Nach Boppard

Meine Route 66: achtzehnter Tag

Als ich heute Morgen vor die Haustüre trete, in perfektem Regenoutfit für mich und Gustav, brauche ich nur um die Ecke ins örtliche Bäckerei-Café zu gehen. Dort erhalte ich neben dem Frühstück auch Situationskomik, Einblick in den Dorfklatsch und Bewunderung für mein Wanderprojekt. Ganz besonderes Lob gibt es für meine gelassene Haltung dem Wetter gegenüber, gemischt mit einer Portion Aufmunterung für den Nachmittag. Auf dem Weg zur Fähre schrumpft meine soeben noch gelobte Gelassenheit auf ein Minimum, denn mir schlagen Regentropfen ins Gesicht zusammen mit einem eisigen Wind. Meine Knöchel sind wieder kalt. Auf der Fähre werde ich von dem jungen Fährmann mit den Worten begrüßt: “So ein blödes Wetter hatten wir schon ewig nicht mehr!“ Super, das hätte auch noch nach meiner Wanderung sein können! Ich darf mich im kleinen Kämmerlein unterstellen und dokumentiere von dort aus durch die verregnete Scheibe die letzten Eindrücke von Kaub.

Auf der linken Rheinseite bläst mir noch einmal kurz der Wind entgegen, dann hört der Spuk aber auf. Ich lasse Kaub hinter mir und schaue noch kurz der Fähre nach. Danach geht der Weg unbeschwert weiter, Wind und Regen geraten schnell in Vergessenheit.

Es ist unglaublich, wie viele Burgen so am Straßenrand auftauchen. Ich genehmige mir ein zweites Frühstück.

Ich mache einen kleinen Sightseeing-Abstecher nach Oberwesel.

Heute führt mich der Weg ununterbrochen dem Rhein entlang. Ich sehe sogar Hopfen am Wegesrand und das in einer Weingegend.
 
Ich laufe die ganze Zeit in einem Team mit Eisenbahnen, Autos, Fahrrädern und Schiffen. Jedes Verkehrsmittel setzt andere Bilder in mir frei: Eisenbahnromantik beispielsweise bei Tunneleingängen, die ich nie wahrnehme, wenn ich selbst auf der Rheintal-Strecke mit dem Zug unterwegs bin.

Auf einmal fährt ein Auto vorbei, das genauso aussieht wie der 12 M meiner Eltern, als wir noch in Wuppertal wohnten, nur in grau. Ich bin nicht schnell genug beim Fotografieren dieser Erinnerung, aber ich erwische später den Bus gerade noch, in dem meine Oma hätte sitzen können. Der parkende VW-Bus ist ein weiteres Bindeglied mit meiner Kindheit.
 
Als ich nach St. Goar komme, geschieht das Unerwartete: die Sonne kommt raus und strahlt sogar ein wenig auf die Loreley. St. Goarshausen liegt ganz im Licht.

Ich lege einen weiteren Sightseeing-Abstecher in St. Goar ein.

Die Farben werden mit zunehmender Sonne immer intensiver. Ich wusste nicht, dass Tonnen auf dem Trockenen so aussehen.

Gustav und ich machen direkt am Rhein Pause.

Der blaue Himmel ist gigantisch für einen Schlechtwettertag.

Das sind andere Entfernungen. Doch Boppard liegt von Oberjettingen laut Google-Maps immerhin 246 km entfernt.

Ich komme in Boppard bei einer ganz süßen kleinen Pension unter und erkunde noch ein wenig das Städtchen. Erst ist gerade Weinfest, aber mir ist es mehr nach einer der vielen Pizzerien an der Rheinpromenade. Wieder bin ich rundum zufrieden nach dem Tag und sehr dankbar, dass mein Körper mittlerweile so gut mitspielt.

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