Meine Route 66: zwanzigster Tag
Heute ist der Tag, an dem ich meine Stöcke stehen lasse und nicht mehr wieder bekomme. Ich bemerke es erst, als ich die Moselbrücke schon mehrere Kilometer hinter mich gelassen habe. Natürlich laufe ich zurück, aber vergeblich.

Ich ärgere mich: einfach loslassen und mich in die Gegebenheiten fügen ist nicht so mein Ding. Aber meine wertvollen Stöcke sind nun mal unwiderruflich weg, es hilft mir nichts mich noch möglichst oft an sie zu erinnern. Bedrückt laufe ich eher unmotiviert weiter und reagiere meist erst spät, wenn ich freundlich gegrüßt werde.
Dabei haben mir genau diese freundlichen Grüße und die kurzen Kommentare von allen Seiten bisher soviel Freude bereitet. Ich versuche langsam meine Aufmerksamkeit vom Verlust abzuwenden um das wahrzunehmen, was um mich herum geschieht. Ist nicht das genau der Grund, warum ich diese Wanderung angetreten habe? Jetzt bin ich nicht nur allein die Frau, die keine Lehrerin mehr ist, sondern auch die, die nicht auf ihre Stöcke aufgepasst hat. Wie banal! Laufen hilft! Ich gewöhne mich an die neue Situation, meine Geschwindigkeit wird sogar schneller. Mein Blick wird wieder offener für die Umgebung. Sonnenstrahlen verbreiten zudem eine etwas beruhigende Wirkung.

Meine Freude an Eisenbahnbrücken wird wieder wach.

Mir fällt ein, warum mir der Ort Mülheim-Kärlich bekannt vorkommt, und ich bin froh, dass es auch hier keine riesigen Kühltürme mehr gibt.


In Andernach komme ich in einem ganz süßen Hotel unter und fühle mich wohl.
Die Stadt gehört zu den ältesten Deutschlands, was ich noch an vielen historischen Bauwerken sehen kann. Diese locken Rheintouristik an, obwohl die Stadt eigentlich industriell geprägt ist, was ich auf dem Hinweg zur Genüge feststellen können.




Wieder geht ein erfahrungsreicher Wandertag zu Ende!