Wo ist die Lahn?
Bevor ich mich der „wichtigen“ Ausgangsfrage widme, schnell noch die Beantwortung einer anderen Frage, die mich auf WhatsApp erreichte: „Warum glaubst du, in BW keine Kontakte knüpfen zu können?“
Antwort: Im Rückblick fiel mir auf, dass ich bei meinen Fernwanderungen die nettesten Kontakte jenseits von BW hatte, wie in Bayern, Österreich oder Rheinland bzw. NRW. Kann reiner Zufall sein, kann auch an mir liegen, dass ich „Zuhause“ nicht aufgeschlossen genug wirke. Ich will wirklich nichts verallgemeinern. Auffällig fand ich es allerdings, dass ich im vergangenen Jahr – als ich von Ulm zum Donauursprung wanderte – überhaupt keine nennenswerten Begegnungen hatte. Heute beispielsweise wurde ich beim Frühstück begrüßt mit: „Hallo Barbara, setzt dich doch zu uns!“ (Das blieb allerdings die einzige Begegnung dieses Tages.)
Doch was ist nun mit der Lahn?
Als ich meine Übernachtung im Forsthaus Lahnquelle buchte, dachte ich in meiner Naivität, dass ich ab dort an den Ufern des „Babyflüsschens“ entlang laufen könnte. Aber da scheint es keine geschickten Wege zu geben, zumindest Komoot war äußerst unkooperativ. Am liebsten hätte mir die App zu meinem heutigen Etappenziel trotzdem 390 m Anstieg und 710 m Abstieg zugemutet. Aber nicht mit mir! Ich wählte die softere Fahrradvariante.
Wäre ich nicht schon vorgewarnt gewesen, hätte ich vielleicht die erste Enttäuschung erlebt. Aber so gebe ich mich mit den beschaulich rauschenden Bächlein Ilse und Banfe zufrieden, deren Quellen auch hier in der Nähe zu finden sind.
Ich laufe gemütlich auf einer kleinen, verkehrsarmen Kreisstraße das Rothaargebirge hinunter.
Sauerland: Fachwerk, Weisheit, Hoffnung und Humor. Mir gefällt das…
(vielleicht, weil ich eine geborene „Sauer“ bin?)
Mein Humor bekommt Schräglage. Wie witzig: dieser Waldpostbriefkasten und der Ortsnamen, den wohl kein Mensch freiwillig gewählt hätte.
Ich laufe ungefähr 16 Kilometer, bis ich am Anfang von Bad Laasphe (geprochen Lahsfe) dann endlich die Lahn sehe. Sie sieht jetzt nicht mehr ganz so babyhaft aus, nachdem sie kurz zuvor die Banfe verschlungen hat.
Jetzt bin ich im Lahntal. Das Rothaargebirge (in Kombination mit dem zurückhaltenden Training) fordert seinen Preis: Ich spüre ziemlich Muskelkater in den Beinen. Trotzdem schleppe ich mich durch das Zentrum von Bad Laasphe. Die Freude über die hübschen Fachwerkhäuser hält sich die Waage mit der Traurigkeit über Leerstand und Verwahrlosung.
Dann zieht es sich wieder. Ich laufe jetzt endlich entlang der Lahn, muss aber dafür viel Industriegebiet in Kauf nehmen. Als das endlich vorbei ist, habe ich ein Deja-vu: Die Aue der jungen Lahn sieht genauso aus wie die Aue der jungen Donau mit ähnlich vielen Reihern. (Konrad meinte danach dazu, dass ich heimkommen solle, da die Flüsse doch sowieso alle gleich aussähen ???) Dann bewundere ich noch einen hübschen Weiher, bis ich nach einer gefühlten Ewigkeit an meinem Zielort ankomme.
Das Thema „Einkehr“ drängt sich hier nicht allzu sehr auf. Der hübsche Gasthof Traube sucht neue Pächter. Mir ist es noch warm von der Wanderung und ich habe eine gemütliche, moderne Ferienwohnung. „Dann hole ich mir halt was vom Edeka und esse hier!“ Ich stelle mich darauf ein, den weiten Weg noch einmal zurück zu gehen. Aber nach einer anderthalbstündigen Pause und ohne Rucksack dauert der Weg nur paar Minuten. Gute Entscheidung: Jetzt gibt es „zuhause“ leckeren italienischen Nudelsalat.
Heute war ich insgesamt 26,5 Kilometer unterwegs und fühle mich ziemlich ausgelaugt. Aber war das sonst nicht auch so nach dem ersten Wandertag? Wahrscheinlich – hoffentlich!











Tapferle weiter so…
Liebe Grüße und wanderbares Wetter.