Pfadsucherin…
Soll ich heute die Fahrradroute mit einer Distanz von 14 Kilometern und 220 Metern Aufstieg wählen oder die Wanderroute mit 18,8 Kilometern und 320 Meter bergauf? Ich kann mich lange nicht entscheiden und wähle dann die weniger anstrengende Option.
Gleich stoße ich auf das erste Hindernis: Da darf ich als Fußgängerin nicht durch. Komoot dreht durch, als es mir eine Alternative vorschlagen soll. Das Programm ist mit Weilburg ohnehin schon überfordert. Ich zögere und drehe um.
Mir bietet sich noch die Möglichkeit, ein paar Fotomotive im Sonnenschein zu bewundern. Doch wie weiter? Da sammle ich plötzlich Argumente für eine Tour im Taunus, jenseits von Straßen und Ortschaften:
– Heute ist noch bestes Wanderwetter voraus gesagt. (Wie habe ich das schon wieder verdient???).
– Ich bin mittlerweile durchtrainiert und gestern machten mir die Höhenmeter nicht mehr viel aus.
– Ich mag das Wandern auf Waldwegen.
– Ich habe keinen Zeitdruck.
…Also klare Entscheidung: Wandereinstellung bei Komoot.
Wie komme ich jetzt über diesen Lahnarm? Alternativroute! Komoot führt mich an dem Apartment vorbei, in dem ich übernachtet habe. Okay, 45 Minuten vorbei und keinen Meter voran gekommen, super! Meine Stimmung entspricht aber dem schönen Wetter und lässt sich von solchen Irrungen nicht runterziehen.
„Komoot, kann ich nicht auch diesen Pfad runter laufen und dann die Treppen nehmen?“ Ich widersetze mich erfolgreich dem ursprünglichen Vorschlag an der Hauptstraße und verkürze die Route. – Komoot und Weilburg, das passt einfach nicht zusammen!
Wandertraum Leinpfad! Nur gelegentlich kommen Leute auf ihren Fahrrädern vorbei.
Ich werde längs über einen Campingplatz navigiert und freue mich, als ich am Ende auf einem kleinen Pfad lande, der wie ein Hindernis Parcours auf mich wirkt. „Hoffentlich wird mir von den Baumstämmen nicht nachher der Weg ganz versperrt, so wie damals in Österreich!“
„Ohje, das ist so überhaupt nicht nach meinem Geschmack!“ Und dabei meine ich nicht einmal den steilen Anstieg, sondern diese Brücke über das Bächlein.
Wie gut, dass mich niemand dabei beobachtet, wie ich mit Hilfe meiner Wanderstöcke Zentimeter um Zentimeter auf dem Hindernis voran komme.
Dann habe ich es geschafft. Ein kleiner Richtungswechsel und ich lande auf einem moderaten Waldweg. Die Luft, die verschiedenen Geräusche der Vögel, die Einsamkeit – all dass berührt mich. Ich gerate in diesen meditativen Zustand, der durch die Gleichmäßigkeit der angenehmen Umgebung ausgelöst wird.
Mein Mittagspausenplatz…
Vom Lahnhöhenweg aus kann ich gelegentlich auf den Fluss herunter sehen.
„Ist das wirklich noch mein Weg?“ Immer häufiger stelle ich mir diese Frage. Ich laufe drei Mal zu weit und kehre unbeschwert um. Jeweils nur ein paar Meter. Ich habe doch Zeit und mir geht es gut! Dann kontrolliere ich nach jeder Abzweigung, ob ich noch richtig bin. Meine Durchschnittsgeschwindigkeit sinkt dadurch noch mehr. (Steigungen ziehen sie sowieso schon ziemlich runter.)
Was soll das? Komoot verfälscht auf einmal Richtungen, ja erdichtet sogar einen entscheidenden Weg. Auf einmal irre ich im Wald. Bei einer Gabelung mit drei Möglichkeiten, passt am Ende keine (nachdem ich sie alle ein Stück weit ausprobiert habe.)
Ich habe heute die Ruhe weg, aber trotzdem kommt der Punkt, an dem es mir reicht. Ich verliere die Freude an Waldexperimenten. Auf der Karte sehe ich, dass ich auf die Alte Runkler Landstraße zusteuere. Also Schluss mit Idylle, ich will auf kürzestem Weg in das Landhaus, in dem ich übernachten werde!!!
Komoot ist beleidigt und zeigt mir nicht einmal mehr die verbleibenden Kilometer nach Runkel, beziehungsweise Schadeck an.
Was – nur 12 Kilometer seit Weilburg? Ich habe mittlerweile fast 20 Kilometer hinter mir.
Egal, ich komme müde aber zufrieden ans Ziel und werde wieder hervorgehen umsorgt.
Ich bin zumindest bei all dieser Pfadsucherei nicht in Panik verfallen und habe mir den Tag nicht verderben lassen. Meine Freundschaft mit Komoot wurde schon mehrere Male enttäuscht. Ab jetzt möchte noch weniger Vertrauen in die Zuverlässigkeit des Programms setzen, sondern möglichst stets einen Plan B im Auge haben. Und morgen wird es definitiv keine Waldwanderung geben!
Wenn ich auf diesen Tag zurück blicke, dann fallen mir allerdings sofort der traumhafte Leinpfad und die wunderbare Zeit im Wald ein. Die ganzen Irrwege haben viel weniger Bedeutung in meiner Erinnerung.













