglichkeiten für Unterhaltungen. Von oben sehe ich Lorchhausen und die Clemenskapelle.
   
Wandern scheint Menschen religiös zu berühren, auch wenn ich selbst das bis jetzt noch nicht so recht nachempfinden kann. Aber ich fühle mich ganz ergriffen, als ich an diesem wunderbaren Fleckchen Erde Tagebuch schreibe.
  
Die Leute von den Wisper Trails – den Wanderwegen, die teilweise den gleichen Streckenverlauf haben, wie der Rheinsteig (siehe blaues Zeichen oben) – können sich hier was zum Zwitschern holen: 😉
Zum dritten Mal überquerte ich jetzt die Grenze zu Rheinland-Pfalz. Hier steigt der Weg noch einmal steil an und wird zum Teil recht schwierig. Statt Waldbaden findet Wald-Kampfschwimmen statt. Wie gut, dass ich meine Stöcke dabei habe!!!

Nachdem der Höhepunkt überschritten ist, nähere ich mich langsam Kaub. Der Rhein fasziniert auf vielfältigeWeise.
 
Es erfreut mich, wie die Insel mit Burg Pfalzgrafenstein immer näher kommt.

Den Abend verbringe ich dann in Kaub, der kleinsten Stadt von Rheinland-Pfalz. Hier kann ich ganz unterschiedliche Überbleibsel der Vergangenheit entdeckten und beschließe dann meinen Ausflugstag glücklich im Hotel. Auf meiner Wanderung bin ich heute zwar nur 6,5 km weiter gekommen, aber der Ausflug und die vielen damit verbundenen Eindrücke waren es auf jeden Fall wert.

 

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Nach Lorch über Bingen

Meine Route 66: sechzehnter Tag

Als Als ich am Morgen vor die Türe gehe, ist es mir zum ersten Mal kalt an den Knöcheln. Meine Laune ist leicht gedämpft und ich überlege, ob ich meinen ursprünglichen Plan mit Bingen aufgeben soll um direkt nach Lorch zu laufen, denn Konrad hat auf der linken Rheinseite keine geschickte Übernachtungsmöglichkeit für mich gefunden. Aber ich bleibe standhaft und laufe zur Fähre. Auf dem Wasser zeigt sich mystische Stimmung, die mich ergreift, und der Anflug von schlechter Laune ist wie weggeblasen. Ingelheim empfängt mich eher unaufgeräumt, während Oestrich-Winkel sich ganz romantisch von mir zu verabschieden scheint.


 
Ich laufe mal wieder auf dem Damm. Heute ist Herbststimmung zu spüren, genauso wie in den Rheinauen, eigentlich auch schön, wenngleich ich die Umstellung immer nicht so mag.
Als ich wieder am Rhein bin, sehe ich malerische Flusslandschaft, denn die Sonne kommt jetzt wider Erwarten doch hervor. Ich laufe in einem Natur- und Vogelschutzgebiet, der Rhein wird meist durch verschiedene Inseln von der Fahrrinne abgeteilt.
 
 

Fluss, Bäume und Weg wechseln sich ab.
 
Und dann sehe ich diese Ruine im Wasser. Diese Brückenreste erinnern mich wieder an die zerstörerische Gewalt des zweiten Weltkrieges. Auch an Land liegen noch Reste herum.
 
 
Ich empfinde den heutigen Wandertag als sehr angenehm. Es ist weder warm noch kalt. Die Sonne strahlt immer wieder aus den Wolken heraus und ich laufe ganz ohne Beschwerden und Zipperlein. Nur am Ende zieht sich der Weg wie immer.
Als ich in Bingen bin, steige ich hoch zur Rochuskapelle und sehe den Rhein von oben. Dann laufe ich an der Promenade entlang bis ich dem Mäuseturm recht nahe komme.
   
Auf dem Weg zur Fähre in der übernächsten Ortschaft bietet sich mir noch einige Abwechslung.
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Wieder geht ein schöner Tag zu Ende. Ich übernachte in Lorch in einem gemütlichen Gästehaus und esse noch eine leckere Ofenkartoffel, bevor ich müde und zufrieden im Bett auf den Tag zurück blicke.
 

 

 

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Nach Oestrich-Winkel

Meine Route 66: fünfzehnter Tag

Ich frühstücke noch einmal gemütlich und dann geht es weiter dem Rhein entlang. Ursprünglich wollte ich den Fernwanderweg Rheinsteig laufen, aber als ich langsam erkannte, dass diese Route über doppelt so lang ist und wegen der Steigerungen auch mehr Herausforderungen bereit hält, änderte ich den Plan und laufe weiter dem Rhein entlang. Ich plane stattdessen wegen der Aussicht gelegentlich mal den ein oder anderen Abstecher ein.
Als ich am Markt vorbei laufe, spickelt freundlicherweise die Sonne raus.
 
Aufgrund von Gabis Tipp laufe ich nach Biebrich zurück und bewundere das Schloss. Zuerst flaniere ich durch den Park, vorbei an der Ruine, und dann runter zum Rhein.


Ich laufe wieder am Rhein und in der Arche Noah gibt es einen Cappuccino.

In Eltville gibt es eine kurfürstliche Burg, die ich mir näher ansehe.

Die hübschen Häuser sind auch für Flusskreuzfahrer attraktiv.
 
Es erschließt sich mir nicht, welche Bewandtnis es mit diesem asiatischen Bauwerk in Oestrich hat:
Der Weg zum Rheingauer Hof, in dem ich übernachte, zieht sich am Ende mal wieder ewig, aber ich komme gesund und munter an. Ich gehe ohne große Pause zum Abendessen und falle dann todmüde ins Bett. Ich bin wieder ein kleines Stück weiter gekommen und freue mich.

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Ruhetag in Wiesbaden

Meine Route 66: vierzehnter Tag

Ich genieße den zweiten Ruhetag bei Gabi und mir geht es bestens hier. Den Vormittag verbringe ich ganz ungezwungen mit Quatschen und Schreiben. Wieder werde ich mit schmackhaftem Mittagessen verwöhnt.

Am Nachmittag gehen wir auf den Neroberg, dem Hausberg Wiesbadens.
 
Zunächst führt der Weg vorbei am russischen-orthodoxen Friedhof von 1856, wo zahlreiche Persönlichkeiten begraben sind, die in Wiesbaden verstarben, als die Stadt noch Weltkurstadt war. Dann kommen wir zur russisch-orthodoxen Kirche.
  
Sowohl das kleine Tempelchen, die Aussicht, die Löwenterrasse mit Blick auf den Weinberg, als auch die Nerobergbahn sind weitere Attraktionen zum Bewundern.
 

Wir werden nass als wir durch das Nerotal zurück laufen. Uns Frauen stört es eher wenig, nur die Hündin Änni findet das Wetter extrem blöd.

Ein gemütlicher Abend liegt noch vor uns, bevor ich wieder auf einen Tag zurückblicke, an dem ich mit vielen Eindrücken reich beschenkt wurde. Jetzt werden mir in Zukunft viele schöne Bilder in den Sinn kommen, wenn ich an Wiesbaden denke.

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Ruhetag in Wiesbaden

Meine Route 66: dreizehnter Tag

Ich fühle mich bei Gabi, ihrem Mann und dem Hund rundum wohl und werde erst nach neun Uhr wach. Nach dem Frühstück führt sie mich durch Wiesbaden. Ich hatte bisher keine genaue Vorstellungen von dieser Stadt, aber das ändert sich heute Morgen grundlegend.

Wir beginnen am Spital und gehen weiter zum Kochbrunnen, aus dem fast 70° heißes  schwefelhaltiges Wasser fließt, dem Wasser, das die Stadt einst zur mondänen Kurstadt machte. Diese zog zu bestimmten Zeiten Reiche aus aller Welt – häufig auch aus Russland – an, die sich wegen der heißen Quellen beispielsweise Heilung oder Linderung ihrer Lungenkrankheiten versprachen. Sie wohnten während ihres Aufenthalts in luxuriösen Hotels. Leider konnten nicht alle Gäste gesund wieder nach Hause fahren, sondern einige verstarben sogar in Wiesbaden.
Daneben bewundere ich den „Kochbrunnenspringer“, dem auch übelriechendes Wasser entspring. Kleine Wolken bilden sich dabei, die auf dem Foto nur ganz vage zu erkennen sind. Dann drehe ich mich auf dem Kochbrunnenplatz um und begegne zum ersten Mal persönlich einem Ampelmännchen. Diese Figur wurde anlässlich der 25-jährigen Deutschen Einheit aufgestellt.


 
Wir werfen einen Blick auf die Staatskanzlei, dem Sitz des hessischen Ministerpräsidenten, und dem Nobelhotel Nassauer Hof. Dann würdige ich noch Kaiser Friedrich III mit einem Foto.

Wir kommen zum Bowling Green, der Grünanlage vor dem Kurhaus, und Gabi erzählt mir traurig, dass dessen prachtvolle alte Platanen vor einigen Jahren dem Bau einer Tiefgarage zum Opfer gefallen sind. Auf dem Weg zum Kurhaus schauen wir kurz ins Hessische Staatstheater rein.
 
Im Kurhaus, einem der prunkvollsten Festbauten Deutschlands, komme ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vermutlich wird Wanderbekleidung in der Spielbank nicht akzeptiert, und so verzichte ich auf das Vergnügen dort mein Geld zu verspielen. Die Fontäne im dahinter liegenden Kurpark ist heute leider nicht in Betrieb.
   
Auf dem Weg in Richtung Marktplatz erfahre ich etwas vom „Jesus von Wiesbaden“, einem Mann, der regelmäßig Litfaßsäulen mit Bibelsprüchen beschriftet.
Wir laufen zur evangelischen Marktkirche weiter und sehen den hessischen Landtag. Dann lichte ich noch das Rathaus, das Stadtschloss, den Marktbrunnen und das Standesamt ab.
Ich bin stark beeindruckt von der Stadt, und fühle mich fast sogar ein wenig erschlagen von den vielen Sehenswürdigkeiten, häufig im neoklassizistischen Stil. Doch nach dem Mittagessen, das Gabi wieder liebevoll kocht, und einem Mittagsschlaf ist völlige Entspannung von Leib und Seele im Thermalbad angesagt.

 
Am Abend bin ich angenehm tiefenentspannt und blicke auf einen beeindruckenden Tag zurück. Er zeichnete sich nicht nur dadurch aus, dass ich Einblick in eine Stadt bekommen habe, die ich vorher gerade einmal ein wenig von Fernsehkrimis kannte, sondern es war ganz besonders diese ungezwungene Vertrautheit mit der Schulfreundin aus längst vergangenen Tagen, die mir so große Freude bereitet hat. Danke Gabi!

 

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Nach Wiesbaden

Meine Route 66: zwölfter Tag

Bevor ich meine Wanderung fortsetze, möchte ich noch weitere Sehenswürdigkeiten von Mainz erkunden. Aber Sonntag Morgen ist aber kein so guter Zeitpunkt für Kirchen. In den Dom darf ich nur ganz kurz und die Chagall-Bilder in St. Stephan bleiben mir verwehrt, da Gottesdienst ist. Dann fotografiere ich halt nur Gutenberg, sein Museum und das Theater.
 

Die drei haben Schirme, ich muss wieder die Regenjacke rauskamen und Gustav verpacken. Natürlich nieselt es nicht lange, aber wir bleiben wetterfest.



Ein kurzer Teil der weiteren Wanderung  führt am linken Rheinufer entlang.
Dann laufe ich über die Brücke zur anderen Rheinseite.



 
Die Straße zieht sich wieder hin und ich kann „Industrie-Sightseeing“ durchführen mit Bauwerken in den unterschiedlichsten Abstufungen von Attraktivität. 
Das Gebäude von „Henkel Trocken“ wird mein persönlicher Favorit.

Und dann wird es noch reizvoller: der Biebricher Wasserturm.

In der Wiesbadener Innenstadt bewundere ich zunächst den Hauptbahnhof und komme dann aus dem Staunen nicht mehr heraus. Ich will aber weiter kommen und so kann ich nicht alles fotografieren, was mein Auge erfreut.


Warum die Wiesbadener Schwimmringe in die Bäume hängen, konnte ich bis jetzt noch nicht herausfinden.
Um kurz nach vier komme ich bei Gabi, einer Schulfreundin, und ihrem Mann pünktlich zur Kaffeezeit an. Am Abend genießen wir ein vorzügliches Sonntagsessen. Wir quatschen, quatschen und quatschen. Wie wunderbar, endlich hier in Wiesbaden zu sein! Ich habe mich lange darauf gefreut.

 

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Nach Mainz

Meine Route 66: elfter Tag

Das Alte Amtsgericht fesselt mich noch eine Weile, vom Frühstücksraum bis zum Trauzimmer im alten Gerichtssaal ist alles liebevoll eingerichtet. Das Herzblut der Betreiber ist im ganzen Haus spürbar. Auch wenn der Denkmalschutz wohl oft große Herausforderungen darstellt.

Als ich dann durch Oppenheim in Richtung Rhein laufe, zeigt sich mir das Städtchen noch einmal im besten Licht.
 
Ich bin schon fast am Ende des Ortes, da erinnere ich mich, dass ich Oppenheim mit dem Begriff „Krötenbrunnen“ verbinde und es fällt mir wie Schuppen von den Augen: ja, da steht doch der Brunnen mit den komischen Fröschen. Das muss diese Krötenbrunnen sein, und ich laufe noch einmal zurück zum Fotografieren.

Danach geht es eine Weile dem Rhein entlang, so wie es mir gefällt. Ich schaue der Fähre beim Ablegen zu und stelle fest, dass manche prachtvolle Bauwerke entlang der Straße schon bessere Zeiten gesehen habeb.

Und dann geht es erneut durch die Weinberge: ich sehe wieder eine Erntemaschine, aber endlich auch Menschen, die Trauben pflücken und damit Eimer befüllen. Hier liefert der Blick in einen Anhänger den Beweis.

Nach den Weinbergen laufe ich wieder direkt am Ufer, aber nicht lange. Und dann wird die Strecke ist eher langweilig.

Als ich endlich wieder am Rhein bin, sehe ich schon in der Ferne Mainz. Ich staune über den Brückenträger der Eisenbahnbrücke , der wie ein Rapunzelturm aussieht.
 
Da ist jemand auf meinem Rücken, der hätte sich gerne diesen Ortsteil angeschaut, aber wir gehen trotzdem direkt zum Hotel in der Altstadt.
Von da aus gibt es dann noch ein wenig Sightseeing: der dritte der drei Kaiserdome. Ich gewinne noch einen kurzen Eindruck von der Innenstadt. Als der Regen einsetzt bin ich gerade gemütlich beim Essen.
 
 
 
Im Hotelzimmer gehe ich ins Bett, aber da gibt es noch was zu sehen vor dem Einschlafen:


 

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Nach Oppenheim

Meine Route 66: zehnter Tag

Heute Morgen läuft alles entsprechend meiner Vorstellungen: Frühstück, Rücken und Wetter. Der Weg aus der Stadt heraus zieht sich langweilig dahin, wie immer, und ich fange schon wieder an mich für die Eyecatcher von Kreisverkehren zu interessieren. Immerhin nicht die einzigen Großvögel, denen ich bisher auf meiner Reise begegnet bin.
 
Dann lese ich in Herrnsheim das Schild „Schloss“. Mein Kopf sagt: „Kein Schritt mehr als die Routenplanung vorsieht!“, meine Füße laufen einfach zum Schloss und die ganze Barbara ist dann begeistert, was für ein beeindruckendes Bauwerk!
 
 
Dieser Turm erinnert mich an Rapunzel und der alte Franzose an die Zeit, als ich in der Kindheit mit meinen Eltern durch Frankreich fuhr, auf dem Weg nach Spanien.
Hier kreuzt sich an einer Stelle mein Weg mit einem Jakobsweg und ich denke ans Pilgern in Vergangenheit und Gegenwart.
Dann folgen meine Begegnungen mit dem Weinbau. Eigentlich stellte ich mir bisher die Traubenernte ganz naiv mit viel körperlichem Einsatz vor. Heute wird mir klar, dass auch in diesem landwirtschaftlichen Bereich moderne Maschinen im Einsatz sind. Viele alte Hilfsmittel sind als Dekoration ausgestellt.
 
 

In der unteren Mitte dieser Erntemaschine ist Platz in der Höhe und Breite eines Weinstocks. Sie fährt so einfach durch die Reihen über die Pflanzen hinweg und zupft die Trauben ab (nicht immer ganz sorgfältig).

 
Nach der Arbeit der Erntemaschinen sieht es dann so aus:

Vielleicht erhoffen sich Visionäre in Zukunft einfach nur die vollen Flasche unter den Reben ernten zu können? Bisher sind sie leer.

Gustav und ich brauchen dringend eine Pause, auch wenn das entsprechend attraktive Bänklein erst kurz danach auftauen wird.

 

 

 

 

Themenwechsel: ich komme an der Gedenkstätte des KZs Osthofen vorbei und meine Gedanken wandern betroffen zu den Opfern der Gräueltaten.
Dann wieder zurück in die Gegenwart: die Weindörfer (Mettenheim, Alsheim, Guntersblum) werden immer attraktiver, während die Zahl der erwanderten Kilometer langsam ansteigt.

Heute gibt es mal keinen Rhein, kein Waldbaden, dafür aber Weinberg-Hopping:
Nach langer Wanderung komme ich dann endlich in Oppenheim an, dem Tipp meiner Schulfreundin folgend. Zunächst bin ich hin und weg vom Alten Amtsgericht, dem Hotel, das mein lieber Mann für mich gefunden hat:
 

     
Sogar für Gustav gibts ein Bettchen:
 
Nach kurzer Pause breche ich zum Sightseeing und Abendessen auf.
 


Zufrieden dann am Ende des Tages noch ein Selfi vor dem  Hotelzimmer: wieder erfüllt von vielen Eindrücken ohne die Erinnerung an körperliche Beschwerden wie gestern, und das Handy zeigt 31 erwanderte Kilometer an. 🙂

 

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Nach Worms

Meine Route 66: neunter Tag

Es hätte ein wunderbarer Tag werden können, die Rahmenbedingungen waren vorzüglich. Die Sonne schien fast durchgehend, es herrschten wanderfreundliche Temperaturen  und doch schoben sich Rückenschmerzen in den Vordergrund. Ich hoffe, dass sich diese nicht zu einem dauerhaften Problem entwickeln werden, denn ich möchte morgen wie geplant weiter laufen.

Doch hier ganz von vorne, ein neuer Tag geht über Ludwigshafen auf:
 
Mir war immer klar, dass Ludwigshafen eine Industriestadt ist, die erst nach dem Krieg so entstanden ist. Umso mehr erstaunen mich Spuren aus der Zeit davor.
  
Ich stapfe am frühen Morgen so vor mich hin, geleitet von meinem Handy, und bemerke beim offene Löwenmaul erst wie sehr ich selbst Hunger habe. Ich laufe durch ein Stadtviertel, in dem es leichter ist einen Döner zum Frühstück zu bekommen, anstatt ein Bäckerei-Café zu finden. Ich fange gerade ernsthaft an, mir wegen meiner kulturellen Engstirnigkeit Gedanken zu machen, da gehen meine Erwartungen doch noch in Erfüllung. Gustav und legen die erste Pause für ein ordentliches Frühstück ein.
Ich wusste zwar, dass die BASF Ludwigshafen prägt, aber was genau das heißt, wird mir deutlicher, als ich einen Teil davon mit den Füßen erlaufe. Ich komme an unzähligen Toren vorbei, zig Kilometer weit, mit mehreren hunderten von Schildern. Der Konzern ist dominant und scheint den ganzen Raum zu bestimmen. Ich versuche bei aller Abwehr daran zu denken, wie froh ich selbst an vielen Stellen über unsere moderne Chemie bin. Aber diese Ausmaße?…

„We create Chemistry“ hört sich harmlos an und sieht fröhlich aus auf den Fähnchen. Dennoch bestimmt der Konzern das Erscheinungsbild einer ganzen Region.
Nur die Werksfeuerwehr befindet sich in einem Gebäude, das noch aus einer anderen Welt stammt.
Nach endlos erscheinendem BASF-Land kommt eine Autobrücke über den Rhein und mein Weg zieht sich danach am Fluss entlang.
 

 
Wieder kann ich jeden Kilometer  Lauffortschritt ablesen ohne auf das Handy zu blicken, aber die Zahlen gehen heute nur langsam nach oben.
Das ist kein Sandstrand, sondern die merkwürdige Hinterlassenschaft eines Betriebes, dessen Funktion ich anhand seiner Aktivitäten nicht herausfinden kann.
Das obligatorische Waldbaden fehlt auch heute nicht.
Die letzten drei Kilometer vor Worms sind eine körperliche Qual, aber alles ist nach einem Schläfchen im Hotelzimmer wieder vergessen. Sightseeing im Abendlicht, ein Vergnügen zum Fotografieren. Wieder begegnet mir ein gigantischer Dom, worauf ich ja schon in Speyer vorbereitet wurde: der zweite der drei Kaiserdome. Es gelingt mir nicht, den ganzen Dom in einem Foto einzufangen. Nur ein Modell kann einen Überblick über seine Ausmaße verschaffen.
 

Hier sind vor langer Zeit schon andere gewandert, beziehungsweise gepilgert. Die Jakobsmuschel ist ihr Zeichen.
Auf den ersten Blick denke ich, dass es außer dem Dom kaum alten Steine in Trier gibt, da diese Stadt im 2. Weltkrieg stark zerstört wurde. Doch beim genaueren Betrachten kann ich dann doch noch weitere Spuren der Geschichte entdecken.

Die alte Synagoge wurde 1938 zerstört, auf der Grundlage alter Überlieferungen wieder neu erbaut und 1961 eingeweiht.
Ein weiterer Tag geht zu Ende, der nicht nur von Anstrengung dominiert war, sondern auch von Sonne, Fluss und Kultur. Wieder bin ich einige Kilometer weiter gekommen und freue mich darüber meinem Ziel langsam näher zu kommen.

 

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Nach Ludwigshafen

Meine Route 66: achter Tag

Es fällt mir schwer, Speyer zu verlassen, denn es hat mir hier recht gut gefallen. Ich frühstücke im Bäckerei-Café nebenan, und ziehe dann um kurz vor neun Uhr  los. Erst verlaufe ich mich noch ein wenig (vermutlich, damit ich noch ein touristisches Abschiedsbild aufnehmen kann).

Die Straße zieht sich wieder endlos langweilig dahin und ich freue mich über jede Abwechslung.
 
Nach dem Ruhetag zwickt mich Gustav auf einmal an den Schultern, vermutlich spielt er sich auf, weil er keine Konkurrenz mehr von den Blasen zu befürchten hat. Ich ertrage es geduldig, zumal heute der perfekte Wandertag ist: strahlender Sonnenschein ohne Hitze. Zum ersten Mal packe ich meine Sonnenbrille raus.
Ich laufe unter der A 61 durch und erinnere mich, wie oft wir früher auf dieser Autobahn als Familie unterwegs waren, auf dem Weg zur fernen Verwandtschaft.
Die Ortschaften Waldsee und Neuhofen verbergen ihren Charme vor mir, aber ich finde ein nettes Plätzchen für meine Mittagspause.

Dann folgt auch heute wieder das bisher tägliche Waldbaden. Am Ende des Waldes tut sich sogar eine „Tankstelle“ auf.

 Gestärkt trotte ich die letzten Kilometer nach Ludwigshafen, wo ich um drei Uhr das Hotel erreiche. Nach einer gebührenden Pause breche ich zur Sightseeingtour nach Mannheim auf.
Die Autobahnbrücke im Hintergrund löst wieder die alten A 61-Erinnerungen aus.




Aus dieser Perspektive sieht mein Hotel eigentlich ganz ansehnlich aus, obwohl es schon bessere Zeiten hinter sich hat. Im Aufzug fürchte ich zunächst, dass ich in diese Zeiten zurück geführt werde, doch ich komme wohlbehalten im 10. Stock an, von dem aus ich weit runter schaue.

 

Am Ende des Tages falle ich wieder müde ins Bett und blicke auf einen weiteren erfüllten Tag zurück. Wieder bin ich ein Stück auf meinem Weg weiter gekommen, wieder durfte ich viele Eindrücke sammeln, von denen ich erzählen kann. „Es ist schön, dass wir gebabbelt haben, da fängt der Tag viel besser an!“, sagte mir ein Mann heute morgen beim Frühstück, nachdem er von meiner Reise gehört hatte.

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