Volles Programm…

Eigentlich denke ich heute Morgen, ich würde nur meditativ auf einem Leinpfad gute neun Kilometer bis nach Limburg vor mich hin trotten, plus ein wenig Sightseeing vor Ort.
Weit gefehlt…
Schon die Burg Runkel überrascht mich mit einem ersten Highlight, nachdem ich mich geduldig die Stufen bis ins Tal hinunter gearbeitet habe.
Natürlich nehme ich mir keine Zeit für eine Besichtigung. Wäre aber bestimmt nett gewesen!
Runkel ist ein alter Ort, der mit vielen Infotafeln und hübschen Fachwerkhäusern beeindruckt und wohl zu seiner Burg passen möchte. Ich finde aber nicht, dass alles ein stimmiges Ensemble ergibt, sondern hätte gerne weniger Baustellencharm, Verfall und mehr florierendes Leben gesehen. Die Stadt scheint in der Vergangenheit stecken geblieben zu sein. Apropos Vergangenheit: Dieser Audi 100 versetzt mich in meine Vergangenheit, in der wir noch einen Audi 80 besaßen.
Komoot scheint nach dem Ärger von gestern wieder etwas gut machen zu wollen. Das Programm ignoriert Vorstellungen vom Leinpfad und schickt mich wieder auf eine populäre Wanderweg-Route. Ich begreife, dass ich erneut die Wanderstöcke auspacken muss.
Der Weg führt an einem jüdischen Friedhof vorbei, auf dem ich willkürlich Gräber mit Sterbejahren aus dem späten 19. und dem frühen 20. Jahrhundert auswähle und betrachte. Es gibt keine Infotafel zu geschichtlichen Hintergründen.
Geht denn jetzt schon wieder das Wegesuchspiel los? Ich will mich schon aufregen, da fällt mir ein, dass ich ja selbst runter zur Lahn wollte und das entsprechend eingegeben habe. Diesmal komme ich vorsichtig weiter, kann zwar manchmal nur mit Mühe eine Art Weg erkennen, aber Hindernisse scheinen durchgesägt oder weggeräumt zu sein.
Einen Leinpfad gibt es hier nicht, aber einen bezaubernden Weg durch den Wald, auf dem ich immer wieder auf die Lahn herunter blicken kann.
Dann hört die Idylle auf, weil eine Lahnschleife abgekürzt wird. Ich komme am Annakirchlein vorbei, an dem Pilger wieder eine Stempelstelle vorfinden.
Hallo Fluss, da bist du ja wieder!
Limburg in Sicht!
Bereits Sightseeing auf dem Weg ins Hotel…
Nachdem ich eingecheckt habe, überfällt mich die Müdigkeit und ich gönne mir ein Schläfchen. Dabei bin ich doch „nur“ 12 Kilometer unterwegs gewesen gewesen!
Limburg kommt mir vor wie eine Puppenstube, an der gelegentlich etwas rumgebastelt wird.
„Tebartz-van Elst“: Dieser Name liegt hier in der Luft. Ich höre ihn mehrere Male, beispielsweise von dem freundlichen Herrn an der Rezeption, von der Dame im Geschäft, von Touristen, die an mir vorbeilaufen oder von Männern am Nebentisch im Restaurant. Es ist, als ob der Dom sich schämen würde. Wirklich traurig, wie diese reizende Stadt zunächst einmal auf einen maßlos verschwenderischen Bischof reduziert wird. „Goldene Wasserhähne!!!“
Doch der Dom zeigt sich noch von anderen Seiten.
Ich fühle mich hier wohl.
Es ist Zeit fürs Abendessen: eine äußerst schmackhafte vegetarische Burggartenpfanne.
Dann zieht es mich zurück in mein Hotel in der Nähe des Bahnhofs. Ein wirklich abwechslungsreicher Tag liegt hinter mir: volles Programm! Am Ende haben mich meine Füße 16 Kilometer weit getragen. Das macht müde und zufrieden.

















